Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. November 2009

Jeder Mensch ist schön

Das "Duo très bien ensemble" spielte zur Finissage im Georg-Scholz-Haus

  1. Katharina Müther (Akkordeon, Gesang) und Thomas Himmler (Cello) bestritten die Finissage der aktuellen Ausstellung im Georg-Scholz-Haus Waldkirch. Foto: Frank Berno Timm

Eigentlich schade: Die "Lesung aus der Schreibnacht", der Finissage der aktuellen Ausstellung "Allegro ma non troppo" von Marie Dréa und Ilse Teipelke vorangestellt, fand fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei wären einige der Texte, die zu den Werken der Ausstellung entstanden waren, durchaus für ein größeres Publikum interessant gewesen – etwa Roland Burkharts Notiz aus dem imaginären Tagebuch eines Bauern angesichts von Skulpturen Ilse Teipelkes. Burkhart erzählt dort von einem pflügenden Bauern im Krieg, der während der Feldarbeit aus der Luft angegriffen wurde – eine passende Assoziation zur Arbeit der Bildhauerin, die beim Anschauen an Reste von Pferdezaumzeug erinnert. Auch Beatrice Schützes Gedicht zur Kunst von Marie Dréa hätte mehr Publikum verdient gehabt.

Das erschien dann erst zur eigentlichen Finissage im Erdgeschoss mit dem "Duo très bien ensemble": Katharina Müther (Akkordeon, Gesang) und Thomas Himmler (Violoncello). Wichtigster Eindruck: Die Klangfarben des Cellos und des Akkordeons passen wunderbar zusammen. Das Programm aus Chansons und reinen Instrumentalstücken, das kreuz und quer durch die musikalischen Traditionen verschiedenster Kulturen führt, ist ausgezeichnet und sehr frisch. Selbst der alte Schlager "Bei mir bist Du schön" – der nicht nur ein Jazz-Standard, sondern eigentlich ein jiddisches Lied ist – klingt bei Katharina Müther und Thomas Himmler, als höre man ihn das erste Mal. Und man versteht den Text einmal mehr: Es ist nicht wichtig, welche Farbe die Haare haben. Entscheidend ist, dass sich Menschen weiter innen berühren.

Werbung


Und sonst? Wienerisches, Tango (Lydie Auvray), gemischte Walzer (Französisch/Jiddisch), Zigeunermusik (hier wäre ein Bandoneon passender gewesen). Sehr hübsch das Chanson vom Bistro "Pigalle", auch eine kleine Tarantella-Suite passte ins Programm. Müther und Himmler musizieren komplett auswendig und moderieren gemeinsam. Katharina Müthers Singstimme hätte man sich hier und da eine Spur kräftiger gewünscht (das schwere Akkordeon setzte wohl Grenzen), Thomas Himmler kann in seinem Cellospiel die Herkunft aus der Klassik nicht verleugnen – schön waren aber die betörenden, fast quälend-klagenden Harmonien im Lied um die "Moskauer Fenster". Viel Beifall und Begeisterung beim Publikum. Ob das Duo mal wieder nach Waldkirch kommt? Info: Am 17. Januar wird die nächste Ausstellung in der Merklinstrasse eröffnet: Nora Jacobi und Jürgen Burkhart stellen aus.

Autor: Frank Berno Timm