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06. September 2009 18:46 Uhr

Umstrittene Entscheidung

Ist der Weltrekord im Reifenstapeln geknackt?

Strittige Entscheidung beim Weltrekordversuch im Reifenstapeln in Zell. Laut Notar blieb der Turm 0,33 Sekunden zu kurz stehen. Kein Weltrekord. Doch dagegen wird Protest laut. Jetzt soll die Guiness-Jury in London entscheiden.

  1. Auf der Kippe steht der Weltrekordversuch im Reifenstapeln. Foto: Silke Hartenstein

  2. „Wüstenfloh“ Martina Fichte war glücklich, den Reifenstapel in die Höhe bekommen zu haben. Foto: Silke Hartenstein

  3. O,33 Sekunden zu kurz stand der Reifenstapel wie eine Eins. Foto: Silke Hartenstein

ZELL-MAMBACH. Ob der Reifenstapelweltrekord beim Mambacher Dorfhock geschafft ist oder nicht, muss die Guiness-Weltrekordjury in London entscheiden. Der Besucherandrang beim Mambacher Dorfhock jedenfalls war rekordverdächtig. Rund um die Absperrung aus Bauzäunen drängten sich bei bestem Sommerwetter die Menschen und schauten dem Spektakel zu.

Drei Anläufe machten die Weltrekordhochstapler an diesem Sonntagnachmittag. Beim dritten Durchgang wurde mit einer Gesamthöhe von 6,027 Metern die vorgegebene Mindesthöhe von 6,02 Metern überschritten. Um 16.50 Uhr blieb der Stapel neuer Sommerreifen tatsächlich ganze 2.67 Sekunden ohne jede Stütze frei stehen, dann kippte er um. Das Problem: Er hätte drei Sekunden lang stehen bleiben müssen. Während "Wüstenfloh" Martina Fichte euphorisch jubelte: "Ja, wir haben’s geschafft!", war der Schopfheimer Notar Jörg Klein, der den Vorgang präzise mittels Stoppuhr verfolgt hatte, anderer Meinung – 2,67 Sekunden seien eben keine 3 Sekunden, stellte der Unbestechliche fest. Bis in spätestens sechs Wochen wird man wissen, was die Jury aus London dazu sagt. Um das Feststellen der exakten Höhe kümmerte sich Norbert Schulz vom gleichnamigen Vermessungsbüro.

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Eine Gaudi für die Dorfhockbesucher war‘s auf jeden Fall. Und es ist ganz erstaunlich, wie gut und kreativ sich Kinder mit einem Haufen Reifen amüsieren können. Die Erwachsenen verfolgten gespannt die ersten zwei Anläufe, während im Hintergrund der Musikverein Geschwend spielte – dieser kommentierte das Scheitern des zweiten Versuchs sinnigerweise mit dem Trauermarsch. Auch ein freier Filmemacher hielt vom Platz vor der Kirche aus den Rekordversuch für die Nachwelt fest. Während der erste Versuch ziemlich rasch abgebrochen wurde, wuchs der Stapel beim zweiten Versuch auf stattliche 6,59 Meter Höhe an, fiel ungestützt jedoch sofort in sich zusammen. Martina Fichte selbst, die die Idee zum bisher einzigartigen Weltrekord hatte, ließ es sich nicht verdrießen. Schließlich gebe es keine Zeitvorgabe, stellte die quirlige Ortenauerin fest. Die Messlatte von 6,02 Metern indes hatte sie selbst unbeabsichtigt bei ihrem gescheiterten Weltrekordversuch in Afrika gelegt. An sich, so Fichte, wäre ihre Rekordidee brandneu und somit auf jeden Fall einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde wert gewesen. Sie selbst beteiligte sich nur am Rande am Hochstapeln, die Arbeit von der Hubarbeitsbühne aus erledigten ihre Sponsoren, Felix Wuchner von der Kfz-Werkstatt Wuchner in Zell und Sven Sütterlin von der gleichnamigen Schopfheimer GmbH für Kälte- und Klimatechnik. Das Klima war denn auch der Knackpunkt: Am Vorabend beim Probelauf in Zell hätte alles geklappt, erzählten die beiden Männer. An diesem Nachmittag jedoch war es warm und auf der von der Sonne beschienenen Seite wurden die Reifen weich und somit nachgiebig. "Stell‘ die Reifen in den Kühlschrank", empfahl ein Zuschauer, während Notar Klein trocken feststellte: "Das sollten sie besser am Kalten Markt machen". In Sachen Publikumsinteresse war indes beim dritten Versuch "die Luft raus", wie Einar Decker, Vorsitzender der Feuerwehrmusik Mambach, feststellte. Die Besucher kehrten zurück zu Speis und Trank und Geselligkeit und hatten so oder so ihren Spaß am Mambacher Dorfhock.

Autor: Silke Hartenstein