Gleichberechtigung

Indischer Prinz will im Palast Zentrum für Homosexuelle gründen

Willi Germund

Von Willi Germund

Mo, 15. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Panorama

Weil nicht mit Nachkommen rechnet, plant der schwule indische Prinz Manvendra Singh Gohil, seinen Palast in ein Zentrum für LGBT-Menschen zu verwandeln. Für viele Inder ist das ein Affront.

Auf offiziellen Fotos ist Manvendra Singh Gohil meist in der farbenprächtigen Tradition seiner seit mehr als 600 Jahren in Rajpipla ansässigen Maharadscha-Vorfahren zu sehen. Die Öffentlichkeit kennt den 52-jährigen Prinzen und einzigen Sohn eines indischen Adelsgeschlechts aus dem Bundesstaat Gujarat seit 2006 vor allem als "Schwulen Maharadscha". Zum Schrecken seiner Familie outete Manvendra sich damals öffentlich als Homosexueller.

In diesen Tagen entsetzte er die Öffentlichkeit Indiens, einem Land, in dem gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr unter Strafe steht, mit einer neuen Ankündigung: "Ich werde mein Schloss samt dem 60 000 Quadratmeter großen Gelände in ein Zentrum für LGBT-Leute (Abkürzung für lesbisch, homosexuell, bisexuell und transgender) verwandeln", sagte er laut Medienberichten. Die Begründung lieferte Indiens erster Prinz, der sich als Homosexueller outete, gleich mit: "Ich werde keine Kinder haben." Dabei hatte der Maharadscha-Spross vor einigen Jahren noch mit der Idee geliebäugelt, ein Kind zu adoptieren. Stattdessen tritt er heute in aller Welt als Botschafter für die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten an. So eröffnete er einen Gay-Pride-Umzug in London. Am wichtigsten aber erwies sich ein Auftritt in der Oprah Winfrey Show in den USA, der auch in Indien gesehen wurde. "Danach änderte sich alles", sagt Manvendra.

Der von ihm mit drei Freunden geführte Lakshiya Trust, der auch das LGBT-Center Hanumanteshwar am Ufer des Narmada-Flusses betreiben wird, konnte sich vor Interesse kaum noch retten. "Ich will den betroffenen Leuten eine Heimat geben", begründet der schwule Maharadscha-Sprössling auf seiner Homepage die Einrichtung des Centers. Denn viele Leute stünden ökonomisch vor dem Nichts, nachdem sie sich öffentlich zu erkennen gegeben hätten, sagte er.

Prinz Manvendra weiß, wovon er spricht. Nachdem er sich vor elf Jahren ausgerechnet in einer lokalen Tageszeitung hindunationalistischer Prägung geoutet hatte, folgte nicht nur ein weltweiter Wirbel. Die eigene Mutter schaltete in Gujarat Anzeigen in den Tageszeitungen, in denen sie öffentlich die Enterbung des Sohnes verkündete. Der Prinz wehrte sich und verhinderte das Vorhaben.

"Auslöser meines Outings waren Pläne, mich in eine zweite Ehe zu drängen", erzählte Manvendra einmal. Dabei geriet schon die erste Heirat im Jahr 1991 zum Desaster. Der Prinz trennte sich nach einem Jahr. "Laut den Erhebungen des Lakshiya Trust leben 75 Prozent aller homosexuellen Männer in einer Ehe, um den Schein zu wahren", sagt der Prinz. "Vielen Ehefrauen ist es sogar ganz recht, dass ihre Männer zu anderen Männern gehen. Auf diese Weise kann bei der Untreue wenigsten kein Kind entstehen."

Die Verfolgung Homosexueller geht auf die britischen Kolonialherren zurück, die Indien ein puritanisches Dogma aufzwangen, das heute ausgerechnet von den Hindunationalisten mit großem Aufwand verteidigt wird. Dabei werden in hinduistischen Traditionen "Hijras" – unter dem Oberbegriff können von Eunuchen bis zu Zwittern alle Menschen mit zweideutiger Sexualität fallen – verehrt. Der öffentliche Umgang mit ihnen ist heute weniger offen. Der schwule Prinz von Rajpipla hat sich eine Menge vorgenommen.