Breisgau-Hochschwarzwald

24-Stunden-Wanderung durch den Kaiserstuhl

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Mo, 14. August 2017 um 16:53 Uhr

Ihringen

Wanderer gibt es viele – aber Menschen, die 24 Stunden am Stück laufen? Am Wochenende hat sich eine Gruppe von Ihringen aus aufgemacht, um einen wortwörtlichen Wandertag zu erleben.

Sonntagmittag in Ihringen, auf dem Kirchplatz ist es still. Nur wenige Minuten später ein ganz anderes Bild: Rücksäcke werden auf den Boden fallen gelassen, Schuhe ausgezogen, Menschen klatschen ab und setzen sich auf den Boden der Kirchentreppe oder fallen sich in die Arme. Exakt 24 Stunden davor haben sich die Meisten von ihnen nicht mal gekannt, jetzt wirken sie, als ob sie beste Freunde wären.

Dabei sind doch eigentlich nur zusammen gewandert – das aber 24 Stunden und 55 Kilometer lang. Die Idee stammt von Michael Ewen und seiner Tochter Ylva Schmökel. Sie haben schon mehrerer solcher Dauertouren gemacht. Dann die kam Idee, diese Erfahrung mit anderen zu teilen. Dabei blieb es nicht. Der Einfall: Man könnte auch für einen guten Zweck laufen. Deshalb haben sie dazu aufgerufen, gemeinsam 24 Stunden durch den Kaiserstuhl zu wandern und zu spenden.

Die Teilnehmer unterstützen den "Förderverein stationäres Kinder- und Jugendhospiz Baden." Das private Ansinnen, Menschen zusammenzubringen, Kraft schöpfen, sich lebendig fühlen – das überwiege, erklärt Ewen. "Ich bin von dieser Leidenschaft und der Wanderlust der Teilnehmer begeistert", sagt der Organisator.

25 Wanderer begaben sich auf die Strecke. "Der Kaiserstuhl ist sehr sehr schön", sagt Elzbieta Krajniak bei der Ankunft. "Aber anstrengend", tönt es zurück. Die Wanderer lachen. Krajniak kommt aus Polen, sie lebt in Karlsruhe und verbringt ihren Urlaub in Südbaden, sie wollte unbedingt hier wandern. In Polen sei schon mal 24 Stunden am Stück gewandert.

Viele Teilnehmer wohnen in der direkten Umgebung. Gunther Hiss kommt aus Eichstetten: "Wir sind alle reicher geworden an Erfahrungen und Eindrücken", sagt er. "Und Muskelkater", ruft ein anderer dazwischen. Trotz Erschöpfung und Anstrengung ist die Stimmung gelöst. Hiss sagt, dass das Wandern durch die Nacht problemlos verlief: "Da waren die Füße noch frisch – jetzt tun sie weh." Für Hiss sei die Herausforderung die lange Distanz an einem Stück gewesen.

Die Strecke ist ein Rundkurs. Start und Ziel ist Ihringen. Von dort führt die Route auf den Totenkopf. Weiter geht es über den Neulindenturm und den Eichelspitzturm nach Endingen. Dort findet die Abendpause der Wanderer statt. Nachts geht es durch den Kaiserstuhl nach Sasbach. Über Burkheim und Oberrottweil geht es zurück nach Ihringen.

Martin Hügle ruht sich auf einer Bank aus. Er ist mit 72 Jahren der älteste Teilnehmer der Gruppe. "Einer muss es ja sein", sagt der Freiburger. Er wolle aber nicht hervorgehoben werden: "Die Gruppe ist viel wichtiger als der Einzelne", so Hügle. Er habe dem Alltag entfliehen wollen. Neben Hügle sitzt Michael Laule aus Eschbach. Er sei auch wegen des Fördervereins mitgelaufen. Er ist nicht der Einzige. "Ich laufe die 24 Stunden für das Kinderhospiz", sagt Susanne Gutmann aus dem Breisacher Ortsteil Hochstetten.

Blasen an den Füßen – unvermeidbar

Wie viel gespendet wurde, kann Michael Ewen noch nicht sagen. Die Läufer haben mehrere Möglichkeiten, um den Verein zu unterstützen. Entweder Bar oder über eine Spendenbox direkt bei den Organisatoren oder online an den Verein. Hospiz und die Wanderung haben eine Verbindung. Beide geben Kraft und Hoffnung, erklärte Ylva Schmökel vorab.

Jetzt steht die 23-Jährige auf dem Ihringer Kirchplatz, Pflaster an den Füßen. "Blasen sind unvermeidbar", sagt sie. Mit ihr ins Gespräch zu kommen, ist nicht ganz einfach. Ständig kommt ein Wanderer umarmt sie, bedankt sich für ihre souveräne Führung. Sie erklärt sich das Zusammenfinden der einzelnen Personen mit der festgelegten Zielsetzung: "Wir machen das als Gruppe." Und die Teilnehmer hätten durch die 24 Stunden genügend Zeit gehabt, sich kennenzulernen. Ständig sei man mit jemand anderem ins Gespräch gekommen. Das Wandern habe etwas Besinnliches gehabt, wovon man nicht abgelenkt worden sei. "Es wird wieder eine geben", sagt Schmökel. Das dürfte einige Menschen freuen. Denn das Interesse im Vorfeld war groß. Etwa 40 Menschen wollten mitwandern. Doch damit die Begegnung funktioniert, haben die Organisatoren das Feld auf 25 Teilnehmer begrenzt. Es gab sogar eine Warteliste für Wanderfreudige.

Die erneute Wanderung wäre auch eine Chance für Manuel Braun aus Merzhausen. Sein Knie habe nicht mehr mitgemacht, er musste aufgeben. Dank des Begleitfahrzeugs, das von Ewens Arbeitskollegin Susanne Mc Cleskey gesteuert wurde, sei das aber problemlos verlaufen. Jetzt steht auch er in Ihringen. "Mit zwei funktionierenden Beinen würde ich das sofort wieder machen", sagt Braun.