"Ich wünsche, dass wir offiziell anerkannt werden"

Jochen Fillisch

Von Jochen Fillisch

Sa, 14. April 2018

Efringen-Kirchen

BZ-INTERVIEW mit Bürgerbus-Koordinatorin Christiane Breuer zum einjährigen Bestehen des kostenlosen Transportangebots.

EFRINGEN-KIRCHEN. Vor genau einem Jahr fuhr der Bürgerbus zum ersten Mal durch Efringen-Kirchen. Er bringt kostenlos Menschen zum Arzt, zum Einkaufen, zur Schule. Jochen Fillisch fragte die Bürgerbus-Koordinatorin Christiane Breuer, wie sich das Projekt entwickelt hat.

BZ: Frau Breuer, bei der ersten Fahrt transportierte der Bürgerbus vier Personen, wie viele sind es heute?
Breuer: Im Durchschnitt nutzen mehr als 20 Personen pro Tag den Bürgerbus, in Spitzenzeiten im Winter waren es sogar um die 35. Da ist es schwierig, die Fahrten am Morgen so einzuteilen, dass alle pünktlich zu ihren Terminen kommen. Da müssen wir beim Tourenplan ganz schön deichseln. Deshalb sind wir auch sehr froh, dass wir jetzt mit dem Donnerstagnachmittag einen dritten Fahrtag neben dem Dienstag und dem Freitag anbieten können.

BZ: Was sind das für Leute, die den Bürgerbus nutzen?
Breuer: Vorwiegend sind es ältere Leute, die zum Arzt oder zum Einkaufen wollen. Für die ist es ganz wichtig, dass sie ihre Termine selbständig wahrnehmen können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind. Für sie ist es ein tolles Angebot, dass wir sie zu Hause abholen und auch dort wieder abliefern. Es kommen aber auch jüngere Leute, zum Beispiel Frauen mit kleinen Kindern, deren Mann das Auto tagsüber benötigt, oder junge Leute, die nach Operationen noch nicht wieder mobil sind. Und wir bringen auch Kinder zur Schule, bei denen der Unterricht erst zur zweiten oder dritten Stunde beginnt und der Schulbus nicht mehr fährt.

BZ: Wie viele Fahrten hat der Bürgerbus in seinem ersten Jahr absolviert?
Breuer: Das kann ich nicht genau sagen, ich bin noch nicht dazu gekommen, die Statistik zu machen. Ich weiß nur, dass es vor Weihnachten schon mehr als 1000 Fahrten waren.

BZ: Die Erstellung des Tourenplans ist nicht ganz einfach, Sie haben es bereits erwähnt. Wie bekommen Sie diese Problematik auf die Reihe?
Breuer: Wir gestalten den Plan nach Möglichkeit so, dass die Leute mit festen Terminen vorgehen. Diejenigen, die einkaufen wollen, gruppieren wir dann drum herum. Wir müssen die Fahrgäste aber auch wieder zurückbringen, und die wissen ja vorher nicht, wie lange es beim Arzt dauert. Die Ärzte rufen dann bei uns an und der Fahrer kommt schnellstmöglich vorbei.

BZ: Es gab auch Probleme mit dem Stellplatz für das Fahrzeug, dem sogar schon die Reifen zerstochen wurden. Wie sieht es damit aus?
Breuer: Die Parkplatzfrage ist immer noch ein Problem. Der Bus ist jetzt zwar beim Werkhof eingeschlossen, so dass nichts mehr passiert. Es ist aber trotzdem unbefriedigend und umständlich, weil der Fahrer morgens vor 8 Uhr erst einmal aufs Rathaus muss, um die Schlüssel zu holen. Leider hat die Gemeinde kein Geld, um uns eine Garage zu bauen.
BZ: Wo wir schon beim Geld sind, wie finanziert sich denn das Ganze?
Breuer: Die Gemeinde hat den Bus für 35000 Euro gekauft und trägt die laufenden Kosten für Benzin, Unterhalt, Versicherung. Das sind ungefähr 6000 Euro im Jahr. Dazu kommt die Abschreibung. Im Gegenzug fließen rund 3500 Euro wieder zurück, durch die Werbeflächen, die örtliche Unternehmen auf dem Bus angemietet haben. Das Bürgerbusteam selbst arbeitet völlig ehrenamtlich. Im Bus steht eine Spendenkasse, in die unsere Fahrgäste etwas einwerfen können, denn die Fahrten sind ja kostenlos. Mit dem Geld aus dieser Kasse finanzieren wir unsere Teamtreffen, die wir so alle zwei Monate abhalten.

BZ: Wie viele Mitglieder hat das Team?
Breuer: Aktuell sind es 25 Fahrer und 16 im Telefonteam. Da sind die Teamtreffen sehr wichtig, weil wir abfragen, was wir noch verbessern können. Wir müssen immer besser werden, denn natürlich machen auch wir einmal Fehler. Einmal hat ein Fahrer eine Frau vergessen und hatte daraufhin eine schlaflose Nacht. Wir konnten dann aber unsere Tourenpläne perfektionieren und seitdem ist das nicht mehr vorgekommen.

BZ: Was wünschen Sie sich zum einjährigen Bestehen des Bürgerbusses?
Breuer: Ich wünsche, dass wir als Organisation offiziell anerkannt werden. Wir haben ja bewusst keinen Verein gegründet, weil das zu viel Aufwand wäre. Andererseits braucht das Ganze einen offiziellen Anstrich, damit die Gemeinde auch einen festen Ansprechpartner hat. Da würde ich mich zur Verfügung stellen und meine Vertreter wären Hansjörg Obermeier, der die Fahrer organisiert, Sonja Pagenkopf, die mit mir fürs Telefonteam zuständig ist, und Wolfgang Martin, der das Fahrzeug wartet. Und ansonsten wünsche ich mir, dass die Motivation in unserem Team nicht nachlässt und alle mit Begeisterung bei der Sache bleiben.

Bürgerbus Efringen-Kirchen: Dienstag und Freitag 8 bis 18 Uhr, Donnerstag 13 bis 20 Uhr innerhalb der Großgemeinde, außerdem Donnerstagvormittags ins Thermalbad nach Bad Bellingen. Anmeldung: Montag 14.30 bis 17 Uhr für den Dienstagsbus und die Fahrt nach Bad Bellingen, Mittwoch 14.30 bis 17 Uhr für den Bus am Donnerstag und Freitag, Tel. 07628/806123