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23. Mai 2011 16:45 Uhr

Nordtrasse bringt mehr Lärm mit sich

Schon beim Auftakt der Erörterung zur B 31 West werden die Differenzen deutlich

Es ist der große Tag, an dem es um die Trassenvarianten geht. Um Punkt 9 Uhr startete am Montag in der Ihringer Kaiserstuhlhalle die auf 4 Tage ausgelegte Erörterung zum Neubau der B 31 West zwischen Gottenheim und Breisach.

  1. Mit Transparenten machten die Bürgerinitiativen auf ihre Standpunkte zum Weiterbau der B 31 West auf sich aufmerksam. Foto: Kai Kricheldorff

IHRINGEN. Schon zuvor waren 2 große, mit Plakaten versehene Traktoren vor dem Halleneingang aufgefahren, auf denen die verschiedenen Bürgerinitiativen ihre Meinungen zu Weiterbau und Trassenführung der Bundesstraße kundtaten. Auch die größte der Initiativen, "B 31 West – es geht auch anders", steht mit einem breiten Transparent vor der Halle.

Eine Doppelfunktion nimmt das Regierungspräsidium Freiburg bei der Erörterung ein. Zum einen ist die Behörde vertreten durch Tomas Dreßler, den Referatsleiter Recht und Planfeststellung, sowie seinen Referenten Joachim Lucht, der die Erörterungsdiskussion leitet. Zum anderen ist das Regierungspräsidium auch Vorhabensträger, der im Auftrag des Bundes als Bauherren der B 31 West, dessen Interessen zu vertreten hat. Die Delegation aus verschiedenen Fachleuten wird vom leitenden Baudirektor Leo Andlauer angeführt. Rund 50 interessierte Bürger haben sich in der Kaiserstuhlhalle eingefunden, um den Austausch der Standpunkte zu verfolgen.

"Viele sehnen die Straße herbei, aber ihre Trasse darf nicht zu Lasten der Bürger gebaut werden", umreißt der Ihringer Bürgermeister Martin Obert in seiner ersten Stellungnahme die Situation. Pointiert zeigt er auf, mit welcher Erwartungshaltung die Winzergemeinde und ihre Bürger in diese Erörterung gehen: "Wir wollen, dass die vom Regierungspräsidium zugesagte gleichberechtigte und neutrale Prüfung beider Trassenvarianten vorgenommen wird". Obert verhehlt nicht, dass er in der Vergangenheit Zweifel an der Objektivität hatte, mit der das Regierungspräsidium die Einwendungen der Gegner der Nordtrasse geprüft hat.

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Am Vormittag werden eingehend die Standpunkte zu Baukostenschätzungen, Lärmimmissionen, Trinkwasserversorgung und Grundwasserströmen ausgetauscht. Schnell wird dabei deutlich, dass in vielen Details die Gewichtungen der vorgetragenen Argumente unterschiedlich sind und die Einschätzungen teilweise erheblich differieren.

An den Kosten der beiden Trassen scheiden sich die Geister

"Die Nordvariante ist die falsche, weil unverträgliche Lösung", betont der von der Gemeinde Ihringen beauftragte Rechtsanwalt Torsten Heilshorn und moniert, dass die vom Regierungspräsidium errechneten Baukosten für die Nordtrasse (16,9 Millionen Euro) um 1,4 Millionen Euro höher liegen dürften, während für die Südtrasse mit 19,4 Millionen Euro zu veranschlagen seien. Verkehrsplaner Bernd Dörr vom Vorhabensträger gibt zu bedenken, dass bei der von Anwalt Heilshorn vorgebrachten Kostenschätzung die notwendige wegebauliche Erschließung aller entlang der Südtrasse gelegenen Flurstücke nicht ausreichend berücksichtigt sei, weshalb die Kostenschätzung höher liegen müsse.

Ausführlich wird über das Für und Wider der Lärmimmissionen gesprochen. Da geht es um Verkehrsprognosen, die voraussichtliche Entwicklung des Schwerlastverkehrs, um Dezibelwerte und Immissionsstandorte, an denen die zukünftige Lärmentwicklung gemessen wird. Die Bewertungsmethodik des Präsidiums beim Vergleich zwischen Nord- und Südtrasse zu der zu erwartenden Lärmbelastung stellt Rechtsanwalt Torsten Heilshorn in Zweifel. Bernd Dörr versichert, das Regierungspräsidium als Vorhabensträger setze die Immissionsmesspunkte auf Grundlage von Erfahrungswerten fest. Beide aber kommen zum Ergebnis, dass in Ihringen wie in Wasenweiler die Lärmeinwirkung an der Nordtrasse höher wäre als bei der Südvariante der B 31 West.

Auch die Boden- und Grundwassersituation sowie der Trinkwasserschutz werden eingehend erörtert, wobei sich deutliche Gegensätze in Einschätzung und Gewichtung von Detailuntersuchungen zeigen.

Schon am Mittag des ersten Erörterungstages hinkt man der Tagesordnung hinterher, denn viele offene Fragestellungen werden tiefgreifend diskutiert, mehrere Fachleute nehmen jeweils dazu Stellung. "Diese Erörterung ist kein Entscheidungstermin, sondern dient der Informationsgewinnung", hatte Referatsleiter Dreßler eingangs festgestellt. Für die Teilnehmer und interessierten Zuhörer gab es komplexe Fachinformationen im Übermaß, aus denen sich jedoch die gegensätzlichen Positionen in vielen Einzelfragen deutlich herausschälten. Der erste Tag der Erörterung verlief fair und mit gegenseitigem Respekt.

Autor: Kai Kricheldorff