Freiburger Freibad

Initiative gegen männliche Bademeister im Loretto-Damenbad

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 14. Juni 2018 um 08:29 Uhr

Freiburg

Eine Initiative will darum kämpfen, dass keine männlichen Bademeister regulär Dienst im Freiburger Loretto-Damenbad tun. Die Regio Bäder GmbH will aber an den Männern im Bad festhalten.

Eine Initiative will darum kämpfen, dass keine männlichen Bademeister regulär Dienst im Loretto-Damenbad tun. Um für ihr Anliegen zu werben, verkaufen sie jetzt Badetücher, die Flüchtlingsfrauen mit dem Schriftzug "Lollo für alle Frauen" bemalt haben. Vor gut einem Monat startete das Lorettobad in die zweite Saison, in der männliche Bademeister nicht mehr nur in Ausnahmefällen einspringen. Die Regio Bäder GmbH will daran nicht rütteln.

Die Badbetreiberin hatte neue Regeln eingeführt, nachdem die Lage im Damenbad eskaliert war. Es gab Zoff zwischen elsässischen Muslima und alteingesessenen Schwimmerinnen, die Polizei rückte an. Die Neuerung, verstärkt männliche Bademeister einzusetzen, ging einher mit Personalmangel. Eine Onlinepetition gegen Männer am Beckenrand war mit nur 432 Unterschriften aus Freiburg ein Schlag ins Wasser. Das Lollo verbuchte letzte Saison als einziges Freiburger Freibad ein Minus von 4000 Eintritten.

Männliche Bademänner schrecken weibliche Badegäste ab

Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß. Frauen kämen nicht mehr, weil sie religiöse Gründe, Erfahrung mit sexueller Gewalt oder Probleme mit ihrem Körper haben, meint Annette Joggerst von der Beratungsstelle Pro Familia. Sie leitet ein interkulturelles Netzwerkprojekt, das Unterstützer von der Beratungsstelle Frauenzimmer bis zum katholischen Verband In Via hat, und eine Solidaritätsaktion startet: Um ihre Botschaft zu verbreiten, sollen 200 Badetücher für je sieben bis zehn Euro verkauft werden, zum Beispiel am 23. Juni beim CSD auf dem Stühlinger Kirchplatz und 30. Juni beim "Stattfest". Die Aktion gehört zu einem Beteiligungsprojekt, das die Baden-Württemberg-Stiftung mit 12 900 Euro finanziert. Generell bräuchten auch andere Bäder reine Frauenbadezeiten, findet Joggerst. Wie diese Saison im Lollo läuft, kann sie noch nicht sagen: "Es ist noch leer und Ramadan."

"Die Besucherinnen können sich telefonisch über den Einsatz von männlichen Kollegen informieren, bevor sie sich auf den Weg ins Bad machen." René Derjung, Betreiberin Lorettobad
Auch der Förderverein "Freunde des Lorettobades" findet, dass alle Frauen das Lollo besuchen können sollen, sagt der Vorsitzende Klaus Winkler. "Sie sollen sich bloß an die Regeln halten." Es habe immer männliches Personal gegeben. Der Verein habe noch keine Antwort von der Botschaft der Saudis,die sie 2017 baten, den Bau eines Damenbades im Elsass mitzufinanzieren. Er hoffe nun, dass ein Schwimmbad, das mit einem neuen muslimischen Zentrum im Mulhouse gebaut wird, einen Frauenbadetag einrichtet – "und das den Druck etwas nimmt".



Bisher stellt die Bäder GmbH eine entspannte Atmosphäre im Lorettobad fest: "Wir haben keine besonderen Vorfälle zu verzeichnen", sagt René Derjung. Diese Saison hat die Betreiberin keine Personalnot und will vermehrt Frauen im Damenbad einsetzen. In den ersten Wochen wachten auch schon Männer am Becken. Den Einsatz von Bademeistern will die Bäder GmbH auch für die Zukunft nicht ausschließen. "Die Besucherinnen können sich telefonisch über den Einsatz von männlichen Kollegen informieren, bevor sie sich auf den Weg ins Bad machen."

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