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13. September 2017

Ihringen schließt sich Zweckverband für Breitbandversorgung an

Gemeinderat hat für Beitritt gestimmt / Im Verbund soll das Glasfasernetz im Landkreis ausgebaut werden, um den schnellen Austausch von Daten zu gewährleisten .

IHRINGEN. Den Ausbau eines überörtlichen Netzes für die Breitbandversorgung plant der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (die BZ berichtete) und hat dafür im Juli einen Zweckverbands gegründet. Der Gemeinderat von Ihringen hat in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig beschlossen, dass die Winzergemeinde diesem Zweckverband beitritt. Damit verbunden ist ein Umlagebetrag von 5 000 Euro, der quasi als Aufnahmegebühr in den Verband fällig wird, und im Gemeindehaushalt 2018 eingestellt werden soll.

Eine leistungsfähige Breitbandversorgung gilt als wichtiger Standortfaktor und wird für Unternehmen und private Nutzer immer wichtiger. Um die Versorgung zu verbessern, muss sich der Landkreis zukunftssicher aufstellen, und einen schnelleren und sichereren Austausch größerer Datenmengen ermöglichen.

100 Megabit/Sekunde angestrebt
Die ersten Glasfasernetze im Landkreis sollen 2019 in Betrieb gehen. Als Zielmarge gelten flächendeckend 100 Megabit pro Sekunde. Gegenwärtig liegen die Übertragungsraten stellenweise noch bei unter 16 Megabit je Sekunde. Der Landkreis gilt als flächendeckend unterversorgt.

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35 Landkreisgemeinden seien nun aufgerufen, dem Zweckverband beizutreten, berichtete Martin Obert in der Ratssitzung. Angestrebt werde eine Ausschreibung zum Ausbau des überörtlichen Glasfasernetzes (sogenanntes Backbone-Netz) bis zu den jeweiligen örtlichen Anschlussstellen. Der Anbieter, dem der Zweckverband dafür den Zuschlag erteilt, werde für einen vertraglich vereinbarten Zeitraum von bis zu 20 Jahren das Netz betreiben, erläuterte der Rathaus-Chef. Endnutzer sollen mit dem Betreiber dann die zu liefernde Bandbreite sowie die gewünschten Dienste vereinbaren können.

Dass die für ihre Ortsnetze verantwortlichen Kommunen selbst über Zeitpunkt, Tempo und Umfang ihres Netzausbaus entscheiden und das Eigentum an gebauten Netzen in öffentlicher Hand verbleibt, wird als Stärke dieser Strategie gesehen. Als vorteilhaft gilt auch, dass der Netzbetreiber durch Pachteinnahmen auf längere Sicht wirtschaftlich arbeiten können, und dass gewerbliche wie private Endnutzer individuell mit dem Netzbettreiber Übertragungsraten von nahezu unbegrenztem Volumen vereinbaren können.

Zustimmung der Fraktionen
"Bei Unternehmen, die sich für eine Gewerbeansiedlung in Ihringen interessieren, wird fast immer zuerst die Frage nach der vorhandenen Megabit-Stärke gestellt", betonte Obert. Ferner teilte der Bürgermeister mit, dass die Bezuschussung des Netzausbaus durch Bund und Land für die Verbandsmitglieder zentral vom Zweckverband organisiert werde.

In der Ratsdiskussion begrüßten Sprecher aller Fraktionen den interkommunalen Ausbau des Breitbandnetzes. Für Ortsvorsteher Alois Lai aus Wasenweiler ist die Verbesserung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum längst überfällig. Die Privatisierung des Netzausbaus in den 1990er Jahren habe sich als falsch erwiesen, weil die Investoren ihn vorrangig in den Großstadtregionen vorangebracht und dabei die Versorgung des ländlichen Raums vernachlässigt hätten, so Lai. Er schlug vor, dass die Gemeinde frühzeitig mit der Deutschen Telekom über den Ortsanschluss an das Backbone-Netz sprechen solle. Darüber hinaus, so Lai, der früher selbst bei dem globalen Netzanbieter tätig war, sollte neben der Glasfaser-Technologie auch das alternative Vectoring-Verfahren nicht außer Acht gelassen werden.

Autor: Kai Kricheldorff