Invasive Tierarten sorgen für Kopfzerbrechen

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Mi, 12. September 2018

Lahr

Auf Tierheime kommen zu den Fundtieren weitere Aufgaben zu.

LAHR (dü). Über die Fundtierpauschale sind Lahr, Ettenheim, Friesenheim, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Meißenheim, Ringsheim, Rust, Schuttertal, Schwanau sowie Seelbach Vertragspartner des Tierheims Lahr. Ende vergangenen Jahres war diese Pauschale für 2018 auf 1,50 Euro pro Einwohner und Jahr angehoben worden. Damals bereits war klar, dass die neue EU-Verordnung über die "Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten" das Tierheim vor ganz neue Herausforderungen stellen wird.

Im Jahr 2015 in Kraft getreten, verpflichtet diese Verordnung die Tierheime, klar definierte Tierarten aufzunehmen, die hierzulande nicht heimisch sind. Im Gegensatz zu den heimischen Fundtieren gehen sie aber nicht ins Eigentum der Heime über, sprich: sie dürfen nicht weiter vermittelt werden. Konkret bedeutet das, dass die Heime diese Tiere bis an deren Lebensende versorgen müssen. Mehr noch: Sie haben dafür Sorgen zu tragen, dass sie nicht ausbrechen können, weswegen bei Bedarf spezielle Unterbringungsmöglichkeiten gebaut werden müssen. Diese veränderte Gesetzeslage muss das Tierheim durch neue Verträge mit den einzelnen Vertragsgemeinden rechtlich absichern. Vor diesem Hintergrund war die Pauschale angehoben worden. Ob sie ausreicht, kann derzeit niemand sagen. Im vergangenen Jahr waren laut Martin Spirgatis, dem Vorsitzenden des Lahrer Tierschutzvereins, der das Tierheim betreut, etwa zwei Dutzend Exemplare invasiver Arten abgegeben worden. Sollte das Tierheim aus finanziellen Gründen in die Knie gehen, dann müssten die Gemeinden für Unterbringung und Unterhalt dieser Tiere sorgen. Deren Vorkommen in Deutschland hat in jüngster Zeit zugenommen, hat Spirgatis beobachtet. "Das Problem verschärft sich und wir werden so das Sammelbecken für aufgegebene Privathaltungen exotischer Tiere." Ausgesetzte Rot- und Gelbwangen-Schildkröten etwa verdrängen in freier Natur europäische Sumpfschildkröten. "Vergangene Woche sind drei neue Schildkröten bei uns abgegeben worden." Weil invasive Arten als Wildtiere gelten, könnten sie nicht als Eigentum erworben werden. Eine Tötung verbiete das Tierschutzgesetz. Spirgatis spricht allerdings von einer hohen Fluktuationsrate. Mit anderen Worten: Manche Tiere sind so schwach oder krank, dass sie nach kurzem Aufenthalt im Tierheim sterben.