"Klischees, mit denen ich spielen kann"

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Fr, 22. Juni 2018

Inzlingen

BZ-INTERVIEW mit Hansjürgen Wäldele zum musikalischen "Kriminalptraum", der am Sonntag in Inzlingen aufgeführt wird.

INZLINGEN. Krimi und Musik – diese ungewöhnliche Verbindung erwartet das Publikum am Sonntag in Inzlingen. "Radlos: Ein Kriminalptraum für fünf Bläser und einen Schauspieler" heißt die Veranstaltung im Wasserschloss. Sabine Ehrentreich sprach mit Hansjürgen Wäldele, der das Stück geschrieben hat und auch als Sprecher fungiert.

BZ: Wie kam es zu dieser nicht alltäglichen Verbindung von Krimi und Musik?

Wäldele: Es ist eine Weile her, dass ich das geschrieben habe. Ich leitete ein Jugendbläserensemble in Basel. Mit denen wollte ich ein Projekt machen, das für die jungen Leute attraktiv ist. Ich habe eine Geschichte geschrieben und dazu die Musik gemacht. Ein Schauspieler hat den Text gesprochen. Diese Fassung habe ich später bearbeitet, erstmal für Bläseroktett, die endgültige Fassung ist für Bläserquintett. Ein paarmal haben wir das mit meinem eigenen Quintett gespielt, das damals noch rege tätig war. Inzwischen habe auch mehrmals als Kommissar selbst gesprochen. Die Musiker sind ein bestehendes Ensemble, das auch regelmäßig in Inzlingen spielt. Der Auftritt ist für die Musiker sozusagen ein Heimspiel.

BZ: Krimis boomen – profitiert davon auch diese Veranstaltung?

Wäldele: Ich habe verschiedene Geschichten dieser Art geschrieben, auch eine Art Gruselgeschichte und ein Märchen über Blasinstrumente, "Windkind", eine Art Propagandamusik für Blasinstrumente. Krimi ist natürlich zeitlos, das war schon immer ein Renner. Man muss einen Stoff nehmen, der Klischees abruft, die in den Hinterköpfen stecken und mit denen man spielen kann. Die Spielwiese des Komponisten ist die Hörerwartung des Hörers. Deswegen bin ich auf ein populäres Genre gestoßen, bei dem man genug Material zum Spielen hat.

BZ: "Radlos" heißt das Stück – das ist kein Schreibfehler ...

Wäldele: Richtig. Es hat mit Rädern zu tun. Viele Autos in der Stadt stehen radlos da – und der Kommissar ist dann natürlich ratlos. Die Idee ist, dass man im ersten Moment verwirrt ist, das aber im Lauf der Geschichte versteht. Das gilt auch für den "Kriminalptraum" – auch diese Phrasenverschränkung ist natürlich Absicht.

BZ: Wie sehr bezieht sich die Musik auf den Inhalt der Geschichte?

Wäldele: Die Musik ist immer auf die Handlung bezogen – ähnlich wie bei der Krimimusik der 1950er und -60er Jahre. Es sind ein paar jazzige Elemente drin. Auch die Musik spielt in erster Linie mit Klischees. Die werden nicht eins zu eins übernommen, ich spiele ein bisschen damit, weil sie auch für den Hörer klar sind und Assoziationen wachrufen. Die Geschichte läuft, und immer wieder kommt die Musik, die illustriert. Das arbeitet sich auf das überraschende Ende zu, das auch direkt mit der Musik zu tun hat.

BZ: Muss man sich fürchten oder ist das Ganze familientauglich?

Wäldele: Es ist familientauglich und völlig gewaltfrei. Das ganze Stück ist ein bisschen schräg und kurios. Das ist für Kinder sicher nicht im Detail verständlich, aber die haben trotzdem Spaß an der Handlung. Sie kriegen mit, worum es geht, auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen.

Hansjürgen Wäldele, geboren 1960 in Weil am Rhein, lebt als freischaffender Musiker und Komponist in Inzlingen. Er studierte Oboe und Komposition.

Termin: "Radlos: Ein Kriminalptraum für fünf Bläser und einen Schauspieler" mit Werken von Rossini und Brod. Sonntag, 24. Juni, 17 Uhr im Inzlinger Wasserschloss. Sprecher: Hansjürgen Wäldele. Es musizieren Jörg Moldenhauer (Flöte), Christoph Zwahlen (Klarinette). Simon Fische (Horn), Barbara Nüesch (Fagott) und Raphael Ilg (Oboe). Eintritt für Kinder und Jugendliche frei, Erwachsene 15 Euro.