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30. März 2012 17:29 Uhr

300.000 Euro Schaden

Immer mehr Fahrkartenautomaten werden mutwillig zerstört

Jeden Tag werden im Schnitt drei Fahrkartenautomaten im Kreis Lörrach unbrauchbar gemacht. 2011 waren es 1000 Stück, der Schaden geht in die Hunderttausende. Doch Zerstörungswut steckt nicht dahinter.

  1. Oft wird der Berührungsbildschirm am Fahrkartenautomaten mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt. Foto: Bundespolizei

LÖRRACH. Zerstörte Fahrkartenautomaten und unbrauchbar gemachte Ticketentwerter sind im Landkreis Lörrach – besonders auf der Wiesentalstrecke – mittlerweile ein ernsthaftes Problem. Grund ist jedoch nicht Zerstörungswut: Die Täter wollen sich ganz einfach die paar Euro für ein Ticket sparen.

Die Methode, die Volker Hesse, Ermittlungsdienstleiter der Bundespolizei beschreibt, ist einfach: Die oberen Schichten des Berührungsbildschirms am Fahrkartenautomaten werden mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt oder mit einem Feuerzeug angekokelt, schon ist das empfindliche Gerät außer Betrieb gesetzt. Jetzt kann keine Fahrkarte mehr gezogen werden, die anschließende Schwarzfahrt im Zug lässt sich, wenn man erwischt wird, damit begründen, dass man an dem kaputten Automaten gar kein Ticket kaufen konnte.

Die zweite Variante ist, den Entwerter zu verstopfen und somit ein gekauftes Ticket weiter gültig bleiben zu lassen. Besonders dreist: Manche Täter fotografieren ihr Werk anschließend mit dem Mobiltelefon, damit sie im Zug gleich den Beweis zur Hand haben, dass es tatsächlich nicht möglich war, den benötigten Fahrschein zu kaufen.

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Notgedrungen zum Schwarzfahrer

1049 Mal ist das im vergangenen Jahr an Bahnhöfen und Haltestellen im Landkreis Lörrach passiert. Der Schwerpunkt der Zerstörungen lag dabei eindeutig entlang der S-Bahn-Strecke durchs Wiesental. Der Schaden, der der Deutschen Bahn und der SBB entstanden ist, liegt bei mehr als 300.000 Euro. Ein Nebeneffekt: Zahlreiche ehrliche Reisende können sich ebenfalls kein Ticket kaufen und werden notgedrungen zu Schwarzfahrern – mit entsprechenden Unannehmlichkeiten bei einer Kontrolle.

Die Bundespolizei hat reagiert und ein neues technisches Konzept entwickelt. Wie genau es funktioniert verraten die Ermittler nicht. Doch es hat Erfolg: 27 Täter konnten bereits ermittelt werden, darunter auch Mehrfachtäter. Die wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt, hinzukommt, dass sie den angerichteten Schaden den Bahnbetreibern zurückzahlen müssen – und das kann richtig teuer werden. "Ich denke, diese Täter werden wir bei uns nicht mehr sehen", sagt Volker Hesse.

Entstandener Schaden wird an die Kunden weitergegeben

Außer dem Schaden an den Automaten und deren Reparatur entstehen für die Bahn und die SBB noch mehr Kosten: Einnahmeausfälle durch nicht verkaufte Tickets, ein riesiger Verwaltungsaufwand, um zu ermitteln, ob jemand schwarzgefahren ist oder ob der Automat kaputt war, was wiederum vor Ort überprüft werden muss. Kosten, die die Bahnbetreiber weitergeben: in Form von Fahrpreiserhöhungen oder über staatliche Subventionen, sprich an den Steuerzahler. Stefanie Heizmann von der SBB Deutschland sieht deshalb die neue Aktion der Bundespolizei als "Schritt in die richtige Richtung".

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Autor: Michael Reich