Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
03. August 2012
Im blauen Paradies
So schmeckt der Schwarzwald: In Menzenschwand auf der Suche nach dem blauen Gold.
Wo das Paradies zu finden ist? Zuallererst geht die Fahrt immer bergauf. Dann, nach einer kurzen Abwärtspassage fahren wir direkt ein in den Ort Menzenschwand, der am Fuße des Feldbergs liegt und zur Stadt St. Blasien gehört. Hier soll heute unsere Eintrittspforte ins Heidelbeerenparadies sein, ins Land der prallen, tiefblauen Beeren, die im Mund erst aufplatzen und dann auf der Zunge zergehen, nach Sommer und Sonne schmecken.
Voller Tatendrang trifft sich unsere Gruppe beim Wanderparkplatz direkt beim Menzenschwander Wasserfall. Mit Melanie Manns haben wir eine orts- und fachkundige Begleitung, die uns den Weg ins Paradies zeigen will. Doch dann – Ernüchterung. "Dieses Jahr ist die Natur durcheinander. Durch einen späten Frostanfall sind viele Blüten erfroren. Aber keine Angst", fügt sie schnell hinzu, als sie unsere enttäuschten Gesichter bemerkt, "natürlich gibt es trotzdem Beeren." Wir lernen, dass die in diesem Jahr nicht dicht genug stehen, um den Heidelbeerkamm, auch Raffel genannt, zu benutzen. Deshalb werden wir einfach von Hand pflücken. "Das hat den Vorteil, dass wir die Heidelbeeren nicht mehr putzen müssen, also die Blätter aussortieren, die sich auch im Kamm sammeln. Dann kommen wir schneller zum Essen", sagt Manns.
Werbung
Das ist auch in unserem Sinne und so ziehen wir los, wandern über Wald- und Wiesenwege aufwärts zum geheimen Platz, den unsere Ortskundige aufgespürt hat. Auch Karin und Markus, die aus Raststatt angereist sind, schwärmen für Heidelbeeren. Karin hat sogar schon versucht, einen Heidelbeerbusch zu Hause zu kultivieren, aber ohne Erfolg. "Ja, dazu braucht es schon einen sauren Boden, wie wir ihn hier im Schwarzwald haben", weiß Heidelbeer-Expertin Manns.
Unterwegs erzählt sie uns vom Geißental, wie Menzenschwand auch wegen seiner vielen Ziegen genannt wird, die damals wie heute dafür sorgen, dass die Kulturlandschaft erhalten bleibt und offene Flächen nicht zuwachsen.
Wir wandern an einer friedlich grasenden Ziegenherde vorbei, die zusammen mit zwei übermütig springenden und I-a-rufenden Eseln auf einer Weide grasen. Am Wegesrand reihen sich rosafarbene Weiderösschen neben blauen Wildlupinen und Rittersporn auf, auch Arnika und Blutwurz, wilde Apfelbäume und kleine Moorflächen lassen sich hier in Menzenschwand finden. Gerade, als wir euphorisch zu sinnieren beginnen, dass sich hier nicht nur ein Paradies für Heidelbeersucher versteckt hält, spüre ich einen Stich – Aua – ein instinktiver Klatscher – tja, ein Paradies wohl für viele Tier- und Pflanzenarten.
Wir sind angekommen, Melanie verteilt Kratten, Weidekörbchen mit zwei dicht beieinanderliegenden Henkeln. Die werden jetzt mit einem Gürtel an den Hüften gehalten, während wir die Beeren von den Sträuchern pflücken, die sich den gesamten Abhang zum Wald hin erstrecken.
Dann ist erst mal Ruhe. Erstaunlich. Außer dem Rauschen des Windes, der durch die Tannen streicht, ist nichts zu hören. Hin und wieder das Geräusch von Schritten, dann, wenn das vor einem liegende Plätzchen abgeerntet ist. Doch selbst die werden vom weichen Moos fast verschluckt. Manchmal ein kurzes Gespräch, wenn zwei von uns dichter zusammenstehen, dann wieder Ruhe. Tief gebeugt stehen wir, die rechte Hand zupft die kleinen, blauen Kügelchen in die linke, die volle Hand wird im Weidekörbchen entleert. Minuten vergehen, immer noch kein Laut. Wir Städter merken, wie angenehm Stille sein kann.
"Noch zehn Minuten, ich glaube, wir haben genug", kündigt Manns an. Wir schütten unsere Beute in einem größeren Gefäß zusammen, das blaue Gold des Schwarzwalds, wie Heidelbeeren auch gerne genannt werden. Dann tragen wir unseren Schatz zurück ins Gasthaus Zum Kuckuck beim Wasserfall, wo es sofort zu einer Nachspeise weiterverarbeitet wird.
Entspannt und angenehm dösig sitzen wir kurze Zeit später in der Gartenwirtschaft, unser Nachspeisetablett mit Vanilleeis, Sahne und unseren selbstgepflückten Heidelbeeren kommt und auch zwei ältere Damen aus dem Dorf an unseren Nebentisch. Die zollen uns Respekt, wo es doch dieses Jahr kaum Heidelbeeren gäbe, wie sie fachkundig bemerken und mit unserer einheimischen Begleitung Insiderwissen über neue, erfolgversprechende Jagdgründe austauschen. Doch bei einer Sache können dann wir Städter wieder mitreden: Beim Geschmack, der nicht mit dem der dickeren, aber wässrigen Kulturheidelbeeren zu vergleichen ist. Mhhhh, wie lecker!
BEERENSAMMELN IN MENZENSCHWAND
Treffpunkt: Besucherparkplatz beim Wasserfall Menzenschwand, oberhalb des Gasthauses Zum Kuckuck
Kosten: Erwachsene 22 Euro, Kinder (6 bis 14 Jahre) 11 Euro
Termine: Sonntag, 5. oder 11. August, jeweils 13 Uhr, Dauer etwa drei Stunden Im Preis enthalten: geführter Sparziergang und Tipps zum Beerensammeln, ein Nachtisch und eine Tasse Kaffee, Wasserfallbesuch
Weitere Infos und Anmeldung: Original Schwarzwald AG, Brühl-
matten 16, 79295 Sulzburg,
Tel. 07634/5695626 oder unter http://www.original-schwarzwald.de
Autor: anfe
Autor: Anita Fertl





