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12. Juni 2012

Lehrstellen-Markt

In Baden-Württemberg fehlen die Azubis

So entspannt war der Lehrstellenmarkt in Baden-Württemberg noch nie, zumindest für die Jugendlichen. Handel, Gastronomie und Handwerk hingegen stecken immer tiefer in der Klemme. Der Grund: Es fehlen Azubis.

  1. Das Handwerk im Land sucht Auszubildende. Foto: DPA

STUTTGART. Der dualen Ausbildung gehen die jungen Menschen aus. Die Zahl der Lehrstellen ist 2011 um fast neun Prozent gestiegen, die der Bewerber um mehr als fünf Prozent zurückgegangen, sagt Eva Strobel, die Chefin der Landesarbeitsagentur.

Ein Bündnis für die berufliche Ausbildung

Die Schere, so Wirtschaftsminister Nils Schmid, klaffe immer weiter auseinander. Bereits jetzt fehlen der südwestdeutschen Wirtschaft 190 000 Fachkräfte mit Berufsausbildung, wogegen nur 38 000 Akademiker gesucht werden. Mehr und mehr greift nun auf alle handwerklichen Branchen über, was in der Gastronomie im Land schon lange gilt: Es gibt deutlich mehr Ausbildungsplätze und freie Stellen als Bewerber.

Das 2010 von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gegründete Bündnis, das die berufliche Ausbildung im Land stärken will, hat deshalb eine neue Werbekampagne gestartet. Vor allem im Netz wird für die praktische Ausbildung geworben, die, so Schmid, für viele motivierender sein könne als die Perspektive eines Studiums. Die seit Montag freigeschaltete Seite "www.gut-ausgebildet.de" umwirbt die Besucher mit Kurzfilmen zu mehr als drei Dutzend Ausbildungsberufen, darunter seltene wie den des Steinmetzes oder bekannte wie den des Kochs. Unterstützt wird die Reklame seit einem Jahr von Ausbildungsbotschaftern.

Werbung


Die sind selbst noch in der Lehre und besuchen Schulklassen, um für den eigenen Beruf im Besonderen und die duale Ausbildung im Allgemeinen zu werben. Wenn die Köche dann allerdings auf die eher bescheidenen Verdienstmöglichkeiten nach der Lehre zu sprechen kommen, sinkt das Interesse der Schüler oft ziemlich rasch.

Der doppelte Abiturjahrgang, der in wenigen Wochen aus den Gymnasien entlassen wird, hat bislang keinerlei Druck auf den Ausbildungsmarkt bewirkt, so Strobel. Chancen, ihre freien Lehrstellen zu füllen, sehen die Arbeitsagentur und die Firmen weniger bei Abiturienten, die nicht studieren wollen, als bei Migranten, bei denen die Ausbildungsbereitschaft bislang geringer ist. Und bei Jugendlichen, die in schulischen Warteschleifen hängen: "Diese Übergangssysteme sind oft nur eine Verlegenheitslösung." Die Informationskampagne soll Jugendliche ermuntern, sich stattdessen gleich zu bewerben, auch wenn das Profil nicht ganz passt, denn "den perfekten Bewerber gibt es nur auf dem Papier."

Lehrstellen in Südbaden

Wie sich die Lage bei den Lehrstellen in den vergangenen Jahren verändert hat, kann man an den Überschriften in der Badischen Zeitung über die Lehrstellenbilanzen der vergangenen Jahre ablesen. Hieß es im Herbst 2010 "Fast alle haben eine Lehrstelle", lautete der Titel im Herbst 2011 "Viele Lehrstellen bleiben frei". Zum Stichtag 31. Oktober 2011 meldeten die Arbeitsagenturen in Offenburg, Lörrach und Freiburg 595 unbesetzte Ausbildungsstellen und 92 unversorgte Bewerber. Die Handwerkskammer Freiburg zählte 2509 neu abgeschlossene Lehrverträge, ein Plus von 0,7 Prozent. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Freiburg meldete 4609 neu abgeschlossene Lehrverträge, ein Plus von 7,5 Prozent. Die IHK Schopfheim zählte 3109 neue Lehrverträge, ein Plus von acht Prozent. Bemerkenswert dabei: Die Zahl der Lehrverträge im Hotel- und Gaststättengewerbe geht zurück. Die IHK Freiburg verzeichnet ein Minus von 10,3 Prozent gegenüber 2010.  

Autor: weg

Autor: Andreas Böhme


3 Kommentare

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

12. Juni 2012 - 11:59 Uhr

Einer meiner Gewerbeschullehrer hatte einen guten Spruch zur Hand:
"Die Einen lernen es NIE, Die ANDEREN noch später"
Damit meine ich alle theoriebesessenen Sesselhocker die eine Studie nach der anderen los posauenen, aber die Wirklichkeit schlichtweg verleugnen.
Frau von der Leyen posaunt aus Berlin: Bildung Bildung nur mit ABI
und Studium bist DU was!
Wer will da denn noch Koch, Tischler, Mechaniker, Restaurantfachkraft,
Sanitär- und Klempner werden?
Früher hieß es: Arbeit schändet nicht! Heute heißt es: Arbeitest du noch
mit den Händen wirst DU dein Leben als DEPP beenden.
BRUTAL ABER WAHR!

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Mike Mellert

Registriert seit: 30.03.2010

Kommentare: 30

12. Juni 2012 - 12:45 Uhr

"Wenn die Köche dann allerdings auf die eher bescheidenen Verdienstmöglichkeiten nach der Lehre zu sprechen kommen, sinkt das Interesse der Schüler oft ziemlich rasch."

So siehts aus , und es ist ja nicht nur der niedrige Lohn , es sind ja auch die vielen Stunden in der Gastronomie .
Die Gastronomie brauch sich glaube ich am wenigsten beschweren .
Man möge mich berichtigen , aber es ist die einzigste Branche die ich kenne in der bezahlte Überstunden eine Ausnahme sind .

Und nach der Ausbildung ist man erstmal 3 Jahre "Jungkoch" .
Auch so ein Unding ,Jungköche können sich mit 1000€ netto im Monat als durchschnittlich betrachten .
Und daß bei ,wenns normal läuft 10h/Tag .

Und in den neuen Bundesländern ist es noch fataler .

Ich persönlich liebe den Job und will nichts anderes machen , aber ich kann die jungen Leute verstehen , daß das Interesse für ein an sich tollen Beruf mit solchen Aussichten nicht geweckt sondern niedergeschlagen wird .

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 812

12. Juni 2012 - 16:02 Uhr

"Wer will da denn noch Koch, Tischler, Mechaniker, Restaurantfachkraft,
Sanitär- und Klempner werden?"
Wahrscheinlich die Leute ohne Abi. Soll immer noch weit über die Hälfte der Schulabgänger sein. Wenn sich diese Leute dann später ihre Fachhochschul- oder Hochschulreife nachholen, dann ist das zu begrüßen. Für den Ingenieursnachwuchs sind diese Leute enorm wichtig.

Viele der Hochschulreifen vom Gymnasium machen aber auch mit Abi ganz klassisch eine Ausbildung, weil sie kapiert haben, dass man auch als Akademiker trotz teuren Studiums keine Jobgarantie mehr hat und die Bezahlung oftmals in keinem Verhältnis zur Dauer der Ausbildung steht.

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