Im Einsatz für die Artenvielfalt

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Fr, 07. September 2018

Hinterzarten

Klimawandel und nachlassende Niederschläge bedrohen auch Moore in der Region / Umweltminister besichtigt Projekt in Hinterzarten.

HINTERZARTEN. Dass der Schutz der Moore gleichbedeutend mit Klimaschutz ist, hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Donnerstagnachmittag bei einem Vor-Ort-Termin im Hinterzartener Eschengrundmoos nahe des Mathisleweihers deutlich gemacht. Die Moorschutzmaßnahmen in Hinterzarten sind Teil des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt. Ziel der Schützer: Das Moor als Wasserspeicher und hochwertigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sichern.

In Sekundenschnelle versinkt der Stab links neben dem Weg in der Erde. Wo Pascal von Sengbusch gerade den Stab versenkt hat, befindet sich ein sogenanntes Toteisloch, das der Seebachgletscher vor Zehntausenden von Jahren hinterlassen hat.

"Vor 16 000 Jahren war diese Landschaft hier von einer Eisschicht bedeckt", erklärt der Biologe dem Umweltminister, Vertretern von Regierungspräsidium, Landratsamt, Gemeinde, Gemeinderat, Schwarzwaldverein und Naturschutz. "Das Eis war hier aktiv, der Gletscher hat einen Moränenhügel hinterlassen", berichtet er von der Entstehungsgeschichte des Eschengrundmooses.

An der Stelle, an der die Gruppe am Donnerstagnachmittag steht, hat laut Sengbusch wahrscheinlich einmal ein großer Eisbrocken gelegen. "Das hier war eigentlich mal das Paradies, hier gab es eine sehr große Artenvielfalt – dann kam der Mensch und hat das Moor entwässert, hat planlos Gräben ausgehoben", sagt von Sengbusch. Viele verschiedene Brutvogelarten seien daher verschwunden. Auch mit dem Klimawandel komme ein weiterer Faktor hinzu, der sich auch direkt vor Ort bemerkbar mache: "Ich habe mir die Temperaturdaten von Lenzkirch angeschaut, seit 1963 ist es im Sommerhalbjahr um zwei Grad wärmer geworden." Die damit einhergehende Verdunstung sei der Feind des Moores.

Seit 2015 gibt es keinen Niederschlagsüberschuss mehr

"Leider lassen die Niederschläge auch nach – wie wir in diesem Sommer ganz eklatant gemerkt haben." Seit 2015 gebe es keinen für die Moore so wichtigen Niederschlagsüberschuss mehr im Schwarzwald.

Um das Moor im Naturschutzgebiet Eschengrundmoos zu schützen und den Torfkörper dauerhaft zu erhalten, werden Grabensperren errichtet, die das vorhandene Entwässerungsnetz im Naturschutzgebiet schließen sollen. Auch spezielle Pflegemaßnahmen sollen die Fichte im Bergkiefern-Moorwald zurückdrängen.

"Diese Arbeiten werden auf kleinstem Raum in minimalinvasiver, manueller Arbeitsweise ohne schwere Maschinen durchgeführt – so sind bereits nach kurzer Zeit keine negativen Spuren der Maßnahme im Moorkörper und in der Vegetationsschicht erkennbar", informiert Gabriel Rösch vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums.

Pascal von Sengbusch, der die Maßnahmen umsetzt, zeigt auf seinem Smartphone ein Video von einer Pflegemaßnahme mit einer kleinen Raupe im Schnee. Beim Bau der Sperren haben Pascal von Sengbusch und sein Team in rund einem Meter Tiefe auch bis zu 2000 Jahre altes Kiefern- und Fichtenholz gefunden. "Das ist subfossiles Holz, das noch nicht versteinert ist", erklärt Pascal von Sengbusch.

"Wir haben hier eine große Verantwortung für diesen Artenschatz", sagt Umweltminister Untersteller, der Moorschutz als Klimaschutz bezeichnet. "Es geht um den Erhalt der biologischen Vielfalt", fügt er hinzu.

Info: Das Naturschutzgebiet Eschengrundmoos am Mathisleweiher zwischen Feldberg, Titisee und Hinterzarten ist 1984 ausgewiesen worden und erstreckt sich auf einer Fläche von 41,5 Hektar. Es ist eines der 49 Naturschutzgebiete im Landkreis.