"Ich will auch Leben retten"

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Sa, 07. April 2018

Freiburg

Rita Blandón aus Wiwilí, die 2016 in Freiburg am Herzen operiert wurde, studiert jetzt in Nicaragua.

FREIBURG/WIWILI. Zwei Jahre ist ihre Operation am offenen Herzen an der Uniklinik her. Nun studiert Rita Blandón aus Freiburgs Partnerstadt Wiwilí in ihrem Heimatland Medizin und träumt davon, später selbst als Ärztin anderen Menschen das Leben zu retten. Ein Besuch bei der 19-Jährigen in Nicaragua.

Die Abendsonne scheint gerade durch die engen Gassen Leóns. Die Kolonialstadt mit der weißen Kathedrale ist auch bekannt für ihre Universität. Rita Blandón kommt lächelnd um die Ecke. Vergangenes Jahr hat sie ein Studium im biologisch-medizinischen Bereich begonnen. "Am liebsten möchte ich mich auf Hämatologie spezialisieren", sagt sie mit leiser Stimme, aber dennoch entschieden. Gerade in der Inneren Medizin gebe es in Nicaragua noch Nachholbedarf. "Ich möchte gerne helfen, auch anderen Menschen das Leben zu retten", sagt die aus Freiburgs Partnerstadt Wiwilí kommende Frau – in ihrem Auftreten bescheiden und höflich, aber zielstrebig.

Bis vor zwei Jahren waren ihre eigenen Lebensperspektiven eher gering. Seit ihrer Geburt lebte sie mit einem Herzfehler und die Ärzte in ihrem Heimatland sahen keine Chance, ihre geringe Lebenserwartung durch einen Eingriff zu erhöhen. So entschied 2015 der Freiburger Wiwilí-Verein, der seit mehr als 30 Jahren die Stadt im Norden des mittelamerikanischen Landes und vor allem ihre Menschen unterstützt, die junge Nicaraguanerin nach Deutschland zu holen.

Dafür wurden keine Kosten und Mühe gescheut. Dank Spenden von Mitgliedern sowie der Unterstützung des Vereins "Kinderherzen retten" und der Uniklinik konnten der Freiburger Arzt Klaus Zimmermann und weitere Mitglieder des Wiwilí-Vereins Rita Blandón und ihre Mutter Amada del Carmen Benavides nach langen Vorbereitungen im April 2016 tatsächlich in Freiburg begrüßen. Kurz darauf wurde sie von der Kinderkardiologin Brigitte Stiller operiert. Die auf angeborene Herzfehler spezialisierte Ärztliche Direktorin setzte Blandón eine künstliche Herzklappe ein. Trotz zunächst erfolgreicher OP hatte sie mit Nachblutungen zu kämpfen und lag eine Woche im künstlichen Koma.

"Wir waren so froh, als sich ihr Zustand wieder stabilisierte", sagt Marlu Würmell-Klauss rückblickend. Die Vorsitzende des Wiwilí-Vereins ist immer wieder in Nicaragua und traf die Studentin zuletzt im März am Río Coco in deren Heimatstadt. Ihr Eindruck: "Es ist toll zu sehen, wie lebensbejahend und ehrgeizig sie ist."

So hofft die junge Frau auch auf ein Stipendium. Denn die Finanzierung des Studiums ist für die unter einfachsten Verhältnissen in Wiwilí lebende Familie kaum zu stemmen. Ritas Schwester ist gerade erst nach Spanien aufgebrochen, um wie andere Landsleute im baskischen Bilbao ihr Glück zu finden. "Ich vermisse sie jetzt schon", sagt Rita bei einer Tasse Kaffee im Hinterhof des Häuschens. An Wochenenden, in den Semesterferien – so oft wie möglich, fährt die 19-Jährige von León in ihre 250 Kilometer entfernte Heimatstadt im Norden des Landes, um zumindest ihre Mutter und ihre Freunde zu sehen.

Denn so schwierig für sie die Rückkehr in den Alltag in Nicaragua nach der Operation in Freiburg vor zwei Jahren war: In Wiwilí fühle sie sich am wohlsten, sagt sie. Aber sie sagt auch: "Es wäre toll, wenn wir jungen Leute hier irgendwann genauso viel Perspektiven hätten wie in Freiburg." Mit ihrer Willens- und Lebenskraft geht Rita Blandón auf jeden Fall als Vorbild voran.