"Ihringen muss mediterraner werden"

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Sa, 16. Juni 2018

Ihringen

Gewerbeverein stellt eine Gestaltungsoffensive für das Winzerdorf und die Einführung eines Gutscheinsystems vor.

IHRINGEN. In seiner Mitgliederversammlung diskutierte der Gewerbeverein Ihringen (GVI) über die Einführung eines Gutscheinsystems, mit dem die Kaufkraftbindung an Einzelhändler und Gewerbetreibende des Winzerdorfs gestärkt werden soll. Als zweite Zielsetzung hat sich der GVI die Verschönerung der Bachenstraße als künftige Einkaufs- und Bummelmeile auf die Fahnen geschrieben. "Ihringen muss mediterraner werden", hieß es dazu in der Versammlung.

An Bürgermeister Benedikt Eckerle übergab der Gewerbeverein einen Scheck über 10 160 Euro. Dabei handelt es sich um eine Doppelspende aus der Aktion "Weihnachtsgaben". Mit ihr sollen die Baukosten für die Errichtung einer Lagerhütte am Neunlindenturm bestritten werden. Seit 1971 hat der GVI mit seinen Weihnachtsspenden fast eine Dreiviertel Million Euro für vielerlei gemeinnützige Zwecke in der Kaiserstuhlgemeinde zur Verfügung gestellt.

Rückblick: In drei Vorstandssitzungen und einer Beratung des geschäftsführenden Vorstandes hat der GVI seine Leitlinien festgelegt. Als einen "Neuanfang ohne Altlasten" bezeichnete Mathias Birmele die Bürgermeisterwahl vom Oktober 2017. "Nach sechs Monaten im Amt gibt uns Benedikt Eckerle das Gefühl, dass wir uns hier einen richtig guten Bürgermeister geangelt haben", so der GVI-Vorsitzende. Bedauert wurde die unkontrollierte Eigendynamik bei der Beteiligung am verkaufsoffenen Sonntag, zum Herbstausklang im Oktober. Der Gewerbeverein setzt sich für die Definition eines Regelwerks ein, das den Rahmen für die teilnehmenden Aussteller und Vereine präzise absteckt.

Die regionale Firmenbesichtigung für die GVI-Mitglieder musste vergangenes Jahr kurzfristig abgesagt werden. Die diesjährige Veranstaltung sei bereits in Planung, kündigte Birmele an. Sehr positive Rückmeldungen gab es für die Prag-Reise des Vereins, die Birmeles Vorgänger als GVI-Vorsitzender, Kurt Wörne, hervorragend organisiert hatte. Rechner Peter Gumpert präsentierte einen ausgeglichenen Kassenbericht. Das Gesamtguthaben des Gewerbevereins erhöhte sich auf 45 000 Euro.

Ausblick: Birmeles Stellvertreter Andreas Köbele informierte über die geplante Einführung eines Gutschein-Systems für die Winzergemeinde. Im Wesentlichen lehnt es sich an bereits existierende Gutschein-Systeme in anderen Gemeinden, wie Breisach oder Endingen, an. Der GVI-Vorstand hat sich mit zwei Varianten auseinandergesetzt: Ein "selbstgestricktes System", das stärker auf individuelle Wünsche der Beteiligten eingehen könnte und außerdem kostengünstiger wäre, erhielt die uneingeschränkte Zustimmung der anwesenden Mitglieder. Variante zwei wäre das Angebot eines externen Dienstleisters gewesen. Dieser hätte, gegen eine entsprechende Honorierung, Organisation und Abrechnung des Gutscheinsystems übernommen und für jeden verkauften Einkaufs-Gutschein zusätzlich eine Provision verlangt, erläuterte Köbele.

Das Gutscheinsystem ist ein probates Mittel zur Eindämmung von Kaufkraftabfluss und zugleich eine Motivation zum Kauf in den lokalen Geschäften und Gewerbebetrieben. Nach reger Diskussion wurde der GVI-Vorstand beauftragt, in den kommenden Monaten die Einführung des Gutschein-Systems vorzubereiten.

"Ihringen ist der wärmste Ort Deutschlands, aber dieses Markenzeichen setzen wir nicht verkaufsfördernd um". Mit diesen Worten stellte Vereinsvorsitzender Mathias Birmele die Idee des GVI für eine Gestaltungsoffensive für Ihringen vor. Die Gemeinde müsse "mediterraner" werden, lautet das Motto. Südländische Lebensfreude, und Mittelmeer-Flair sollen in der Kaiserstühler Winzergemeinde Einzug halten. Die im Ortsbild anzutreffenden Pflanzkübel hätten ausgedient, die Aktion der roten Stühle reiche allein nicht aus, um Gäste und Touristen noch stärker für Ihringen zu begeistern und ihre Aufenthaltsdauer zu erhöhen. "Wir wollen einen Stein ins Rollen bringen und das Bewusstsein dafür wecken, dass unser Ortsbild weiterentwickelt und veränderten Ansprüchen angepasst werden muss", begründete Birmele die Initiative. Jetzt gelte es, Ideen zu sammeln und konkrete Vorschläge dafür zu entwickeln. Bürgermeister Benedikt Eckerle begrüßte den Vorschlag des Gewerbevereins. Er kündigte an, ab Herbst, nach und nach alle Mitgliedsfirmen des Gewerbevereins besuchen zu wollen. "Das wird einen Zeitraum von rund zwei Jahren in Anspruch nehmen", rechnet der Rathaus-Chef.