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12. Juli 2012

Im Iran droht Lebensgefahr

Mohammad Hosseini wird als Flüchtling anerkannt.

WALDSHUT-TIENGEN (pk). Mohammad Hosseini darf in Deutschland bleiben. Die fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts Freiburg hat den 35 Jahre alten Iraner, der im Dezember 2010 in der Waldshuter Versöhnungskirche getauft wurde, als Flüchtling anerkannt. Bei einer Rückkehr in den Iran drohten ihm nicht nur eine erhebliche Einschränkung seiner religiösen Betätigungsfreiheit, sondern auch ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und Freiheit, heißt es im Urteil. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte zuvor seinen Antrag auf Asyl abgelehnt.

Mohammad Hosseini konnte das Gericht zwar nicht von seiner politischen Verfolgung im Iran überzeugen; das Gericht hatte auch erhebliche Zweifel, ob er sich in seiner Heimat wirklich heimlich mit christlichen Gruppen getroffen hat. Die Schilderungen seien zu pauschal und zu arm an Details gewesen. Dennoch wurde der 35-Jährige, der seit zwei Jahren im Übergangswohnheim in Albbruck lebt, als Flüchtling anerkannt.

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit oder seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Und dass Hosseinis’ Wechsel zum Christentum kein vorgeschobener Grund, sondern echte Überzeugung ist, daran hatte das Gericht nach der zweieinhalbstündigen Glaubensprüfung keinen Zweifel.

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Mohammed Hosseini habe ein weit überdurchschnittliches Detailwissen zu religiösen Themen, heißt es in der Urteilsbegründung. Besonders beeindruckt hat das Gericht, das der Iraner seinen "nicht unkomplizierten Taufbruch komplett auf Deutsch" habe aufsagen können. "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden", den Taufspruch aus dem zweiten Korintherbrief hatte der Asylbewerber vor Gericht zitiert. Nach Meinung des Gerichts habe er auch überzeugend dargelegt, weshalb seiner Meinung nach die christliche Lehre dem Islam überlegen sei. Dies habe eine vertiefte Auseinandersetzung mit beiden Religionen offenbart, seine Angaben seien zudem engagiert und durchdacht, stimmig und unaufdringlich gewesen.

Der Kläger habe begonnen, christliche Werte zu verinnerlichen und sich nach innen auszurichten, was auch in der geschilderten Glaubenspraxis Ausdruck finde. Die Kammer habe auch keinen Zweifel an der seiner Entschlossenheit, sein Leben als Christ zu führen und dies nach außen kundzutun – auch im Iran. Und damit sei er in Gefahr.

Das Auswärtige Amt habe in seinen Lageberichten ausdrücklich erwähnt, dass die freie Wahl sowie die freie Verbreitung des Glaubens im Iran stark eingeschränkt sind. Muslimen, die zum Christentum übertreten, drohe die Verfolgung bis hin zur Todesstrafe – auch wenn es Konvertiten gäbe, die unbehelligt eine anerkannte Religion ausüben könnten. In den vergangenen Jahren seien aber wiederholt christliche Konvertiten – auch ohne Gerichtsverfahren – verhaftet worden. Die Polizei sei auch immer wieder gegen private Hauskirchen vorgegangen.

"Wir freuen uns riesig", sagt Dekanin Christiane Vogel von der evangelischen Gemeinde. Jetzt gehe es an die nächsten Schritte: Mohammad Hosseini, der in Teheran als Friseur arbeite, soll eine Arbeit und eine Unterkunft außerhalb der Asylunterkunft finden.

Autor: bz