Windräder erregen Widerwillen

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Mi, 13. September 2017

Wieden

Wieden wird sich dem Bau von Windrädern an der Grenze zum Münstertal nicht anschließen / Knappe Abstimmung im Gemeinderat.

WIEDEN. Der Gemeinderat Wieden stimmte am Montagabend gegen den Bau von Windrädern auf eigener Gemarkung am Hörnle. Dem Beschlussvorschlag, sich dem Windradprojekt Hörnle anzuschließen, falls dort auf Gemarkung Münstertal eine Windkraftanlage erstellt wird, stimmten vier Räte nicht zu, zwei waren dafür, einer enthielt sich. Zuvor gab jedes Ratsmitglied eine ausführliche Stellungnahme ab.

Die Debatte: Gemeinderat Thomas Walleser hatte eine ausführliche Stellungnahme verfasst und präsentierte Zahlen von Studien, die gegen die Leistungsfähigkeit von Windrädern sprächen. Windkraft sei der falsche Weg, da die für diese Technologie gesetzten Erwartungen in keinster Weiser erfüllt würden, so Walleser. Er nannte negative Aspekte wie hörbarer Schall, ungewisse Auswirkungen von Infraschall und die Auswirkungen auf die Gemeinde Wieden wie das Landschaftsbild, welches nicht ausgeglichen werden könne. Er befürchte einen Rückgang der Übernachtungszahlen, und auch die Natur sei gefährdet. Walleser schlug vor, auch den Bau der Windräder auf der Gemarkung Münstertal zu verhindern.

Für Gemeinderat Martin Klingele seien es vor allem emotionale Gesichtspunkte, die dagegen sprächen: Ein Windrad höher als der Stuttgarter Fernsehturm zerstöre das Landschaftsbild. Und das sei einer der wichtigsten Punkte gewesen in den erfolgreichen Wettbewerben der Gemeinde Wieden auf Landes- und Bundesebene. Auch das Auerwild-Vorkommen werde gefährdet. Windräder seien nicht mit dem Wiedener Naturschutzgebiet oder dem Biosphären-Reservat vereinbar. Auch den Tourismus sprach Klingele an: "Wenn Gäste wegbleiben, ist das ein großer Schlag für die Gemeinde". Mit 500 Metern Abstand zwischen Windrad und Häusern läge in Wieden jedes Haus in direktem Umfeld. "Ich glaube, dass wenn wir konsequent Nein sagen, es eine große Chance gibt, dass der ganze Windpark gar nicht erst gebaut wird", so Klingele.

Bürgermeisterin Annette Franz sah das anders und stimmte dafür, dass die Gemeinde ein Windrad dazustelle, wenn die Münstertäler sowieso schon welche an die Gemarkungsgrenze bauten.

Felix Schwörer hätte es gut gefunden, wenn die Wiedener Entscheidung erst nach der von Münstertal in zwei Wochen gefallen wäre. "Jetzt besteht die Gefahr, dass wir die Windräder vorm Haus haben, aber wir nichts davon haben", so Schwörer. Er sei nicht grundsätzlich dagegen und enthielt sich.

Michael Fischer steht nach eigenen Worten hinter Atomkraft und sagte, ein Energiemix sei der richtige Weg. Seiner Meinung nach kommen die Münstertäler Windräder auf jeden Fall, und die Gemeinde Wieden könne nichts dagegen machen. So mache es für ihn mehr Sinn ein drittes Rad dazuzustellen; er stimmte für den Bau auf eigener Gemarkung.

Gemeinderat Hubert Behringer plädierte dafür, Regionen mit absoluter Ruhe zu schaffen. "Im Biosphärengebiet hat ein Windrad nichts zu suchen, " so Behringer. Ratskollege Markus Schelb sagte, dass ein Windrad dort nicht rentabel sei. Generell sei er nicht gegen Windkraft, jedoch gegen das aktuelle Vorgehen.

Abstimmung: "Das ist ein emotionales Thema und wirklich nicht einfach", fasste Bürgermeisterin Annette Franz die Wortmeldungen zusammen. Sie sei überzeugt, dass der Münstertäler Windpark am Hörnle kommen werde. Walleser betonte jedoch, dass noch das Genehmigungsverfahren laufe – "wir haben ein Klagerecht und können es noch verhindern", sagte er. Er stellte den Antrag, Kosten für einen Rechtsbeistand in den Haushalt zu stellen. Es gebe viele Faktoren, die diesen Windpark noch ausschließen könnten, stand ihm Gemeinderat Klingele bei.