Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
17. Juni 2010
B31 West: Es sind noch viele Fragen offen
Regierungspräsidium erläuterte in Ihringen die geänderten Pläne für die B 31 West / Einwendungen bis zum 3. August möglich .
IHRINGEN. Sie füllen zehn Ordner, die derzeit in den Rathäusern eingesehen werden können: Die mit Spannung erwarteten überarbeiteten Pläne für den 2. Bauabschnitt der B 31 West zwischen Gottenheim und Breisach. Als Serviceangebot zur Offenlage erläuterten Mitarbeiter des Regierungspräsidiums in der voll besetzten Kaiserstuhlhalle Ihringen die Änderungen und begründeten ihre Entscheidung für die umstrittene Nordvariante. Bis zum 3. August können vom Vorhaben erstmals oder stärker betroffene Bürger Einwendungen gegen die Planung erheben.
Leo Andlauer, Leiter des Referats Straßenplanung, versicherte eingangs, dass die im Rahmen der 1. Offenlage 2006 erhobenen rund 800 Einwendungen gewissenhaft abgearbeitet worden seien. "Dabei haben wir zwei zentrale Wünsche berücksichtigt, nämlich die eingehende Prüfung der Südvariante und einen etwas anderen Verlauf im Bereich des Ponyhofes Gottenheim", erklärte Andlauer. Auch diverse rechtliche Neuerungen, vor allem im Hinblick auf Natur- und Artenschutz, hätten zu Änderungen geführt.Der zuständige Planfeststeller, Joachim Lucht, schilderte den Ablauf des weiteren Verfahrens und informierte über rechtliche Einzelheiten. Die zweite Offenlage endet am 20. Juli 2010. Bis dahin können die umfangreichen Planungsunterlagen in den Gemeinden Gottenheim, Merdingen, Ihringen und Breisach eingesehen werden. Einwendungen sind bis zum 3. August schriftlich zu erheben. "Sie müssen erkennen lassen, wie die Belange des Einwenders betroffen sind", betonte Lucht. Seine Behörde sei nicht zur Recherche verpflichtet, daher sollten beispielsweise Grundstückseigentümer wichtige Daten wie Flurstücknummern angeben. "Mit dieser zweiten Offenlage gehen wir auch nicht auf Los zurück", sagte der Planfeststeller, "bereits erhobene Einwendungen bleiben wirksam."
Werbung
Aktiv werden sollten vielmehr Bürger, deren Belange nun durch die geänderte Planung erstmals, anders oder stärker betroffen seien. Nach Prüfung der Einwendungen gibt es einen Erörterungstermin, der öffentlich bekannt gemacht wird und die Stellungnahmen der Gemeinden sowie die privaten Einwendungen aufgreift. Der Termin dieser Erörterung steht noch nicht fest.
Projektplaner Bernd Dörr stellte die bautechnischen Änderungen gegenüber der ersten Offenlage vor. Der 2. Bauabschnitt umfasse eine Strecke von 11, 5 Kilometern und verursache voraussichtlich Gesamtkosten von 38 Millionen Euro. Die Trasse wurde im Bereich des Ponyhofes Gottenheim geringfügig geändert. Bei Breisach-Hochstetten kommt ein Kreisverkehr hinzu. Eine minimale Überschreitung der Grenzwerte mache dort passive Lärmschutzmaßnahmen erforderlich. Weitere Änderungen gab es im Bereich Entwässerung und bei der Umweltplanung, die Grünplanerin Karin Fiedler vorstellte.
Dörr erläuterte die Kriterien für den Variantenvergleich. Untersucht wurden 16 Themen aus den Bereichen Verkehr und Flächennutzung. Die rund 800 Meter längere Südvariante habe dabei in punkto Bautechnik und Lärm etwas besser abgeschnitten als die Nordvariante. In allen anderen Punkten sei die Nordvariante genauso gut oder besser zu bewerten. Zusammenfassend spreche für die Nordvariante, dass sie deutlich kürzer sei, weniger Fläche zerschneide, da sie besser mit vorhandenen Verkehrswegen gebündelt werden könne, und die Baukosten geringer seien.
Die von Dörr vorgelegten Prognosezahlen für 2025, wonach die Nordtrasse den innerörtlichen Verkehr in Ihringen und Wasenweiler stärker entlasten soll als die Südtrasse, stießen im Publikum auf große Skepsis und harschen Widerspruch. Auch die Notwendigkeit des Anschlusses am Winklerberg stellten viele Anwesende in Frage. Ohne diesen "unnötigen Schlenker nach Norden" sei die Südvariante die kürzere, argumentierten Gegner der Nordvariante. Damit sei der angestellte Vergleich hinfällig, da bei zahlreichen Punkten die Streckenlänge den Ausschlag für die Bewertung gegeben habe.
Bürgermeister Martin Obert bat um Verständnis, dass die Verwaltung erst nach eingehender Prüfung der Unterlagen gemeinsam mit ihrem Rechtsanwalt inhaltlich Stellung zu der Planung nehmen will. Am kommenden Dienstag veranstaltet die Gemeinde Ihringen um 19 Uhr eine Bürgerversammlung zum Thema B 31, wiederum in der Kaiserstuhlhalle. Experten aus verschiedenen Bereichen werden für Erläuterungen und Fragen zur Verfügung stehen.
Autor: Bianka Pscheidl
