Protest im Dorf

Die Volksbank schließt ihre Filiale in Inzlingen

Johanna Högg und Peter Gerigk

Von Johanna Hoegg & Peter Gerigk

Di, 21. August 2018 um 20:05 Uhr

Inzlingen

Die Volksbank Dreiländereck schließt zum 31. Oktober ihre Filiale in Inzlingen. Im Dorf regt sich dagegen Widerstand, die Empörung über das Vorgehen ist groß.

Die Volksbank Dreiländereck schließt zum 31. Oktober ihre Filiale in Inzlingen, erfuhren Kunden und Mitglieder der Genossenschaftsbank in einem Brief. Die Gemeinde wurde vergangene Woche telefonisch unterrichtet. Bürgermeister Marco Muchenberger formulierte deutlich sein Missfallen und Unverständnis über diese Entscheidung in einem Brief an den Vorstand, bevor er in den Urlaub ging. Sein Stellvertreter Hanspeter Bachthaler ist sauer: "Solch eine Bombe in den Ferien loszulassen – man könnte fast Absicht vermuten. Ich finde es gut, wenn sich Widerstand formiert."

Viel Kritik an der Entscheidung

Empörung äußern sich Inzlinger wegen des Verlusts des Glieds im Netz der Infrastruktur. Dies wecke Zweifel an der Verantwortung der Genossenschaftsbank gegenüber ihren Mitgliedern, meint Altbürgermeister Erich Hildebrand: "Ich bin maßlos enttäuscht. Mehr als 20 Inzlinger gehören zur Vertreterversammlung. Mit ihnen ist im Vorfeld nie gesprochen worden. Solch eine Entscheidung mit der Brechstange ist mir unverständlich."

Mehr als zwei Drittel der Inzlinger – um die 1600 – sollen Kunden der Volksbank sein. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der über drei Jahrzehnte dort arbeitete, wertet die Entscheidung als Vertrauensmissbrauch – das habe er dem Aufsichtsratsvorsitzenden Eugen Katzenstein geschrieben. Dass auf dem hinteren Teil des Grundstücks vor wenigen Jahren eine Wohnbebauung angedacht war, lasse auf starke finanzielle Interessen schließen.

Die Bäckerei Kunzelmann nutzt im Untergeschoss des Volksbankgebäudes die alte Kühlanlage der früheren Raiffeisenkasse. Günter und Thomas Kunzelmann wissen offiziell nichts von der Schließung, sagten sie der BZ. Karl-Heinz Bär von der Metzgerei ist empört: Damit werde ein wichtiger Magnet für das dortige kleine Geschäftszentrum entfernt. "Wenigstens Automaten sollten sie aufstellen." Schwierig dürfte es vor allem für Ältere ohne PC-Kenntnisse werden, wie Kunde Willi Alnach der Volksbank schrieb: Zur Filiale in Grenzach-Wyhlen, die ihn künftig betreuen soll, gebe es keine Busverbindung. Alexander Braun, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands, hält eine Schließung für "inakzeptabel". Die SPD-Gemeinderatsfraktion bedauert die Schließung sehr, teilt Urs Westermann mit. Dies in der Sommerpause zu beschließen, "halten wir für absolut unangemessen und verurteilen dies aufs Schärfste". Für die SPD-Fraktion bestehe mit einem Volksbankvertreter im Gemeinderat Diskussionsbedarf, etwa einen SB-Automaten.

Geschäfte wollen Unterschriftenlisten gegen die Schließung auslegen. Christiane Strasen im Flora-Shop begann damit am Dienstag. Dies hatte Eva Baader angeregt. Sie bat den Gemeinderat, bald eine Bürgerversammlung mit Vorstandsmitgliedern der Volksbank zu veranstalten.

Heck wirbt um Verständnis

Verständnis für die Reaktionen äußert Günther Heck, Vorsitzender des Vorstands der Volksbank Dreiländereck, gegenüber der BZ: "Es war uns klar, dass keine helle Freude ausgelöst wird." Ihm sei bewusst, dass die Filiale auch für Kunden, die sie selten in Anspruch nehmen, wichtig ist. Er könne auch das Schreiben Muchenbergers "vollkommen verstehen" – als Bürgermeister würde er auch so handeln. Heck betont jedoch, er sei für die Gesamtgenossenschaft verantwortlich. In dieser Position bliebe dem Vorstand keine andere Wahl als die Schließung.

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", wirbt er seinerseits für Verständnis dafür. Die Kundenfrequenz – auch an den Automaten – lasse den weiteren Betrieb aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht zu. Bei der Entscheidung gehe es dem Vorstand nicht um Gewinnmaximierung, er habe das Thema sogar aufgeschoben. Der Umbau der Filiale Ende 2013, als die Möblierung und Beraterzimmer erneuert wurden, war laut Heck "auch der Hoffnung geschuldet, sich gegen den Trend stemmen zu können". Die Investition sei notwendig gewesen, denn die Filiale sei nicht mehr zeitgemäß gewesen. Auch Personalabbau sei nicht die Intension, die drei Mitarbeiter würden in anderen Filialen weiterbeschäftigt. Das Gebäude werde verkauft, laut Heck gibt es noch keine Interessenten dafür.