Protest gegen Bauprojekt

Johanna Hoegg

Von Johanna Hoegg

Do, 12. Juli 2018

Inzlingen

Ehepaar beschwert sich im Inzlinger Gemeinderat lautstark über geplantes Mehrfamilienhaus.

INZLINGEN. Einen ungewöhnlichen Auftritt erlebt haben Gemeinderäte und einige Zuhörer in der Sitzung am Dienstag im Bürgersaal. In der Fragestunde erkundigte sich ein Einwohner in unhöflicher Weise nach dem Stand der Dinge zum Baugesuch eines Mehrfamilienhauses im Erstelweg 7. Bürgermeister Marco Muchenberger beruhigte ihn mit dem Hinweis, dass das Gesuch zur Abstimmung stehe.

Muchenberger erläuterte ausführlich die Vorgeschichte des Gesuchs und die Änderungen zugunsten eines weniger massiven Baukörpers. Er erklärte, dass sich das geplante Wohnhaus mit drei Geschossen plus Dachgeschoss nach den gesetzlichen Bestimmungen "in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt", wie der Fachbereich Recht/Stiftungen/Baurecht der Stadt Lörrach konstatiert hatte. Fünf Einsprüche waren eingegangen. Der Fachbereich sieht im Projekt "keine städtebaulichen Spannungen begründet".

Nach dem Abbruch des Einfamilienhauses mit Schuppen soll ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und neun Garagenstellplätzen entstehen, davon einige in Doppelstock-Belegung. Bauherr ist eine Lörracher Immobilienfirma.

Der Fragesteller empörte sich laut über die vom Bauamt gelieferte Begründung. Er wartete mit der Unterstellung auf: "Wer weiß, was da an Geld geflossen ist." Bürgermeister Muchenberger wies das energisch als haltlos zurück. Bernhard Neth-Schell: "Das ist kein Niveau." Daraufhin protestierte die Ehefrau des Fragestellers lautstark. "Verlogenes Volk", rief sie in den Saal und verließ ihn.

Gemeinderat Thilo Glatzel (SPD) sagte, es störe ihm, dass das Gebäude "für eine bestimmte Zielgruppe ausgelegt" sei. Er habe Bauchschmerzen bei der Genehmigung, akzeptiere aber die rechtlichen Gegebenheiten. Verkehrsprobleme seien an dieser Stelle abzusehen, weshalb er anregte, sich möglichst bald mit einer neuen Stellplatzsatzung zu befassen. Michael Kramer (CDU) wies auf den Spagat zwischen Wunsch und rechtlich Machbarem hin: Das Gremium habe im Vorfeld das Maximum herausholen können, orientiert am baurechtlich gegebenen Rahmen. "Schade, dass das so eskaliert ist", sagte Vicky Braun-Cukor (CDU). "Ich bin sehr enttäuscht worden", zog Muchenberger sein Fazit zu dem Auftritt. Der Rechtsweg stehe jedem offen.