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01. November 2017 14:21 Uhr

Großes Oratorium in der Kirche

Luther als Pop-Star

Mit der Aufführung des Pop-Oratoriums "Luther" in der Ihringer Kirche feierte am Dienstagnachmittag der evangelische Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald das Reformationsjubiläum.

  1. Zu einem großen musikalischen Jubelfest ließen nahezu 200 Sängerinnen und Sänger sowie Musiker am Reformationstag die Aufführung des Pop-Oratoriums „Luther“ in der Ihringer Kirche werden. Foto: Kai Kricheldorff

Rund 900 Musikfreunde aus der ganzen Region ließen sich von dem Werk begeistern, das Dieter Falk (Musik) und Michael Kunze (Text) in Form eines Rock-Musicals geschrieben haben.

Großer Projektchor
Imponierend war dabei schon der äußere Rahmen der Aufführung: Der Luther-Projektchor bestand aus 150 Sängerinnen und Sängern aus den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach, darunter auch Kinder. Er begleitete neun Gesangssolisten.

Instrumental zur Seite standen ihnen die 15 Musikerinnen und Musiker der "Sinfonietta Südlicher Breisgau" unter Konzertmeisterin Christiane Stolzenbach sowie die aus sechs Musikern bestehende "Luther-Pop-Band". Die Gesamtleitung des Musikprojekts hatte Regionalkantor Horst K. Nonnenmacher.

Ist Martin Luther ein Pop-Star? Ein bisschen wohl schon. Natürlich geht es in dem Werk um seine Thesen zur Erneuerung der Kirche und um seine Forderung an die Menschen, sich selbst zu befreien. Aber auch die Widerstände, die Luther erlebt, und den Zuspruch, den er erfährt, sind Teil des aus 20 kurzen Singstücken bestehenden Oratoriums.

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Kritik an dem Ablasshandel
In mächtiger musikalischer Aufwallung wird das "Heilige Geschäft" des Ablasshandels thematisiert, den Luther ablehnt. Er prangert die Machtspiele des nur auf den eigenen Vorteil bedachten jungen Kaisers Karl V. an. Dramatische Wechsel zwischen Gesangsolisten und Chor begleiten die an Luther gerichtete Forderung, die Thesen zu widerrufen und das Hadern mit seinem Gewissen, bis er dies schließlich verweigert. Daraus lassen sich auch Bezüge zur politischen Gegenwart ableiten.

Musikalisch betrachtet ist das Pop-Oratorium eine Synthese aus Rock und Pop mit eingearbeiteten Anklängen an die Gospelmusik. Fetzige Gitarrenklänge wabern hinter dem Chor. Donnernde Orgel-Intros symbolisieren kirchliche Feierlichkeit und Glaubensstrenge. Bass und Schlaginstrumente machen sich laut als notwendig bemerkbar. Das Werk wurde für eine große Zahl von Akteuren und Zuhörern geschrieben. Die Geschichte der Reformation – ein machtvoller historischer Inhalt – soll sich quantitativ in der überdimensionierten Besetzung spiegeln.

Darin liegt allerdings auch ein Risiko für das poppige "Luther"-Oratorium. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen, bei gleichzeitiger Einbeziehung weiterer Musik-Genres. Etwas Jazz, Klassik und auch Volksmusik hätte die Beliebigkeit, mit der die Komposition zeitweise daherkommt, abmildern können.

Leidenschaft und Musikalität
Die fast 200 Akteure, Chor, Gesangssolisten und Musiker, führten das Werk mit großer Leidenschaft und Musikalität auf. Spielend ging der Funke ihrer eigenen Begeisterung auf das Publikum über. Schade, dass mangels Zeit die klangliche Aussteuerung in der Kirche zu kurz kommen musste. Zuweilen litt darunter die Verständlichkeit der vom Chor gesungenen Liedtexte. Dennoch wurde die Aufführung zu einem großen musikalischen Jubelfest und damit der Bedeutung Luthers sowie der des Festtages gerecht.

Autor: Kai Kricheldorff