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20. November 2009

Jede Menge Erinnerungen an die Habsburger

BZ-Haus-Vortrag: Fast 600 Jahre österreichisches Freiburg.

Eine "ziembliche, schöne, wolerpawne" Stadt sei Freiburg. Mit Hochschule, aber ohne Schloss – das müsse erst noch gebaut werden. So steht es in einer habsburgischen Landesbeschreibung von 1565. Und doch wurde Freiburg 1648, nach dem Westfälischen Frieden, sogar Hauptstadt des verkleinerten Vorderösterreichs. In seinem Vortrag "Freiburg – das Herz Vorderösterreichs" durchschritt der Stuttgarter Historiker Franz Quarthal die wechselhafte Habsburger Herrschaft im Breisgau von den Anfängen im 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert – im Eiltempo. In einer Fülle von Details kam auch Freiburgs Geschichte zur Sprache. Wer heute auf Spurensuche geht, findet Wappen, Kirchenfenster, Reliefs, aber nach wie vor kein Schloss.

Wenn man einen Zirkel in Wien ansetzt und nach Freiburg öffnet, dann liegt auf der anderen Seite Lemberg oder Belgrad. So wird klar, warum dieses Gebiet, auch "Vorlande", "Ober- und Vorderösterreichische Lande" genannt, nicht immer im Mittelpunkt Habsburger Interesses stand, erklärte Franz Quarthal. Dabei hatte alles so gut angefangen: 1368 stellte sich die Freiburger Bürgerschaft freiwillig unter den Schutz des Hauses Habsburg. Und in dem Maß, wie dieses seinen ursprünglichen Besitz im südlichen Elsaß und in der nördlichen Schweiz verlor, gewann die Stadt Freiburg an Gewicht und konnte zeitweise sogar Regierungssitz werden.

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In der Tat lassen sich viele Spuren dieser österreichischen Geschichte in Freiburg finden: im Münster die Fenster für Kaiser Maximilian V. und Karl V. sowie Gedenktexte auf Grabsteinen habsburgischer Beamter, das österreichische Wappen am Historischen Kaufhaus sowie ein monumentales österreichisches Doppeladlerwappen an der Decke des alten Rathauses. Zudem ein Reliefs am Martinstor und an der stadteinwärts liegenden Seite des Schwabentors, das die ausziehenden Truppen des Freiherrn von Fahnenberg zeigt. Und immerhin auch ein Gebäude ist da – der "Basler Hof" in der Kaiser-Joseph-Straße. "Ich kenne keine Stadt in Südwestdeutschland, dem Elsass und der Schweiz, in der das alte Vorderösterreich präsenter wäre als in Freiburg", resümierte Franz Quarthal. Umso erstaunlicher sei es, wie schnell die österreichische Vergangenheit hier vergessen wurde. Hing das vielleicht mit der so genannten "Hochverratsmedaille" zusammen? In Vorfreude auf den erhofften Anschluss an Österreich ließ Freiburg 1814 eine Medaille prägen. "Mit Treue und Liebe" war hier zu lesen – aber Breisgau und die Ortenau gingen an das Kurfürstentum Baden.

Nächster Vortrag: "Aller Anfang ist schwer – Freiburg wird badisch", Referent: Peter Kalchthaler, Museum für Stadtgeschichte, Freiburg, Donnerstag, 3. Dezember, 20 Uhr, BZ-Haus, Bertoldstraße 7, ausverkauft.

Autor: Ursula Thomas-Stein