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26. Juni 2012 00:04 Uhr
Musri-Wahl
Israel blickt skeptisch nach Ägypten
Die Ägypter haben den Islamisten Mohammed Musri zu ihrem Präsidenten gewählt. Israel hat die Personalie mit Skepsis zur Kenntnis genommen und hat Angst vor bedrohlichen Szenarien.
Sie schlagen Alarm, die Schlagzeilen in Israel zum Wahlsieg von Mohammed Mursi, dem ehemaligen Moslembruder, der nun Präsident in Kairo wird: "Dunkelheit in Ägypten" titelte gar das auflagenstärkste Blatt Yedioth Achronoth. Ganz offiziell bekundete der israelische Premier Benjamin Netanjahu zwar Respekt für den demokratischen Prozess in Israels Nachbarland, dem größten in der arabischen Welt. Man erwarte weiter eine Kooperation mit den ägyptischen Behörden im Geiste des gegenseitigen Friedensabkommens. Aber unter der dünnen Decke höflicher Verlautbarungen überwiegen Skepsis und die Angst vor bedrohlichen Szenarien. Besser, man rechne auch mit dem Schlimmsten, riet Sicherheitsexperte Alex Fishman.
Dass Mursi der iranischen Nachrichtenagentur Fars versicherte, die Beziehungen nach Teheran zugunsten einer "strategischen Balance" in der Region zu verbessern, wird in Israel höchst besorgt registriert. Konservative Jerusalemer Regierungskreise sehen darin die Bestätigung, dass nach dem arabischen Frühling nun der islamische Winter Einzug halte.
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Nicht ganz so schwarz malen besonnenere Vertreter. Erstens sei Mursis Macht begrenzt. Zweitens könne er es sich nicht leisten, die Interessen der ägyptischen Militärs zu ignorieren, die schon wegen der Milliarden schweren US-Finanzhilfen auf ein gutes Verhältnis zu Washington Wert legten. Selbst wenn es einen geheimen Plan geben sollte, das Friedensabkommen von Camp David zu revidieren, so der Haaretz-Analyst Zvi Barel, werde darüber sicher nicht in Bälde diskutiert.
Und Gaza? Dort wird Israel sowohl politisch als auch militärisch vorsichtiger agieren müssen, um es sich nicht mit den Ägyptern zu verderben. Entsprechend bejubelt wurde Mursis Sieg in Gaza-City. "Wir hoffen, dass Ägypten eine führende Rolle übernimmt, dem palästinensischen Volk zu Freiheit zu verhelfen und Gaza zu einem völligen Ende der Belagerung", tönte Hamas-Premier Ismael Hanija.
Autor: Inge Günther



