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13. August 2010 15:10 Uhr

Feuchtgebiet

Naturschützer: Moor zwischen Wasenweiler und Gottenheim ist bedroht

Naturschützer schlagen Alarm: Sie fordern, die Riedflächen zwischen Gottenheim und Wasenweiler unter Schutz zu stellen. Das am Oberrhein einmalige Moor sei akut bedroht – unter anderem vom geplanten Weiterbau der B 31 West.

  1. Ekkehard Köllner (links) und Peter Lutz setzen sich dafür ein, dass das Moorgebiet „Wasenweiler Ried“ unter Schutz gestellt wird. Foto: Bianka Pscheidl

  2. 34 Libellenarten haben die Naturfreunde im Feuchtgebiet gezählt. Foto: dpa

IHRINGEN-WASENWEILER. Deshalb hat der Landesnaturschutzverband (LNV) nun beim Regierungspräsidium Freiburg beantragt, das weitläufigen Gebiet unter Schutz zu stellen. Zu schaffen machen ihm nach Ansicht der Naturschützer der durch einen niedrigen Grundwasserstand verursachte Torfschwund und der geplante Weiterbau der B 31 West mitten durch diese Landschaft.

Im Vorfeld des Antrages hatte sich der Arbeitskreis Freiburg-Kaiserstuhl des LNV intensiv mit dem Wasenweiler Ried beschäftigt und akribisch Daten zur Pflanzen- und Tierwelt zusammengetragen. Dabei sei der Wert des Moores immer deutlicher geworden. "Die dokumentierten Tatsachen rechtfertigen ohne Zweifel, die Kernbereiche des Rieds auf einer Fläche von 151 Hektar als Naturschutzgebiet auszuweisen", sind die Sprecher des Arbeitskreises, Ekkehard Köllner und Peter Lutz, überzeugt.

Die Moor-Geschichte reicht 10.000 Jahre zurück

Zur Absicherung dieser Fläche vor schädlichen Einflüssen sollten im Randbereich weitere 92 Hektar zum Landschaftsschutzgebiet erklärt werden. Das großflächige Feuchtbiotop sei in vielerlei Hinsicht einmalig in der Oberrheinebene und verdiene einen besseren Schutz als bisher. Seine Entstehung reicht bis in die Eiszeiten vor circa 10.000 Jahren zurück. In alten Flussrinnen und Mulden, die der früher hier verlaufende Rhein hinterlassen hat, entwickelte sich ein Moor, das seitdem über 2 Meter dicke Torfschichten abgelagert hat.

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"Allein 34 Libellenarten, mindestens 28 Schmetterlingsarten und 11 Heuschreckenarten wurden im Ried angetroffen", begeistert sich Lutz über die Vielfalt der Bewohner des Feuchtgebietes. Dabei sei die Tierwelt noch nicht annähernd erschöpfend erfasst worden. "Fledermäuse nutzen tagsüber die alten Bäume in den stillen Ried-Wäldern als Wohnquartiere und jagen nachts in den Wiesen, und die Störche der Umgebung fliegen das Gebiet zur Nahrungssuche an", erläutert der ehrenamtliche Naturschützer. Es sei denkbar, dass auch die Wildkatze das großflächig ruhige Ried bei ihren Streifzügen aufsuche. Zudem liege das Moor am Kreuzungspunkt zweier bedeutender, Rhein überschreitender Wildwanderwege. "Nach dem jüngst verabschiedeten Generalwildwegeplan des Landes unterliegen solche Wege einem besonderen Schutz", betont Köllner.

Bisher betrachteten die Naturschützer vor allem die intensive landwirtschaftliche Nutzung als Bedrohung für das größte und am besten erhaltene Niedermoor zwischen Basel und Karlsruhe. In den 1920er Jahren wurde durch den Bau eines engmaschigen, entwässernden Grabensystems der Grundwasserspiegel um 60 bis 70 Zentimeter abgesenkt, um die Wiesen als Ackerflächen nutzbar zu machen. Dadurch wurden vor allem die flachgründigen Teile des Moores zerstört. Auch durch Überlagerung mit fremdem Material wie Löss und Kies trocknete der Torfkörper aus und verlor viel von seiner ursprünglichen Größe.

Widerstand gegen bisherige Pläne für die B 31 West

Während die Ried-Wiesen in den vergangenen Jahren von der Landwirtschaft etwas weniger intensiv genutzt werden, plagt die Naturschützer nun eine neue Sorge: Der mögliche Weiterbau der B 31 in westlicher Richtung. "Wenn der lebensnotwendige Grundwasserfluss durch den Straßenbau gebremst wird, wird das Moor unwiederbringlich zerstört", warnt Köllner. Eine weitere Zerschneidung der wertvollen Landschaft verbiete sich, zumal dem Projekt B 31 an dieser Stelle die nötige Fernverkehrsrelevanz fehle.

"Wir sind nicht mehr im Jahre 1960 und wir können auch nicht Ortsumgehungen mit Bundesstraßen bauen", mahnt der frühere Naturschutzbeauftragte des Schwarzwald-Baar-Kreises. Stattdessen müssten sinnvolle Verkehrsregelungen gefunden werden, um für innerörtliche Entlastung zu sorgen. So lange die Straßenplanung der B 31 "rechtlich nicht festgezurrt" sei, werde der Arbeitskreis den Widerstand nicht aufgeben und wenn nötig gerichtlich vorgehen.

Ein für Flora und Fauna intaktes Umfeld der Dörfer komme nicht zuletzt auch den hier lebenden Menschen zugute. "Wir verstehen uns als Anwälte der Natur; andere Verbände und Organisationen stehen hinter uns", bekräftigt Lutz.

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Autor: Bianka Pscheidl