Jahrmarktspersonal – so skurril wie liebenswürdig

ata

Von ata

Di, 26. Januar 2016

Lörrach

Katharina Witerzens gastierte mit "Katharinas Schaubude" im Nellie Nashorn / Buntes, klassisches Varieté mit Witz und Körpereinsatz.

LÖRRACH. Eine Reise zurück zu den Jahrmärkten des vergangenen Jahrhunderts erlebten die Besucherinnen und Besucher von "Katharinas Schaubude" am Samstag im Nellie Nashorn. In unterschiedlichsten Rollen mit stets ausdrucksstarker Gestik und Mimik verwandelte Katharina Witerzens die Bühne in ein klassisches Zirkusvarieté.

Das Programm von "Katharinas Schaubude" ist abwechslungsreich. Da gibt es die chinesische Papierreißkünstlerin Madame Ching Chang Fu, die in den Iran entführte dänische Prinzessin Perla, den schrecklichen Tier-Menschen und die hässlichste Frau der Welt, Madame Juliette – alle von Witerzens selbst gespielt, jede aber voll eigenem Charakter, alle so skurril wie liebenswürdig.

Mit viel Witz und Körpereinsatz erweckt sie die Figuren zum Leben. Die Chinesin Ching Chang Fu, die aus einfachem Papier imposante Hüte formt, Herzen hervorzaubert und diese dann an das Publikum verteilt. Prinzessin Perla, die melancholisch von ihrem Heimweh singt oder den Tier-Menschen, der laut und wild ist und zugleich unglaublich einsam wirkt. Witerzens gelingt es, mit ihrer nuancierten Mimik den Charakteren Tiefe zu verleihen. Auch die Bühne ist voller kurioser Requisiten und erinnert so an Varietés und Jahrmärkte längst vergangener Zeiten. Immer wieder bezieht sie das Publikum mit in die Vorstellung ein, sei es nur im Zuschauerraum oder auch auf der Bühne.

Der Höhepunkt des Abends ist allerdings Madame Juliette, die "hässlichste Frau der Welt". Mit Affenmaske und ohne ein einziges Wort steht sie da, betrachtet das Publikum und lässt sich betrachten. Plötzlich entdeckt Juliette jemanden im Publikum, bittet ihn wortlos auf die Bühne und tanzt in trauter Zweisamkeit mit ihrer neu entdeckten Liebe. Kurz danach ist das Stück zu Ende. Doch bevor die Lichter wieder angehen, erzählt Witerzens, die Maske von Madame Juliette noch in der Hand haltend, deren wahre Geschichte. "Madame Juliette gab es wirklich, sie hieß Julia Pastrana und wurde im 19. Jahrhundert in Schaubuden vorgeführt. Sogar nach ihrem Tod wurde ihr Leichnam immer noch öffentlich ausgestellt", so Witerzens. "Außergewöhnlich und ganz was anderes", fand Zuschauerin Cordula Trillhaas. "Es ist toll, wie sie in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft ist". Auch ihre Tochter Miriam zeigte sich begeistert: "Sie hat auch Alltagsprobleme mit eingebracht und hatte eine klasse Körperbeherrschung."

Seit 2009 ist die aus Celle stammende Clownfrau Katharina Witerzens mit "Katharinas Schaubude" in ganz Deutschland unterwegs. "Die Idee für das Stück hatte ich, nachdem ich etwas über das Schicksal Julia Pastranas gelesen hatte. Ich wollte ihre Geschichte auf die Bühne bringen und habe dann das Programm darauf aufgebaut", erklärte sie. Der Leichnam Julia Pastranas wurde 2013 von Oslo zurück in Julias Heimat Mexiko überführt.