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01. September 2009 12:35 Uhr

Die badisch-bayrische Freundschaft hat sich bewährt

Ihringen und Ruhpolding feiern ihre 30-jährige Partnerschaft

Am Wochenende fahren rund 300 Ihringer nach Oberbayern, um das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Ruhpolding zu feiern. Im Interview erzählen Altbürgermeister Artur Köbele und sein Ruhpoldinger Kollege Herbert Ohl, wie es zu der Verschwisterung kam.

  1. Seit 30 Jahren sind Ihringen und Ruhpolding schon verschwistert. Foto: Gerold Zink

  2. Herbert Ohl war von 1978 bis 1996 Bürgermeister von Ruhpolding. Foto: Privat

  3. Der Ihringer Altbürgermeister Artur Köbele Foto: Alexander Göbel

IHRINGEN/RUHPOLDING. Am 17. November 1979 unterzeichneten der damalige Ihringer Bürgermeister Artur Köbele und sein Ruhpoldinger Kollege Herbert Ohl die Partnerschaftsurkunde. BZ-Mitarbeiter Alexander Göbel hat sich mit ihnen über die badisch-bayerische Freundschaft unterhalten.
BZ: Wie ist es zur Partnerschaft zwischen Ihringen und Ruhpolding gekommen?
Köbele: Mein damaliger Stellvertreter Theo Willig hat Anfang der 70er Jahre an einem Skiwettkampf in Ruhpolding teilgenommen. Es hat ihm dort so gut gefallen, dass er später mit dem Ihringer Kegelclub "Um’s Hoor" erneut für ein paar Tage nach Ruhpolding fuhr. Diesem Kegelclub gehörten weitere Gemeinderäte wie beispielsweise Hans Bury an. Am Stammtisch im Gasthaus ’Neuwirt’ kamen sie dann mit Ruhpoldinger Gemeinderäten ins Gespräch. Willig hatte die Idee für die Partnerschaft. Der Ihringer Gemeinderat war nicht abgeneigt, schließlich haben wir gehofft, so unseren Wein in Ruhpolding verkaufen zu können.
BZ: Theo Willig hat 1975 dem Ruhpoldinger Gemeinderat einen Brief geschrieben und gefragt, ob man eine Partnerschaft mit Ihringen eingehen möchte. Wie haben die Ruhpoldinger Räte reagiert?

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Ohl: Zuerst waren alle skeptisch. Keiner wusste so genau, wo Ihringen und der Kaiserstuhl überhaupt liegen. Erst der Hinweis von unserem Gemeinderat Lorenz Amann brach dann das Eis. Er sagte: ’Eines weiß ich gewiss, da gibt’s auf alle Fälle einen guten Wein.’
BZ: Können Sie sich noch an den ersten Besuch in der Partnergemeinde erinnern?
Köbele: Die Ihringer Gemeinderäte und ich sind erstmals im September 1977 mit unseren Frauen nach Ruhpolding gefahren. Dort saßen wir mit den Räten aus Ruhpolding auf der Schwarzachen-Alm bei bayerischem Essen, Bier und Musik kameradschaftlich zusammen.
Ohl: Und ich weiß noch, dass viele Ihringer gefroren haben. Denn obwohl die Alm nur 1000 Meter hoch liegt, hat es damals geschneit. Diese Kälte im September waren die Ihringer von zu Hause nicht gewohnt.
BZ: Ende Oktober 1977 machten die Ruhpoldinger dann ihren ersten Gegenbesuch.
Ohl: Eigentlich hatten wir den falschen Zeitpunkt gewählt, weil in Ihringen die Weinlese schon in vollem Gange war. Aber für uns war das natürlich interessant. Abends saßen wir im Rathauskeller zusammen. Die Landfrauen haben uns bewirtet und ich kann mich noch gut an Bibiliskäs, Zwiebelkuchen und den guten Wein erinnern. Den Wein haben manche von uns allerdings nicht so gut vertragen und waren am nächsten Tag etwas schlecht beieinander. Anschließend sind wir regelmäßig zu den Weintagen nach Ihringen gefahren und viele Ihringer haben ihren Urlaub immer wieder in Ruhpolding verbracht. So wurden zahlreiche Freundschaften geschlossen.
BZ: Welche Erlebnisse in der Partnergemeinde waren für Sie die schönsten?
Ohl: Bei der Verschwisterungsfeier in der Kaiserstuhlhalle haben uns die Ihringer immerzu Wein hingestellt und wir haben den Wein so getrunken, wie man bei uns das Bier trinkt. Trotzdem ist es uns am nächsten Tag relativ gut gegangen. Besonders interessant war für uns Bayern natürlich die Besichtigung der Winzergenossenschaft, eine Führung durchs Liliental und eine Bootsfahrt im Taubergießen.
Köbele: Ein ganz besonderes Erlebnis war, als wir 1989 mit einem Sonderzug vom Bahnhof in Ihringen direkt bis nach Ruhpolding gefahren sind. Rund 400 Ihringer waren dabei. Gerne denke ich auch an zahlreiche Biathlonwettkämpfe in Ruhpolding oder an den Georgi-Ritt zurück, den wir einmal miterlebt haben.
BZ: Gibt es auch etwas, worum sie ihre Partnergemeinde beneidet haben?
Köbele: Ruhpolding ist durch die schöne Landschaft und die Berge ein beliebter Kur- und Erholungsort und durch den Biathlon sogar international bekannt. Dadurch hatte Ruhpolding schon immer viel mehr Fremdenverkehr als wir.
Ohl: Dafür ist Ihringen aber der wärmste Ort Deutschlands und bei uns ist das Klima eher rau.
BZ: Was wünschen Sie sich für die nächsten 30 Jahre der Partnerschaft?
Ohl: Ich wünsche mir, dass die Partnerschaft weiterhin so locker und gemütlich bleibt wie bisher und nicht zum Zwang wird.
Köbele: Auch ich hoffe, dass die Freundschaft zwischen Ihringen und Ruhpolding noch lange anhält. Unsere Anfangsidee, den Ihringer Wein in Ruhpolding zu verkaufen hat bis heute allerdings leider noch nicht so gut funktioniert. Die Bayern trinken eben lieber Bier. Vielleicht gelingt es uns aber doch irgendwann, den Ruhpoldingern unseren Wein noch schmackhafter zu machen.
Ohl: Also in meiner Familie ist dies schon gelungen. Wir trinken, wenn mal kein Bier getrunken wird, seit 30 Jahren nahezu ausschließlich Ihringer Wein!

Autor: agö