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04. August 2011 01:58 Uhr
Statistik
Immer weniger Kinder in Deutschland
Deutschland ist das kinderärmste Land Europas. Das belegen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen Ost und West.
Die Zahlen zeigen auch: In vielen Familien ist Urlaub finanziell nicht drin. 2010 waren mit 13,1 Millionen Kindern noch 16,5 Prozent der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. Diese Zahlen veröffentlichte gestern das Statistische Bundesamt. Vor zehn Jahren lag der Kinderanteil noch um 2,1 Millionen Kinder höher, bei 18,8 Prozent. Bis 2030 werde ihr Bevölkerungsanteil auf 15 Prozent schrumpfen. Demnach verringerte sich die Zahl der Kinder in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt um 14 Prozent, im Osten der Republik sogar um 29 Prozent. Der Anteil der Alleinerziehenden liegt in den neuen Bundesländern mit 24 Prozent markant höher. Dort kommt es auch häufiger (17 Prozent) als im Westen (6 Prozent) vor, dass die Eltern nicht verheiratet sind. Jedes vierte Kind hat keine Geschwister. In Ostdeutschland liegt der Anteil der Einzelkinder sogar bei 35 Prozent. Bei etwas mehr als der Hälfte aller minderjährigen Kinder gehen beide Eltern arbeiten.
Wenn die Kinder noch jünger als drei Jahre sind, arbeitet jedoch meist nur ein Elternteil (58 Prozent). 14 Prozent der Kleinkinder werden von Eltern betreut, die keiner Arbeit nachgehen. Auch die meisten alleinerziehenden Eltern (59 Prozent) arbeiten, sie haben aber überwiegend Teilzeitjobs. Alleinerziehende mit Kleinkindern sind hingegen nur selten berufstätig (25 Prozent).
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Kinder sind nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes nicht stärker armutsgefährdet als der Durchschnitt der Bevölkerung. Als Messlatte gilt für die Statistiker allein das Einkommen der Eltern. Nach ihrem Modell gelten Familien als armutsgefährdet, wenn pro Kind weniger als 929 Euro im Monat zur Verfügung stehen. In Deutschland gehören 15 Prozent der Kinder zu dieser prekären Schicht. Die Quote ist seit Jahren konstant. Europaweit liegt sie bei 20 Prozent. Allerdings zählen Kinder, die bei Alleinerziehenden aufwachsen, nach wie vor zu den am stärksten armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen in Deutschland.
Alleinerziehende bestreiten ihren Lebensunterhalt zu einem Drittel aus staatlichen Transferleistungen, zum Beispiel Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II. Bei Ehepaaren mit Kindern gilt das für nur vier Prozent. Im vergangenen Jahr lebten in Deutschland 1,96 Millionen Kinder von Leistungen nach Hartz IV. Die elementaren Bedürfnisse der Kinder, so das Statistikamt, würden in den meisten Fällen erfüllt. Doch ein Fünftel der Kinder unter 16 Jahren lebe in Familien, die sich keinen Urlaub leisten können. 14 Prozent der Eltern können ihren Kindern aus finanziellen Gründen weder die Mitgliedschaft in einem Sportverein noch Musikunterricht ermöglichen.
Am 1. März 2010 wurden bundesweit 472 000 Kinder unter drei Jahren in einem Kindergarten oder von einer Tagesmutter betreut. Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2013 für 750 000 Kleinkinder einen Betreuungsplatz anzubieten. Demnach fehlen bundesweit noch 280 000 Plätze. Die Betreuungsquote in den einzelnen Bundesländern unterscheidet sich erheblich. Bundesweit ist sie seit 2006 von 13,6 auf 23 Prozent gestiegen. In Berlin und den neuen Bundesländern liegt sie deutlich über 40 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 56 Prozent. Baden-Württemberg (18,4 Prozent) hat erheblichen Nachholbedarf. 2,4 Prozent der Säuglinge werden in Kinderkrippen betreut. Im Land gibt es nur für 2 Prozent entsprechende Plätze, in Hamburg aber für 4 Prozent, in Sachsen-Anhalt für 7,8 Prozent der Babys. Im Südwesten gehen 38 Prozent der Zweijährigen bereits in einen Kindergarten, in Berlin sind es 77 Prozent, bundesweit 43,5 Prozent. Kinder werden immer später flügge. Viele leben auch dann noch im Haushalt der Eltern, wenn sie volljährig geworden sind. Dieser Trend zum "Hotel Mama" wird etwa vom gestiegenen Anteil an Abiturienten und Studenten, der längeren Berufsausbildung oder der Neigung, immer später eine eigene Familie zu gründen, beeinflusst.
Autor: Armin Käfer
