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26. Juni 2012
In der Kirche klappert und scheppert und klingt es
Konzert mit den Percussionsten Max Riefer und Nicholas Reed.
ETTENHEIM. Max Riefer und Nicholas Reed haben im Rahmen der Benefizkonzertreihe als Percussionprojekt "unquiet thoughts" in der Christuskirche Ettenheim gastiert. Dabei beschränkten sie sich ohne begleitende Melodien ganz auf die Kraft der Rhythmik. Etwa 50 Besucher genossen dieses sehr ungewöhnliche Konzert, darunter überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche.
Im Mittelalter herrschte die Vorstellung von der Kirche als organischem Ort, der auf die fünf Sinne ausgerichtet war. Durch aromatische Räucherkräuter, schöne Gemälde, weiche Sitzpolster, leckeres Brot mit Wein und wohlklingende Musik sollten alle Sinne der Gläubigen angesprochen und ihnen so Gottes Wunder vermittelt werden. Von der Kirche als mittelalterlichem Klangkörper konnten sich die Zuhörer nun einen sehr modernen und lebhaften Eindruck verschaffen.
Max Riefer und Nicholas Reed nutzten nicht nur ihr musikalisches Equipment, sondern den gesamten Raum als Instrument, denn es rumorten Stühle, schepperten Leuchter und vibrierten Fensterscheiben. An einigen lauten Stellen glaubte man, das Dach hebe von der Kirche ab, während manch leiser, zarter Ton eher erahnt als gehört werden konnte. Das Equipment war umfangreich und ungewöhnlich: zehn Trommeln, vier Becken, sechs Zimbeln, zwei Gongs und eine Klangschale gehörten genauso dazu wie Wasserwanne, Putzschwamm, Gummiball und Geigenbogen. Aber auch der menschliche Körper diente beim Beatboxing, Pfeifen oder Klatschen als Instrument.
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Max Riefer und Nicholas Reed begannen das Konzert mit "Clash Music" und vier Zimbeln, die sie mit Hilfe einer Tischplatte, der Hände und der eigenen Brust mal laut und heftig, mal leise und zurückhaltend klingen ließen. Assoziationen von einem aufmarschierenden Heer in scheppernder Montur wechselten sich mit denen von Kirchenglocken ab. Beim folgenden Solo Reeds mit sieben Trommeln dachte man an Shaolinmönche, während sich Riefers Solo mit Beatboxing, Pfeifen, Fauchen, Reiben, Trommeln und Knirschen einem leichten Zugang entzog. Er kehrte den Unterschied zwischen Holz- und Metallinstrumenten hervor, indem er den einen warm-organische Töne und den anderen kalt-wässrige entlockte.
Beim "Fingercapriccio" erläuterte Riefer dessen Bedeutung: "Der Komponist ist Architekt, deshalb übersetzt er Baupläne in Partituren und umgekehrt, macht also aus Architektur Musik." Diese mathematische Herangehensweise klang mit leeren Plastikflaschen unter einem Holzbrett, Congas, Glockenspiel und Klangschale im Duett wie ein Pingpongspiel, das sich Reed und Riefer lieferten. "Tage des Südwinds" klang mit nur zwei großen Becken, mit den Händen angestrichen und betrommelt, tatsächlich wie eine Brise. Mit einem weiteren Solo Reeds und einer Zugabe beendeten die beiden das Konzert, da der Engländer Nicholas Reed seine Landsmänner beim Spiel gegen Italien anfeuern wollte. Der Applaus des Publikums fiel nach so viel Rhythmik gewohnt heftig, aber ungewöhnlich synchron aus.
Autor: iko



