Ins Grüne soll nicht gebaut werden

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Mi, 22. August 2018

Maulburg

Maulburgs Gemeinderat diskutiert über Baupläne an der Köchlinstraße / Bahnunterführung und Märzengärten als Hindernis.

MAULBURG. Dass am Bahnübergang Köchlinstraße einst Überlegungen für eine Unterführung angestellt wurden, daran mag sich höchstens der eine oder andere ältere Maulburger noch erinnern. Im Gemeinderat war das im Flächennutzungsplan Ende der 1980er-Jahre fixierte Projekt am Montag indes Thema, als es um Erweiterungspläne für ein Wohnhaus in der Köchlinstraße ging. Die Gemeinde erteilte ihr gemeindliches Einvernehmen am Ende nicht, zumal der Bau das innerörtliche Grüngebiet Märzengärten berühren würde.

Nun hat das Landratsamt als übergeordnete Baurechtsbehörde das letzte Wort. Selten einmal entspannen sich um private Bauprojekte so angeregte Debatten, wie am Montag um die von einem an der Köchlinstraße lebenden Ehepaar nach zweijähriger Vorarbeit gestellte formelle Bauvoranfrage für einen zweigeschossigen Anbau an das bestehende Wohnhaus. Der neu entstehende Wohnraum soll über eine Diele sowie einen gemeinsamen Technikbereich mit dem Altbau verbunden werden. Das Ehepaar machte deutlich, dass der Wohnraum dem erwachsenen Nachwuchs zugutekomme – die Familie muss in wenigen Monaten aus der bislang genutzten Wohnung raus. "Seit drei Jahren nun schon suchten die Kinder nach einem neuen Zuhause und finden nichts."

Die Gemeinde indes hat mit dem Vorhaben gleich in zweifacher Hinsicht Probleme, wie Bauamtsleiterin Sandra Fluri deutlich machte. Zum einen, so Fluri, befinde sich der geplante Anbau im Außenbereich – tangiert seien die wichtige innerörtlichen Grünflächen Märzengärten. Im sogenannten Außenbereich ist nur privilegiertes Bauen, etwa von landwirtschaftlichen Gebäuden, möglich. Zum anderen, so Fluri, sei ein Teil der Fläche im Flächennutzungsplan als nicht bebaubar ausgewiesen, weil dort die Strecke der in den 1980er-Jahren mal angedachten Bahnunterführung verläuft.

Im Gemeinderat entspann sich über das Thema eine angeregte Debatte. Das Ehepaar wies darauf hin, dass die Überlegungen für die Bahnunterführung an der Köchlinstraße nie konkretisiert worden seien. Bei den Planungen für den Anbau habe man die entsprechende Vorgabe des Flächennutzungsplans trotzdem berücksichtigt. Und das Thema Außenbereich als Argument gegen den Anbau halte man für nicht nachvollziehbar. Schließlich sei ein breiter Streifen entlang der Köchlinstraße bereits mit Gartenhütten bebaut, auch werde in direkter Nachbarschaft ein größeres Stück vom benachbarten Autohändler zum Abstellen von Gebrauchtfahrzeugen genutzt.

Tatsächlich, so bestätigte Bürgermeister Jürgen Multner, seien die Unterführungs-Überlegungen für die Köchlinstraße nicht mehr aktuell. Sinnvoller sei ein solches Projekt wahrscheinlich eher am Bahnübergang in der Hermann-Burte-Straße. Gleichwohl könne man als Gemeinde über die rechtliche Bindung im Flächennutzungsplan nicht einfach hinweggehen. Wesentlicher sei, so Multner, dass der Anbau in eine "wichtige innerörtliche Grünfläche von lokaler Bedeutung" hineinragen würde.

Bestätigt sah sich Multner durch die Ausführungen der Bauamtsleiterin, die sich sorgte, dass es bei einem positiven Bescheid womöglich zu einer Flut von Bauanträgen in den Märzengärten kommen könnte. Eine vor einiger Zeit bei einem anderen Bauvorhaben erteilte Ausnahmegenehmigung habe sich lediglich auf eine Fläche von etwas mehr als 40 Quadratmetern bezogen.

Unterstützung erhielt das Ehepaar von Kurt Greiner (Freie Wähler). Er empfand das Projekt "als nicht ortsbildschädlich" und stimmte am Ende auch als Einziger gegen den Verwaltungsvorschlag, nach dem das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt wird. Zahlreiche Enthaltungen zeigten aber an, dass sich auch weitere Mitglieder der Ratsrunde durchaus nicht sicher sind, wie das Projekt rechtlich zu würdigen ist. "Schlussendlich wird das Landratsamt entscheiden müssen", erklärte Bürgermeister Multner.