"Im Land fehlt der politische Wille"

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Di, 17. Juli 2018

Lörrach

Lehrergewerkschaft GEW richtet Resolution an den Landtag zu befristet beschäftigten Kollegen in den Kreisen Lörrach und Waldshut.

LÖRRACH. Vertreterinnen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) überreichten gestern erst Rainer Stickelberger (SPD) und später auch Josha Frey (Grüne) eine Resolution, in der sie die beiden Landtagsabgeordneten auffordern, sich dafür einzusetzen, die Situation der befristet beschäftigten Lehrkräfte zu verbessern.

Beim derzeit herrschenden Lehrermangel wird die Lehrerversorgung unter anderem mit Nichterfüllern, das sind Personen, die keine abgeschlossene Lehramtsausbildung in Baden-Württemberg vorweisen können, abgedeckt. Engagement, Berufserfahrung und andere Qualifikationen werden nicht anerkennt. Statt dessen werden lieber fachfremde Pädagogen eingesetzt. "Kein Land kann es sich leisten, diese Expertise liegen zu lassen", stellte die GEW-KreisvorsitzendeAnja Hanke beim Termin bei Rainer Stickelberger fest. Insbesondere die unhaltbare Praxis der Entlassung vor den Sommerferien und die fehlende Perspektive aufgrund verwehrter Weiterqualifizierungsmaßnahmen führten zu unwürdigen Arbeitsbedingungen. Das wird in der Resolution angeprangert.

Im Schulamtsbezirk Lörrach, der die Kreise Lörrach und Waldshut umfasst, seien zu Beginn des aktuellen Schuljahrs von 300 neu eingestellten Lehrkräften 110 betroffen gewesen, berichtete Anja Hanke – vor allem im Grund- und Sonderschulbereich und in den VKL (Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge). Diese große Anzahl stütze das Schulsystem in unserer Region maßgeblich, ohne sie könne es gar nicht mehr funktionieren. Deshalb fordert die Gewerkschaft mittels der Umsetzung eines Fünf-Punkte-Plans, ihre Arbeitssituation zu verbessern – allem voran Qualifizierungsangebote und eine Bezahlung der Sommerferien.

Geld sei genug da, die Kassen im Land seien so voll wie nie, und eine Möglichkeit gebe es auch. So habe die rheinland-pfälzische Landesregierung mit der Entscheidung, befristet beschäftigte Lehrkräfte über die Sommerferien zu bezahlen, einen gangbaren Weg aufgezeigt. Allein – in Baden-Württemberg fehle der politische Wille. Das sieht Rainer Stickelberger auch so. Die SPD habe bei den letzten Haushaltsverhandlungen bereits beantragt, diesen Missstand zu beenden. Beim Nachtragshaushalt sieht der Landtagsabgeordnete die nächste Möglichkeit.

Nicht bloß, dass die derzeit geltende Regelung die Betroffenen in eine prekäre Situation bringt. In den meisten Fällen sind diese mannigfaltig qualifiziert und verfügen über viel Berufserfahrung. Sie beklagen sich über die mangelnde Wertschätzung. "Mit einem Bein ist man in der Schule, mit dem anderen draußen", schildert eine engagierte VKL-Kraft, die in einer Schule im Kreis Lörrach arbeitet. Ein weiterer Aspekt finde öffentlich kaum Beachtung, kritisiert Kunstlehrerin Uta-Maria Schmied. Weil die knapp 200 – auf diese Zahl hatte sich die Zahl der Vertretungslehrkräfte im Laufe des zu Ende gehenden Schuljahrs im Schulamtsbezirk erhöht – Lehrer in die Arbeitslosigkeit gehen, beziehen sie sechs Wochen lang das Geld aller Steuerzahler. "Wir haben einen soliden Arbeitgeber mit unsolider Arbeitgeberhaltung", fasst Angestelltenvertreterin Annette Eckstein zusammen.

Josha Frey zeigte sich erfreut, "dass Bewegung in die Sache kommt". Die Region im Dreiländereck sei besonders betroffen vom Lehrermangel, daher müssten auch Maßnahmen und Lösungen gesucht werden, womit alle Vertretungslehrer mit befristeten Verträgen langfristig die Voraussetzungen für eine Festanstellung erfüllen können.