Das Inzlinger Schmuckstück

Johanna Hoegg

Von Johanna Hoegg

Mo, 04. Juni 2018

Inzlingen

Ein Tag der offenen Tür erinnerte am Sonntag an die Renovierung des Wasserschlosses vor 40 Jahren.

INZLINGEN. Vor 40 Jahren wurde die Renovierung des Wasserschlosses mit einem Festakt gefeiert. Das nahm die Gemeinde am Sonntag zum Anlass, mit dem Schlossverein einen Tag der offenen Tür zu veranstalten. Die Vorstandsmitglieder verteilten sich in den verschiedenen Räumen, um Fragen zur Geschichte des historischen Bauwerks zu beantworten. Erst tröpfelten die Besucher herein, dann aber kamen sie in Gruppen und Familienverbänden und sahen sich teilweise sehr genau um.

Sie ließen sich beeindrucken von Einzelheiten, studierten Wandbilder und Stuckaturen. Sie ließen sich den feinen französischen Ofen aus dem 17. Jahrhundert näher beschreiben, der im Ritterzimmer als Kostbarkeit steht. In diesem stimmungsvoll-vornehmen Ambiente geben sich Jahr für Jahr viele Paare Ja-Wort. Sogar das herzförmige Samtkissen für die Trauringe lag auf dem Tisch.

Im Bürgersaal, der für freudige Anlässe wie geschaffen scheint, waren zwei festlich gedeckte Tische arrangiert, damit die Phantasie sich eigene Festlichkeiten ausmalen konnte. Dort oben saß auch Altbürgermeister Erich Hildebrand und zeigte Dias von der Renovierung. Staunenswert, wie aus dem einstmals sehr maroden Inneren des ehrwürdigen Gemäuers aus dem 16. Jahrhundert ein Schmuckstück werden konnte, das seinesgleichen sucht. Die Gemeinde hatte es von der Familie Saner für 800 000 Mark gekauft. Die Renovierung kostete einschließlich der Außenanlagen 2,7 Millionen Mark.

Während im Nepomukzimmer im Erdgeschoss noch eine private Festgesellschaft tafelte, waren die Plätze im Garten des Restaurants noch oder schon wieder mit Gästen besetzt, die die Schattenplätze an diesem heißen Nachmittag sehr genossen. Die Restaurant-Pächterfamilie Beha war aufmerksamer Gastgeber wie seit 40 Jahren. Nebenan auf der Schlosswiese hatte die Freiwillige Feuerwehr Sitzgarnituren aufgestellt und sorgte für erfrischende Getränke. Der Musikverein unter Leitung von Richard Dobkowski hatte sich in den Schatten zurückgezogen, heizte aber den immer zahlreicher werdenden Zuhörern mit kräftigem Sound ganz schön ein und bekam begeisterten Beifall.

Es wurde ein kleines, feines Inzlinger Fest, denn die Mehrzahl der Besucher stammte aus dem Ort. Man traf sich und schaute alte Fotografien und malerische Darstellungen von Dorf-Motiven in den Gängen des Rathauses an. Wer nicht oft im (Prunk-)Zimmer des Bürgermeisters vorspricht, kannte vielleicht noch nicht die Foto-"Ahnengalerie" der Ehrenbürger Deisler, Stiefvater, Braun und Hildebrand. Spannend war auch der Gang ins gemütlich anmutende Turmzimmer des runden Schlossturms, wo das ehemalige Gefängnis untergebracht war. Das gefiel natürlich den Kleinen, die sich auch dafür interessierten, "wo die Leute früher aufs Klo gegangen sind".

Bürgermeister Marco Muchenberger, sichtlich entspannt nach dem Urlaub, freute sich über das rege Interesse der Bürger, aber auch über alle Auswärtigen, von denen viele Schweizer Dialekt hören ließen.

Die Schlossvereinsmitglieder legten bei ihren Erläuterungen Wert auf die dezente Werbung um jüngere Mitglieder. Denn zum Erhalt des wertvollen Kulturdenkmals braucht es viele Helfer.