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14. Februar 2012

"Islam kennt keinen Hass"

Großes Interesse am Besuch in der Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins.

LAHR. "La ilaha illa llah, Muhammadun rasulu llah" – "Es gibt keinen Gott außer Allah" – heißt es in einer Art Sprechgesang, der manchem Besucher fremdartig in den Ohren klingt. Die Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins hat ungewöhnlichen Besuch. Das Interesse ist groß. Rund 15 Gäste waren angekündigt, mehr als doppelt so viele sind gekommen. Sie alle wollen mehr über den Islam erfahren. Es ist ein Begegnungsabend im Rahmen von "Zu Gast bei Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Lahr".

Keine andere Weltreligion hat in der Vergangenheit mehr von sich reden gemacht als der Islam. Unsicherheit macht sich breit. Was verbirgt sich hinter dem Koran? Toleranz, wie die einen sagen, oder Intoleranz, ja sogar der Heilige Krieg, wie die anderen fürchten? "Der Islam kennt keinen Hass", betont der Imam.

"Es ist uns eine Ehre", begrüßt Tugay Kara, stellvertretender Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, die Gäste und er gibt sehr deutlich zu verstehen, dass ihm und den anderen Muslimen das friedliche Miteinander ganz wichtig sei. "Mit Offenheit und der erforderlichen Information" könne der Dialog gelingen und die Scheu vor dem Fremden überwunden werden. In diesem Moment kommt der Ruf zum Abendgebet. Imam Ali Riza Bozay hat die Erlaubnis gegeben, dass alle ins Allerheiligste dürfen. Dorthin, wo es Frauen eigentlich untersagt ist. "Sie haben ihren eigenen Gebetsraum", sagt Tugay Kara. Der Grund: "Beim Gebet geht es um den Glauben", so Kara, "der Gläubige soll nicht durch optische Reize abgelenkt werden." Doch heute macht der Imam eine Ausnahme. Einzige Voraussetzung: Auf dem Weg nach oben, müssen die Schuhe unten bleiben, und die Bitte an die Frauen, "wenn möglich, ihre Haare zu bedecken."

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Die Muslime haben ihre rituelle Waschung bereits vollzogen. Und dann geht die Tür auf, der Raum ist mit Orientteppichen ausgelegt. Lüster erhellen den Raum. Imam Ali Riza Bozay steht bereits im Müezzin Mahfili (Gebetsrufergalerie), wo der Ezan (Gebetsruf) zu hören ist. Tugay Kara löst den Imam dort als Müezzin ab. Der Imam nimmt Takke und Gebetsmantel, steuert auf die Mihrab (Gebetsnische) zu. Diese zeigt Richtung Kaaba, und danach verbeugen sich auch die Männer im Gebet.

Die Suren werden in der Originalsprache gelesen

Dort betet Ali Riza Bozay als Hoca das Gebet vor und die Gemeinde nach. Die Suren werden in der Originalsprache Arabisch gelesen, die fast jeder Muslime rezitieren kann, aber dennoch nicht versteht. Die letzte übersetzt der Hoca dann ins Türkische. Knapp 15 Minuten dauert es, und das Ritual ist vorbei.

Das Abendgebet ist das längste der fünf Gebete: Rituale, die für einen Muslim zur täglichen Religionsausübung gehören. "Für die Gebetszeiten gibt es extra Kalender", erklärt Tugay Kara. Der Grund: Die Gebetszeiten richten sich nach dem Stand der Sonne, ändern sich somit tagtäglich und sind ortsgebunden.

Das Gebet (Namaz) ist eine der fünf Säulen des Islam. Neben der Pilgerfahrt (Hac) nach Mekka, dem Fasten (Oruc) und der Fastensteuer (Zekat) gehört Kelime-i Sehadet, das Glaubensbekenntnis, dazu. Und was macht einen Menschen zu einem Muslim? Das Sakrament der Taufe, wie im Christentum, kennt der Islam nicht. "Als Muslim kommt man auf die Welt", sagt Tugay Kara, und Sen Yildiz ergänzt: "Bei der Geburt flüstern wir unseren Kindern ihren Namen und das Sehadet ins Ohr." Alternativ gelte auch das Bekenntnis zur Einheit, Kelime-i Tevhid. Darüber und über viel mehr informiert der Türkisch-Islamische Kulturverein nicht nur am Tag der offenen Moschee, der immer am 3. Oktober stattfindet.

Die Teestube ist Dreh- und Angelpunkt der Begegnung, insbesondere während des Ramadans. Täglich werden dort nach Sonnenuntergang über 100 Muslime verköstigt. Doch nicht nur das leistet der Verein. Neben einer regen Beteiligung am Veranstaltungskalender der Stadt Lahr gibt es unter der Regie der Frauen ein Ferienprogramm.

Der Verein

Der Türkisch-Islamische Kulturverein in Lahr (gegründet 1982) hat über 250 Mitglieder, die jedoch deutlich mehr Muslime repräsentieren. Der Grund: Die Einzelmitgliedschaft steht für die gesamte Familie. Der Verein finanziert sich über Spenden. Er erreicht laut Angabe von Tugay Kara über 1000 Muslime, die die Moschee aufsuchen. Beim Freitagsgebet, für alle Muslime ein Muss, platze die Moschee in der Friedrichstraße aus allen Nähten. Zwischen 250 und 300 Gläubige kämen zum Gebet. Ein Grund, warum der Türkisch-Islamische Kulturverein eine neue Moschee bauen will. Von den geschätzten zwei Millionen Euro Kosten habe der Verein bereits eine halbe Million beisammen, so Tugay Kara. 2018 soll der Bau stehen. Die Moschee soll neben einem großen Gebetsraum, möglicherweise mit einer Galerie für die Frauen, einer Teestube auch über einen Vortragsraum und Büros verfügen.  

Autor: pbs

Autor: Bettina Schaller