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14. November 2017

In blendender Form

Weiler Orchestergesellschaft mit dem Dirigenten Franck Nilly und dem Trompeter Immanuel Richter.

  1. Als Trompetensolist brillierte Immanuel Richter beim Herbstkonzert der Orchestergesellschaft Weil am Rhein mit makellosem Ton und virtuoser Technik. Foto: Roswitha Frey

Trompetenglanz, Walzerschwung und geballte Klangdramatik: sehr abwechslungs- und kontrastreiche Stücke brachte die Orchestergesellschaft Weil am Rhein bei ihrem Herbstkonzert in der vollbesetzten Altrheinhalle in Märkt unter ein Programm-Dach. Zum Einstieg führte Dirigent Franck Nilly sein glänzend aufgestelltes Orchester in souveräner Manier durch Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan". Spannungsreich in der Dynamik, mit kraftvollem Klang, großer Intensität und Wucht bauten die Musiker das düstere Klanggeschehen auf und zeichneten die tragische Handlung um den Titelhelden, die Konflikte, die dramatischen Kämpfe packend nach.

Für Haydns beliebtes Trompetenkonzert Es-Dur hatte man einen exzellenten Solisten gewonnen: Immanuel Richter, Solotrompeter des Sinfonieorchesters Basel, meisterte den ebenso ergiebigen wie technisch herausfordernden Solopart mit unangestrengter Leichtigkeit und müheloser Virtuosität. Brillant, locker, mit strahlendem, lupenreinem Ton gestaltet der Schweizer Spitzentrompeter den Kopfsatz. Im Andante entfaltet er wunderbar seine kantable Tonschönheit, sehr subtil und weich klingt sein Spiel in diesem Mittelsatz. Höchst wirkungsvoll gerät das Finale, in dem Richter die sehr schnellen Passagen und Läufe mit blitzender Bravour, atemberaubender Geläufigkeit und makelloser Präzision spielt und seiner Spielfreudigkeit freien Lauf lässt: eine erstklassige Haydn-Galavorstellung voller Brillanz, Eleganz und superber tonlicher Qualität. Das Orchester begleitete seinen Starsolisten mit schlankem, transparentem Klang. Als Zugabe erklang das von Immanuel Richter für Trompete und Streichorchester arrangierte Stück "Letzter Frühling" von Edvard Grieg, mit noblem Ton elegisch und wehmutsvoll gespielt.

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Der zweite Teil widmet sich ganz dem Thema Tanz

Diese Zugabe leitete geschickt zum zweiten Programmteil über, der sich dem Thema Tanz widmete und mit Griegs Sinfonischem Tanz op. 64 eröffnet wurde. Zarter Streicherklang, feine Holzbläserdetails, eine betörend schöne Oboenmelodie und graziöser Harfenzauber schmeichelten sich in diesem sinfonischen Tanz des nordischen Spätromantikers ins Ohr. Schwelgerisch im weit ausschwingenden Klang, mit vortrefflicher rhythmischer Präzision und schwungvoller Eleganz spielte das Orchester den Kaiserwalzer von Johann Strauß, der in dieser Interpretation herrlich ausladende und prunkvolle Walzerpracht verströmte.

Fein in den Details ausgehorcht war die Pizzicato Polka aus dem Ballett "Sylvia" von Léo Delibes mit subtilen Streicher-Pizzicati und herausstechender reizvoller Flötenstimme. Konzertmeister Christian Rozgonyi ließ als Solist in der Meditation aus "Thais" von Jules Massenet seinen Violinton warm und sanglich aufblühen. Gefühlvoll, mit inniger Ausdruckswärme und expressivem, leidenschaftlichem Ton spielte er diese berückende Meditation, eingebettet in einen weichen Orchester-Klangteppich.

In Dvoráks Slawischem Tanz Nr. 4 op. 46 zeigte die Orchestergesellschaft großes Gespür für das böhmische Kolorit, das Elegisch-Schwermütige, aber auch die ursprüngliche rhythmische Vitalität dieser Tanzkomposition. Mit dem populären fünften Ungarischen Tanz von Brahms, den das Orchester mit unwiderstehlichem Elan, zündender rhythmischer Verve und Temperament anpackte, bekam das Programm dann Wunschkonzert-Charakter. Für die 530 hellauf begeisterten Zuhörer hatten Dirigent Nilly und sein in blendender Form auftrumpfendes Orchester zum Abschluss des Jubiläumsjahres noch die Champagner-Polka von Strauß als Zugabe parat: ein spritziges Stück in überschäumender Spiellaune mit Korken-Knalleffekten und Luftschlangen als Überraschungs-Gag. Und weil das Publikum unermüdlich weiter klatschte, wurde noch mal der Ungarische Tanz wiederholt.

Autor: Roswitha Frey