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28. Mai 2011

Straße der Erwartungen und Ängste

Bei der Erörterung zur Planung der B 31 West Gottenheim-Breisach rührten auch Detailprobleme immer wieder an Grundsatzfragen.

HRINGEN/MERDINGEN. Bei der Erörterung zur Planfeststellung für die B 31 West neu kamen diese Woche in der Ihringer Kaiserstuhlhalle alle denkbaren Aspekte und Fragen zur Sprache. Von der Forderung zum schnellstmöglichen Weiterbau bis zur kompletten Ablehnung der Straße reichte die Bandbreite. Die einen unterstützten die geplante Nordtrasse, andere forderten vehement stattdessen die Südvariante. Und natürlich ging es um jede Menge Details zur Planung, vor allem auch um Wegeführungen in dieser landwirtschaftlich wie touristisch stark genutzten Region im Süden des Kaiserstuhls.

I Es wird sehr Vieles sehr anders werden, wenn diese Straße je gebaut werden sollte. Kürzer macht sie die Straßenverbindung zwischen Gottenheim – dort wird der erste Hauptteil von Umkirch her in einem Jahr fertig – und Breisach kaum, aber natürlich schneller, als es jetzt die Strecke aus Kreis- und Landesstraßen mit ihren drei Ortsdurchfahrten (Gottenheim, Wasenweiler und Ihringen) hergeben kann. Das hat seinen Preis, nicht nur in den geschätzten 39 Millionen Euro Baukosten. Die Straße wird eben keine der bisher gewohnten Landstraßen sein, an denen der Bauer schon mal direkt von der Fahrbahn ins Feld abbiegt, Wanderer, Jogger und Radler von Seitenwegen her kreuzen oder auch stückweise die Straßen selbst entlang unterwegs sind. Die Bundesstraße setzt andere Spielregeln; eine Ahnung davon vermittelt das schon fertige, 800 Meter lange,Teilstück im Wald zwischen Gottenheim und March: Erhöhte Dammlage, Leitplanken und eine für Tempo 100 geeichte, breite Fahrbahn lassen keinen Platz für beliebige Seitenwechsel.

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Entsprechend engagiert wurde gerade auch um das Wegenetz gerungen, das den Landwirten ohne große Umwege die Zufahrt zu ihren Feldern möglich machen soll. Da Querungen der Fahrbahn nicht vorgesehen sind, kommen schon aus Kostengründen nur wenige Überbrückungen in Frage. Die Paradelandschaft zwischen Kaiserstuhl und Tuniberg wird so in zwei Teile gespalten.

Mitten in der begonnenen Debatte um jeweils lokale Anliegen hatte am Dienstag Nachmittag eine Bürgerin aus Merdingen noch einmal mit ihrer Einwendung das ganze Projekt in den Blick genommen. Für einen großen Teil des Quell- und Zielverkehrs in und zwischen benachbarten Ortschaften bringe die Straße nichts, erklärte sie. Und für den Durchgangsverkehr gebe es ja seit Jahren die schnurgerade B 31 zwischen Breisach und der Autobahnausfahrt Bad Krozingen. Es fehle also schlicht die Grundlage, für die Region diese Straße zu bauen, schloss sie daraus. Dafür bekomme man nun eine Rennstrecke, die natürlich mehr Verkehr anziehen werde, verbunden mit deutlichem Anstieg von Lärm- und Abgasbelastungen.

So waren die Behördenvertreter und Planer nochmals gehalten, auf grundsätzliche Punkte einzugehen. Bernd Dörr vom Regierungspräsidium hob darauf ab, dass es auch um die Entlastung der Ortsdurchfahrten gehe, Umkirch machte hier den Anfang. Aber zugleich gehe es um eine kürzere Verbindung zwischen Colmar/Breisach und Freiburg, ohne den Umweg über die Autobahn A 5 zwischen Freiburg-Süd und Bad Krozingen. Diese Straße schließe damit auch die seitlich von ihr gelegenen Ortschaften an und wirke so als Entwicklungsachse.

Planer berufen sich auch auf Auftrag für Entwicklungsachse

"Das Planungsziel ist auch eine entwicklungsfähige Ost-West-Achse" erklärte denn auch Raimund Gier vom Büro Fichtner, das die Verkehrszahlen erhoben hatte. Diese zeigten auf, dass die Region diese viel beschworene Achsenfunktion derzeit noch kaum hat: In dem rautenförmigen Gebiet zwischen Breisach im Westen, Bötzingen im Norden, Umkirch mit der Autobahnausfahrt Freiburg-Mitte im Osten und Hausen mit der Ausfahrt Bad Krozingen im Süden waren bei den Zählungen 2008 rund zwei Drittel Verkehre, die ihre Quelle oder ihr Ziel in diesem Gebiet hatten. 23 Prozent waren Binnenverkehr in dem Gebiet und nur zehn Prozent entfielen auf Durchgangsverkehr, wobei hier die jetzige B 31 als schon bestehende Durchgangsachse von Bad Krozingen und der Autobahn bis zum Grenzübergang ins Elsass inbegriffen war.

Offen blieb die Frage, wie viel sich verändern wird, wenn in einem Jahr die B 31 von Umkirch bis zur L 115 zwischen Gottenheim und Bötzingen fertig wird. Dass der Verkehr auf dem vorhandenen Straßennetz bis Breisach zunehmen wird, ist für alle Seiten klar. Eben darum aber forderte nicht nur die Bürgerin aus Merdingen, mit Verkehrslenkung unter anderem den LKW-Durchgangsverkehr auf die Straßen zu verweisen, die so schon vor Jahren für ihn geschaffen wurden, wie die B 31 alt von Bad Krozingen nach Breisach.

Selbst die Bürgermeister von Gottenheim und Bötzingen betonten die Notwendigkeit solcher Schritte, falls – ja falls es doch nicht oder erst nach vielen Jahren zum Weiterbau bis Breisach kommen sollte. Für beide Gemeinden könnte nämlich der vermeintlich doppelte Segen neuer Straßen auch ein wenig zum Fluch werden: Die B 31 von Umkirch und die schon fertig geplante Umgehung der L114/116 von der Autobahn bei Teningen her werden direkt zwischen ihnen enden.

Autor: Manfred Frietsch