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07. Mai 2009 13:21 Uhr

Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative vor über 450 Zuhörern

Pläne zur B 31 West schockieren die Bürger

Die neu gegründete Bürgerinitiative "B 31 – Es geht auch anders!" informierte die Einwohner von Ihringen und Wasenweiler über die ihrer Meinung nach katastrophalen Auswirkungen der neuen Bundesstraße zwischen Gottenheim und Breisach.

  1. Über 450 Bürger informierten sich in Ihringen über den geplanten Trassenverlauf der B31 West. Foto: alexander göbel

  2. Viele traten der Bürgerinitiative gleich bei. Foto: Alexander Göbel

  3. Die Kaiserstuhlhalle war gut gefüllt. Foto: Alexander Göbel

  4. Eckhard Herych, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, informierte die Bürger. Foto: Alexander Göbel

IHRINGEN-WASENWEILER. Lärm, massive Gesundheitsrisiken, ein hoher Verlust an Lebensqualität sowie gravierende wirtschaftliche Einbußen – das sind nach Auffassung der neu gegründeten Bürgerinitiative "B 31 – Es geht auch anders!" die katastrophalen Auswirkungen der neuen Bundesstraße zwischen Gottenheim und Breisach, falls die vom Regierungspräsidium favorisierte so genannte Nordvariante gebaut wird. Deshalb müsse die Trassenführung unbedingt noch einmal geändert werden. Zur ersten Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) kamen am Mittwochabend über 450 Interessierte in die Ihringer Kaiserstuhlhalle.

Der Tenor des Abends war eindeutig: Nein zur Nordvariante. "Die Interessen der Bürger von Ihringen und Wasenweiler müssen endlich berücksichtigt werden", sagte der Vorsitzende der BI, Eckhard Herych. Um viele andere Gemeinden herum sei die Trassenführung noch einmal geändert worden, nur die Vorschläge von Ihringen und Wasenweiler blieben bisher unberücksichtigt. Deshalb sollten nun möglichst viele Bürgerinnen und Bürger dem Verein beitreten, denn nur gemeinsam könne etwas bewegt werden. Ziel sei es letztlich, eine menschen- und umweltverträgliche Lösung der Verkehrssituation westlich von Gottenheim zu erreichen, so Herych.

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Problem ist, dass die vom Regierungspräsidium Freiburg bevorzugte Nordvariante der schon seit Jahrzehnten diskutierten Bundesstraße, nur wenige Meter am Ortsteil Wasenweiler vorbeiführen soll. Vor allem für die Bürger von Wasenweiler würde dies fatale Folgen haben, sind die Mitglieder der Bürgerinitiative überzeugt. "Für Ihringen und Wasenweiler bringt die Nordvariante keine Entlastung, sondern eine Mehrbelastung von insgesamt 50 Prozent", sagte Herych. Zum einen würden viel mehr Autos durch Wasenweiler fahren müssen, um von Merdingen nach Bötzingen zu kommen, zum anderen müsse auch der gesamte Verkehr aus Richtung Gündlingen erst einmal in Ihringen in den Ort fahren, um auf die B 31 West zu kommen, da Gündlingen keinen eigenen Anschluss erhalte.

Der Lärm werde sich deshalb lediglich von der Ortsmitte zum Ortsrand verschieben und dort dann enorm zunehmen, weil die Nordvariante aufgrund der parallelen Trassenführung zur Bahnlinie über lange Geraden verfüge. "Auf den Geraden darf überholt werden, die Autos beschleunigen und bremsen vor den Kurven dann wieder ab", erklärte Herych. Zudem sei auf der Bundesstraße auch nachts mit erheblichem Verkehr zu rechnen, fügte Wolfgang Jonitz hinzu.

Die BI kritisiert, dass das Regierungspräsidium beim Thema Lärm die örtlichen Gegebenheiten wie Wald, Hanglage und Hauptwindrichtung nicht berücksichtigt habe. Die Grenzwerte von 60 Dezibel am Tag und 50 Dezibel in der Nacht würden deshalb vermutlich überschritten. Doch auch schon unterhalb der Grenzwerte könne der Lärm bei den Anwohnern unter anderem zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen führen.

Des Weiteren befürchtet die BI eine starke Verunreinigung des Trinkwassers. Die Nordvariante werde dicht an der Schutzzone des Ihringer Trinkwasserbrunnens vorbeiführen, der Trinkwasserbrunnen in Wasenweiler müsse sogar verlegt werden. Auch die Hochwassergefahr in den Wohngebieten könne zunehmen, da die Nordvariante das Überschwemmungsgebiet des Mühlebachs zerschneide und die Straße auf den Entlastungsflächen wie eine Staumauer wirken könne.

Deutlicher Rückgang im Tourismus befürchtet

Auch die Folgen der Nordtrasse für den Freizeitwert und den Tourismus machte die BI deutlich. Freibad, Fußballplatz, Fitnesscenter, Tennis- und Reitanlagen würden durch die geplante Bundesstraße vom Ort getrennt. Zudem werde die Zufahrt zur B 31 West nur etwa 150 Meter vom Schwimmbad entfernt liegen und deshalb vor allem für Kinder und Jugendliche eine besondere Gefahr darstellen. Aufgrund der Nähe der Straße zum Ort rechnet die BI dann auch mit einem Rückgang der Übernachtungszahlen von mindestens 30 Prozent. Für die Gemeinde und die Gewerbetreibenden bedeute dies einen Verlust von etwa einer Million Euro pro Jahr.

Auch die Landwirtschaft sei von der Nordvariante wesentlich stärker betroffen als von der Südvariante. Ackerbaulich wertvolle, ortsnahe Flächen würden zerschnitten, die Zufahrt und die Bewirtschaftung wesentlich erschwert.

Viele der über 450 Zuhörer waren von den Informationen der Bürgerinitiative und der enormen Belastung, die auf sie zukommen könnte, sichtlich geschockt. "Für uns hat die Nordvariante nur Nachteile und wenn es Alternativen gibt, verstehe ich nicht, warum das Regierungspräsidium immer noch an dieser Trassenführung festhält", sagte Ernst Buff aus Wasenweiler. Barbara Sexauer aus Ihringen hatte die neue Straße bisher immer nur als Umgehungsstraße gesehen, "jetzt wird mir aber bewusst, welche Auswirkungen sie tatsächlich haben wird und welche Belastung auf unsere Kinder zukommt". "Sicherlich haben nicht nur Ihringen und Wasenweiler Nachteile durch die neue Straße, aber der zweite Teilabschnitt scheint mir nicht mit sehr viel Sachverstand geplant zu werden", fand Werner Hösel aus Ihringen.

Neben den Mitgliedern der BI sprachen sich auch Ihringens Bürgermeister Martin Obert sowie Wasenweilers Ortsvorsteher Alois Lai gegen die Nordvariante aus. Das Regierungspräsidium habe sich schon für diesen Trassenverlauf entschieden, bevor alle Fakten auf dem Tisch liegen würden. Diese Planung dürfe nicht widerstandslos hingenommen werden. "Auch die Bahnstrecke soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden und irgendwann die Züge dann im Viertelstunden-Takt fahren, schon dadurch kommt mehr Lärm auf Ihringen und Wasenweiler zu", sagte Lai. Obert schlug deshalb vor: "Der Anschluss an das Gewerbegebiet in Achkarren am Winklerberg ist verzichtbar. Dieses Geld könnte in die Südvariante investiert werden."

Gottenheimer Bürgerinitiative ist nicht begeistert

Auf Kritik stieß die Veranstaltung in Ihringen unter anderem bei der Gottenheimer Bürgerinitiative "Go-West B 31". "Viele Fakten werden in Ihringen immer wieder einfach aus dem Zusammenhang gerissen, auch wir haben in Gottenheim Lärm und Emissionen im Ort und auch die von Ihringen und Wasenweiler bevorzugte Südvariante stößt in anderen Gemeinden auf Ablehnung", sagte die Vorsitzende Alexandra Dankert. Die immer wieder vorgebrachte Kritik, Umkirch, Gottenheim und Bötzingen würden sich jetzt nicht mehr solidarisch gegenüber Ihringen zeigen, weißt Dankert zurück. "Wir klemmen uns weder an die Nord-, noch an die Südvariante, wir wollen einfach nur, dass die Straße wie vorgesehen bis Breisach gebaut wird."

Auch Herych möchte den Weiterbau der B 31 West auf keinen Fall verhindern. "Wir sind zu jedem Gespräch bereit, mit Merdingen, Gottenheim, Umkirch, Bötzingen und mit dem Regierungspräsidium. Unser Ziel ist es aber, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können."

Autor: Alexander Göbel