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10. Februar 2010 00:05 Uhr

Einwurf

Im Schwarzwald ist der Teufel los – zumindest im ZDF

Abergläubisch, ängstlich, obrigkeitshörig – so sind die Schwarzwälder. Zumindest im ZDF-Film "Die Toten vom Schwarzwald". Der gab den Blick frei auf die merkwürdige Darstellung der Provinz im deutschen Fernsehkrimi.

  1. Heino Ferch als Matthias Auerbach und Nadja Uhl als Inka stehen vor großen Rätseln. Foto: ZDF, Maria Wiesler

Der Schwarzwald ist eine wunderbare Gegend, das wissen wir Eingeborenen schon längst. Aber unsere Möglichkeiten sind bescheiden, das auch dem Rest der Republik kundzutun. Wie gut also, dass es die Institution des großen Fernsehfilms gibt – und dass der sich einmal unserer schönen Heimat widmet. Mehr als sieben Millionen sahen am Montagabend den ZDF-Krimi "Die Toten vom Schwarzwald", und die dürften jetzt Bescheid wissen: Bei uns ist der Teufel los.

Da wabert der Nebel und schlingt das Grün, auf dem Stock steckt der Tierschädel und an der Haustür das Porträt des Leibhaftigen, Raben krächzen und alte Weiblein raunen, die Dörfler ducken sich und der Bürgermeister veranstaltet rituelle Bilderverbrennungen auf dem Schreibtisch. Hier schreit der Wahnsinn aus weit aufgerissenen Augen, dort schlägt brutal und hinterhältig der Hinterwäldler zu. Und alle hat ein furchtbarer Fluch fest im Griff: Seit dem Dreißigjährigen Krieg gehört ein Kind aus jedem Zwillingspärchen dem Satan – jedenfalls in dem kleinen Dorf im Holltal, wie es hier heißt.

Landsmannschaftliche Klischees vor landschaftlicher Originalkulisse

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Einen Mysterythriller wollte Regisseur Thorsten Näter drehen, und zwar im Wald, weil da hinter jedes Baumes Rinde das Geheimnis steckt. Aber es hat nicht funktioniert, das starbesetzte (Nadja Uhl, Heino Ferch) Black Forest Witch Project. Von der düster dräuenden Musik über die mumifizierte Leiche, neben die der Held zu liegen kommt, bis zur plötzlichen Erscheinung am Fenster in regennasser Nacht: Statt in atemlose Spannung und subkutanes Grauen zu versetzen, führte der Film seine Versatzstücke nur vor.

Und gab nebenbei den Blick frei auf die merkwürdige Darstellung der Provinz im deutschen Fernsehkrimi. Die Aufklärung, zum Beispiel, scheint da noch nicht vorgedrungen: Die Landbevölkerung ist abergläubisch, ängstlich, obrigkeitshörig. Und tritt immer als Gruppe auf, in Seil- und Feindschaften verschweißt und samt Polizei und Dorfpresse tief verstrickt in dunkle Geheimnisse der Vergangenheit. Deshalb redet auch niemand, und wenn doch, dann unverständliches Pseudo-Dialektgebrabbel. Dem Städter gegenüber – hier: Heino Ferch als Kriminalbeamter aus Stuttgart (!) – sind die Dörfler feindselig, und allein um ihn loszuwerden, passiert auch schon mal ein Nebenmord. Wie überhaupt in der Provinz gerne zum Zwecke des Vertuschens gemordet wird.

Landsmannschaftliche Klischees vor landschaftlicher Originalkulisse: Das ist genretypisch, wie der "Tatort", Prototyp des Regionalkrimis, in schöner Regelmäßigkeit belegt. Der zeigt jedem Fernsehzuschauer von Zeit zu Zeit die Karikatur seiner eigenen Heimat. Fragt sich nur, was der jeweilige Rest der Republik dabei zu sehen meint.

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Autor: Gabriele Schoder