Narren in Hochform

In Öflingen lässt es sich so richtig lästern

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Mo, 11. Februar 2019 um 13:24 Uhr

Wehr

Beim ersten Öflinger Zunftabend gestalten rund 50 Akteure eine unterhaltsame Revue mit Humor und närrischer Ausgelassenheit

Mit einem gelungenen, stimmungsvollen ersten Zunftabend wurde am Freitag in der Schulsporthalle die heiße Phase der Öflinger Fasnacht eingeläutet. Humor, Engagement und die närrische Ausgelassenheit der rund 50 Akteure unter der Gesamtleitung von Nicole Schmidt hätten zwar etwas mehr Publikum verdient. Immerhin: Eine stattliche Abordnung der Narrenzunft Wehr erwies mit ihrem Besuch den Narrenkollegen aus der Südstadt ihre Reverenz.

"Meine verehrten Damen und Herren, aber auch liebe Wehrer", lautete die wenig charmante Begrüßung von Hans Dominik Weber. Die närrischen Spitzen gegen die geliebten Mitbürger aus dem Norden hielten sich ansonsten in Grenzen, hatten die Öflinger doch vor den Türen des Dorfes genug "zu kehren". Nicht auf der Bühne vertreten war diesmal in diesem Jahr die Sportvereinigung Brennet-Öflingen. "Die hän anderi Sorgä", lästerte der bestens aufgelegte Zunftabend-Moderator Uli Meier in Anspielung auf die sportliche Misere des Fußballklubs. Überhaupt: Lästern war an diesem Abend ein gutes Stichwort.

In Höchstform präsentierten sich wieder Berta und Herta alias Nicole Schmidt und Susanne Kladisch. Im ersten Teil gingen die beiden Damen mit der Männerwelt hart ins Gericht, um nach der Pause ihrem Namen als "Sanitöterinnen" alle Ehre zu machen. Geht der Ehemann mit einer Jüngeren nach Bali, "gibt es Wurschtsalat mit Zyankali", drohte etwa Kladisch. Nicht zu empfehlen sind Männern Vergleiche mit Schmidts Schwiegermutter in Sachen Kochen. Kann es die eigene Mama nämlich "besser, läuft der Ehemann schnell ins Messer." Auf den Höhepunkt brachten die beiden die Stimmung in der Halle mit ihrer Nummer "Sanitöterinnen". Auf die Anwendung der stabilen Schocklage dürfte so mancher Zuschauer seit dieser Vorstellung gerne verzichten.

Kein Blatt vor den Mund nahm auch diesmal der Nachrichtensprecher des Öflinger Rössle-Funks, Hans Dominik Weber. Spendenaffären von Spitzenpolitikerinnen der AfD sei es laut Weber zu verdanken, dass in der Schweiz Braunkohle entdeckt worden sei. Auch die CSU bekam ihr Fett ab: Das Lampenmodell "Söder" eines schwedisches Möbelhauses ließ Weber über den Zusammenhang mit Armleuchtern sinnieren. Nicht zu kurz kam die lokale Politik: Dubäschorsch alias Uli Meier gab seine Kandidatur für den Wehrer Gemeinderat bekannt, was im Zusammenspiel mit Moderator Markus Lanz alias Jürgen Bäumle zu einer sehr unterhaltsamen Nummer verwoben wurde. Zugabeforderungen ab es nach den Tanznummern. Sehr angetan war das Publikum von der Hansi-Hinterseer-Parodie der Dance Company, der Alpenzwerge-Show der Brenneter Dorfhäxe sowie dem Tanz der Öflinger Feuerwehrleute.

"Kommandantin" Barbara Huber nahm nach dem Auftritt Dank und Anerkennung für das 20. Jubiläum als Trainerin der Truppe entgegen. Bestätigt wurde wieder einmal, dass sich rheinischer Karneval und alemannische Fasnacht bestens in Einklang bringen lassen. Fake News seien keine moderne Erfindung, sondern kämen schon in den Märchen der Gebrüder Grimm vor, erklärte Büttenrednerin Petra Thiesen. Gewandt in Reim und Metrum klärte sie darüber auf, dass der böse Wolf bei Rotkäppchen nur als Sündenbock für lüsterne Jägersmänner herhalten muss. Und wo kommen denn eigentlich die Schneeflocken her? Thiesen weiß: Geschüttelte Kissen – ja! Es handelt sich allerdings um die Bettwäsche eines etwas zweifelhaften Etablissements – mit Frau Holle als Puffmutter.

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