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24. Mai 2011 11:27 Uhr
"Zurück auf Los!" oder Nullvariante?
Bürgerinitiativen werden sich beim Thema B 31 West nicht einig
Am Montagnachmittag standen die Stellungnahmen der Gemeinden Ihringen und Gottenheim sowie die Einwände von Bürgerinitiativen und betroffenen Bürgern auf der Agenda der Erörterung zur B 31 West .
IHRINGEN. Könnte die Nordtrasse der geplanten B 31 West in Ihringen zu einer Zerschneidung des Winzerdorfes führen? Welche Folgen hätte sie für Campingplatz, Schwimmbad und das Sport- und Freizeitzentrum in der Nachtwaid? Und welche Auswirkungen könnte eine gebündelte Trasse (Parallelführung zur S-Bahnlinie) für Wasenweiler haben? Mit Fragen wir diesen wurde die Erörterung zur B 31 West am Montagnachmittag fortgesetzt.
Der Austausch der Argumente und die Bekräftigung größtenteils bekannter Standpunkte in der seit über 30 Jahren andauernden Debatte um den Bau der Straße gingen in eine weitere Runde. Hart in der Sache, aber verbindlich im Ton wurden die meist unterschiedlichen Positionen und Einschätzungen ausgetauscht.
Im Verlauf der Erörterung zweifelte Torsten Heilshorn, der Rechtsanwalt der Gemeinde Ihringen, die vom Regierungspräsidium Freiburg als Vorhabenträger angewandten Bewertungsmaßstäbe an. Die Nordvariante dürfe keinesfalls als zentraler Ausgangspunkt für eine Neuentscheidung über die Trassenführung herangezogen werden, bemängelte der Jurist unter anderem. Eine unbefangene Prüfung der Trassenführung könne nur dann erreicht werden, wenn man als Diskussionsbasis eine Nullvariante wähle.
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"Zurück auf Los", riet Reinhold Pix, der ausdrücklich nicht als Landtagsabgeordneter der Grünen, sondern als Ihringer Bürger und Vorsitzender des Vereins zur Förderung umweltgerechter Verkehrsplanung (VLO) seine zahlreichen Bedenken gegen den Bau der Straße formulierte. Seit 3 Jahrzehnten stemmt er sich mit seinem Verein gegen die Realisierung der B 31 West, auch gegen den Widerstand einer Mehrheit seiner Ihringer Mitbürger. Wenn man einen gemeinsamen Nenner finden will, müsse man wieder von vorn anfangen, so Pix.
Die genau gegenteilige Meinung vertrat der Ihringer Hans Mattmüller von der Bürgerinitiative für den sofortigen Weiterbau der B 31 West. Ihm und seinen Mitstreitern, die auch in Gottenheim und Bötzingen beheimatet sind, kommt es vor allem darauf an, dass die Straße unverzüglich weitergebaut wird, damit die Ortszentren von Wasenweiler und Ihringen endlich von der Verkehrslawine entlastet werden, die mit immer größerer Stärke auf völlig unzureichenden Straßen beide Winzerdörfer zu überrollen drohe, wie Mattmüller darlegte.
Eckhard Herych, Vorsitzender der Bürgerinitiative "B 31 – es geht auch anders", erhob den Verdacht, dass es sich bei der vom Regierungspräsidium favorisierten Nordtrasse um eine politische Straße handele. "Ende der 70er Jahre haben Politiker sie auf eine Landkarte gemalt", höhnte er und zählte eine ganze Reihe von Argumenten auf, die seither die Rahmenbedingungen für die Straßenführung verändert hätten.
Den Einwand, dass die von der Gemeinde gewünschte Südtrasse die Baukosten um 2,5 Millionen Euro erhöhen würde, wollte Herych nicht gelten lassen. "Dafür bekommen wir eine intelligente Lösung, das muss doch dem Bund das Geld wert sein", appellierte er und versicherte, dass seine BI mit allen im Rahmen demokratischer Möglichkeiten gebotenen Mitteln gegen den Bau der Nordvariante vorgehen werde.
Die Einschätzung des Verkehrsplaners Bernd Dirr vom Regierungspräsidium Freiburg, dass der Campingplatz durch die näher an der Ihringer Ortsmitte vorbei führende Nordvariante unberührt bleiben werde, quittierten die am Nachmittag zahlreicher erschienenen Zuhörer mit ungläubigem Gelächter. Verkehrsplaner Andreas Clausen, Prokurist des Fachbüros Fichtner, dass vom Regierungspräsidium für die Bauplanung der Straße herangezogen wird, ist ein profunder Kenner der B 31- Planung und seit 30 Jahren mit allen Einzelheiten und auch den vielen Veränderungen, Vor- und Rückschritten der Straßenbaudiskussion bestens vertraut. Er erinnert daran, dass zu den Planungszielen der Straße nicht allein die Ortsumgehungen der Winzerdörfer am südlichen Kaiserstuhl gehören, sondern dass die Straße auch als Entwicklungsachse von Bedeutung sei. Die Annahme, dass der Ausbau und Taktverdichtung der Breisgau-S-Bahn ab 2019 den Verkehr in der Raumschaft erheblich verringern könnten, mag Clausen nicht teilen. Er prognostiziert vielmehr eine massive Zunahme des grenzüberschreitenden Verkehrs. Der werde dann überwiegend über die Straße abgewickelt.
Ein heikler Punkt in der Erörterung ist auch der Anschlussknoten am Winklerberg, wo die Planer vorsehen, dass die von Achkarren kommende Landstraße in die Nordtrasse der B 31 eingefädelt wird. Als unzumutbaren Einschnitt in eine gewachsene Kulturlandschaft und eine Gefahr für die Zukunft von Weinbau und Tourismus empfinden die Ihringer fast einhellig diese Planung. Ob die Vertreter aus Breisach und Vogtsburg diese Frage ähnlich oder aber ganz anders beurteilen, wird man ebenfalls in der Kaiserstuhlhalle hören können.
Autor: Kai Kricheldorff
