Pünktlichkeitsziel erneut verfehlt

Jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn kommt zu spät

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Fr, 11. Januar 2019 um 09:16 Uhr

Wirtschaft

In nur zwei Jahren musste das Unternehmen deshalb bereits 500 Millionen Euro für Strafen bezahlen. Die Gründe sind vor allem Engpässe im Schienennetz, beim Personal und den Fahrzeugen.

Fahrgäste der Deutschen Bahn brauchen weiterhin viel Geduld. Der Verkehrskonzern hat 2018 sein selbst gestecktes Pünktlichkeitsziel erneut verfehlt. 74,9 Prozent der Fernzüge kamen laut Jahresbilanz mit weniger als sechs Minuten Verspätung an. Im Jahr zuvor waren es noch 78,5 Prozent gewesen. Angestrebt wurden 82 Prozent.

Einen kleinen Trost gab es zum Jahresende. Denn im Dezember 2018 waren die Fernzüge trotz eines Warnstreiks am 9. Dezember etwas pünktlicher unterwegs. So schaffte die DB im letzten Monat des Jahres mit 76,9 Prozent und einer Steigerung um 6,5 Punkte gegenüber dem Vormonat die höchste Pünktlichkeit der ICE- und Intercity-Züge seit Februar 2018.

Weder Qualitäts- noch Kundenziele wurden erreicht, gesteht die Bahn ein

Obwohl die Lage im konkurrierenden Flugverkehr kaum besser ist, sind das für DB-Chef Richard Lutz enttäuschende Zahlen. Man bleibe hinter den Qualitäts- und Kundenzielen zurück, heißt es selbstkritisch in der internen "Agenda für eine bessere Bahn" des Konzernvorstands.

Das selbst gesteckte Pünktlichkeitsziel von 82 Prozent wird seit Jahren verfehlt. Seit 2012 wurden in keinem Jahr wenigstens 80 Prozent Pünktlichkeit erreicht. Der Tiefpunkt wurde 2013 mit nur noch 73,9 Prozent erreicht, 2015 war mit 74,4 Prozent kaum besser.

Die Verspätungen sind teuer für den größten Staatskonzern. Allein im Fernverkehr verlangen jedes Jahr bis zu 1,7 Millionen Reisende Entschädigungen wegen großer Verspätungen. Das summiert sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Engpässe im Schienennetz, beim Personal und den Fahrzeugen

Besonders ins Gewicht fallen aber Verspätungen im Regionalverkehr, den die Bundesländer bestellen und aus Steuergeld finanzieren. Die Verträge sehen vor, dass Bahnen bei schlechter Leistung Strafen zahlen müssen oder weniger Zuschüsse erhalten. Für die Jahre 2017 bis 2023 rechnet die Deutsche Bahn laut den internen Strategiepapieren mit Strafzahlungen von fast 1,2 Milliarden Euro. Allein 2017 und 2018 wurden fast 500 Millionen Euro dafür fällig.

Im Regionalverkehr sank die Pünktlichkeit leicht von 94,4 auf 94,0 Prozent. Auch hier wurde das Ziel einer Verbesserung verfehlt. Wichtigste Ursachen waren wie im Fernverkehr die seit Jahren anhaltenden Engpässe im Schienennetz, beim Personal und den Fahrzeugen.

Bahnchef Lutz soll am 15. Januar der Bundesregierung darlegen, wie die Bahn zuverlässiger werden kann. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordert rasche Verbesserungen.

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