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10. Juli 2012

Im Leinengewand und Lederschuh

Die Veranstalter des Historischen Marktplatzfestes freuen sich über mittelalterlich gekleidete Gäste / Familie Kern zeigt, wie’s geht.

  1. Barbara und Thomas Kern, die immer wieder historische Stadtführungen anbieten, haben sich schon viel mit dem Mittelalter – auch den damaligen Kleidungsstilen – beschäftigt. Foto: Fotos: Sylvia Timm

  2. Schmale Gürtel halten auch den Geldbeutel. Foto: Sylvia Timm

  3. Zeigt her eure Schuhe: Leder passt gut. Foto: Sylvia Timm

  4. Ohne Kopfbedeckung geht’s nicht. Foto: Sylvia Timm

  5. Geschnürt wurde nicht nur Schneewittchen. Foto: Sylvia Timm

WALDKIRCH. Vom kommenden Freitag bis zum Sonntag macht Waldkirch eine Zeitreise: Zum siebten Male findet hier das Historische Marktplatzfest der Schwarzenberger Herolde statt (Programm siehe unten, historischer Hintergrund im Text rechts). Die Veranstalter hoffen, dass wieder viele Besucher in "historischer Gewandung" zum Fest kommen. Wie das geht, erklären den BZ-Lesern Barbara und Thomas Kern.

Beiden kann man immer wieder in mittelalterlich anmutender Bekleidung in Waldkirch begegnen, nämlich dann, wenn sie entweder als Torwächter und Torwächters Weib oder bei den Türmerführungen die Einheimischen und Besucher in vergangene Zeiten entführen. Nach und nach haben sie einen kleinen Fundus an Mittelalterkleidung angesammelt, denn "d i e   Mittelalterkleidung gibt es natürlich nicht. Das Mittelalter dauerte mehrere hundert Jahre, da änderten sich auch die Kleidungsstile", erzählt Barbara Kern. Aber ein paar grundsätzliche Dinge galten für alle diese Zeiten, wo das Schneiderlein noch mit Hand die Stoffe vernähte: Materialien waren überwiegend Wolle, Hanf und Leinen; auch Seide (sehr teuer), Baumwollgewebe (ab 13. Jahrhundert) und Samt (ab 14. Jahrhundert, sehr teuer) wurden zu Gewändern vernäht. Chemiefasern, auch Pannésamt, gab es natürlich nicht.

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Frauen trugen unter den Kleidern immer lange weiße Hemden – aber niemals dieses alleine: "Das ist, als würde man heute im BH auf die Straße laufen". Ärmellose Kleidung? Fehlanzeige! Und die Beine steckten meist in einer Art Leggings mit Füßlingen – nicht gestrickt, sondern genäht und oberhalb der Knie mit Lederbändchen festgehalten. Gummizug gab’s natürlich nicht; die Kleider der Frauen waren meist durchgehend (Rock und Bluse entstanden später), und wurden gebunden oder geknöpft (mit Knöpfen aus Stoffknubbeln, Holz, Leder) und schmalen Gürteln versehen.

Nicht nur die Köpfe der verheirateten Frauen gehörten unter die Haube, sondern fast alle unter Tücher und Hüte, als Schutz vor Schmutz – obwohl Barbara Kern mit dem Klischee aufräumt, es seien damals dreckige, stinkende Zeiten gewesen: "Man ging in Waldkirch recht oft ins Badehaus", denn der Gewerbekanal bestand schon im 13./14. Jahrhundert und ist somit das älteste Industriedenkmal der Stadt und Zeugnis von Sauberkeit.

An den Füßen trug man Lederschuhe – oder gar keine Schuhe. Wer einigermaßen stilecht sein will, sollte daher Crocks und Turnschuh zu Hause lassen. Aber natürlich: Willkommen ist jeder, mit Gewandung oder ganz modern, zur Zeitreise ins Mittelalter!

Autor: Sylvia Timm


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