Achtung

Jetzt gilt ganztags Tempo 30 auf Freiburgs B31

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 08. November 2018 um 12:43 Uhr

Freiburg

Auf der B31 gilt im Bereich von Freiburgs Zentrum immer Tempo 30. Das neue Limit war für Herbst angekündigt, kam nun aber überraschend. Die grüne Welle klemmt noch: Es droht Stau.

Ab sofort dürfen Verkehrsteilnehmer auf Freiburgs B31 zwischen Kronenbrücke und Stadttunnel in beiden Richtungen höchstens 30 Kilometer pro Stunde fahren. Bisher galt das Tempolimit nur nachts, von 22 bis 6 Uhr.

Die Stadt Freiburg weitet diese Nacht-Regelung auf die Lessing-, Schiller und Schwarzwaldstraße (westlich des Schützenalleetunnels), Leo-Wohleb-, Dreisam- und Schreiberstraße aus. Grund ist Lärmschutz für die Anwohner. Dafür hatte sich der Gemeinderat im April ausgesprochen, das Regierungspräsidium gab grünes Licht.

Neues Limit auch in der Talstraße

Die Beschilderung ist teils bereits geändert. Zusatzschilder für die nächtliche Geltungsdauer wurden abmontiert.

In der Talstraße gilt schon seit einigen Tagen ganztags Tempo 30. Dies soll Ausweichverkehr von der B31 verhindern.

Geblitzt wird erstmal noch nicht: Freiburgs Garten- und Tiefbauamt hat mit dem Gemeindevollzug einige Tage Umgewöhnungszeit bis Anfang Dezember ausgemacht, sagt Rathaussprecherin Martina Schickle: "Aber über 50 löst es schon noch aus." Tafeln auf Höhe der Brauerei und der Lessingstraße 6 messen die Geschwindigkeit und zeigen sie an.



Ampeln produzieren Stau

Das Tiefbauamt will auch die "grüne Welle" der Ampeln auf der Bundesstraße von 50 auf 30 Stundenkilometer umstellen. Dazu muss es laut Mitteilung an zwölf Kreuzungen jeweils bis zu fünferlei Ampelprogramme anpassen. Teilweise kreuzen Straßenbahnen. Das kann bis Freitag, 9. November, dauern. Solange drohen auf beiden Seiten immer wieder Staus, da die Ampeln bis dahin nicht synchron laufen.

Wie das Garten- und Tiefbauamt erklärt, muss für eine Tempobeschränkung aus Lärmschutzgründen nachgewiesen werden, dass an den Gebäuden entlang der Straße der Immissionsrichtwert von 70 dB(A) überschritten wird. Das sei der Fall gewesen. Das Tempolimit sei nach Abwägung mit anderen schutzwürdigen Belangen rechtlich begründet.

Ohnehin kaum schneller

Stadtverwaltung und Regierungspräsidium seien sich einig, dass die Gesundheit der Anwohner in dem Fall wichtiger ist als der Wunsch nach schneller Fahrt. Ohnehin könnte bisher nur selten schneller als 30 km/h gefahren werden, weil die Hauptverkehrsachse so stark frequentiert ist – hauptsächlich nur in den frühen Morgenstunden und am Abend, also dann, wenn der Lärm viele Anwohner belastet, so das Rathaus. Durch das Tempolimit klinge es fast wie halb so viel Verkehr.

Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag weist darauf hin, dass die Drosselung der Geschwindigkeit sich auch positiv auf die Luft auswirkt. Freiburg hat Probleme, weil der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wird. Die Deutsche Umwelthilfe will klagen. Die Stadtverwaltung will Fahrverbote verhindern. Wegen des Luftreinhalteplans wurde das Tempolimit auf der B 31 vorgezogen, das der Lärmaktionsplan vorsah – wie auch auf 25 weiteren Straßen. Wann es dort umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Weitere 30er-Zonen sind bereits vor Kitas und Schulen eingerichtet, eine folgt noch in der Hansjakobstraße.

Freiburgs Grüne wollen mehr

"Endlich wird das Tempolimit umgesetzt", freut sich Freiburgs grüne Ratsfraktion: "Dies war längst überfällig." Ziel der Grünen und des Städtetages sei seit vielen Jahren generell Tempo 30 innerorts, Ausnahmen solle es vor allem in Bereichen ohne Wohnbebauung geben können. Jüngst habe der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg den Handlungsspielraum der Kommunen für mehr Lärmschutz an vielbefahrenen Straßen ausgeweitet. Das Rathaus soll am 20. November präsentieren, wo was möglich ist.