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07. Juli 2010 23:00 Uhr
Rückschau
Jogis Jungs von früher: Alte Mannschaftskameraden über Löw
Harmoniebedürftig, sympathisch – und schon als Spieler ein wahrer Taktikfuchs: Ehemalige Mannschaftskameraden vom SC Freiburg berichten vom jungen Joachim Löw. Vergleichen den Spieler von damals mit dem Trainer von heute.
REINHARD BINDER (54)
"Jogi Löw hatte damals bei uns schon eine eigenartige Spielart: Er war stark im Dribbling und in der Offensive. Er hat sich dann als Trainer vieles angeeignet und erarbeitet. Er hatte sicher auch das Quäntchen Glück, dass er damals in der Schweiz Rolf Fringer kennen gelernt hat, mit dem er später dann als Co-Trainer zum VfB Stuttgart gekommen ist. Heute kann man Jogi nur höchstes Lob zollen. Er hat die Mannschaft genial zusammen gestellt. Was die im Achtel- und Viertelfinale geleistet hat, ist eigentlich nicht zu toppen."
UWE STÄCHELIN (45)
"Er war immer schon ein spezieller Typ, der nicht in das Schema Fußballspieler gepasst hat. Er ist damals schon aufgefallen, weil er sehr elegant gespielt hat. Der große Kämpfer und Beißer war er nie. Jetzt ist in Südafrika alles möglich – für mich hat noch nie eine deutsche Mannschaft einen so schönen Fußball gespielt. Ich bin begeistert. Trotzdem tritt Jogi Löw immer mit Understatement auf, wie übrigens auch Ottmar Hitzfeld. So sind wir Markgräfler halt!"
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HANS-PETER SCHULZKE (52)
"Schon von klein auf habe ich mit Jogi gekickt – erst in Schönau, dann beim SC Freiburg. Und schon da war er ein absoluter Taktiker. Jogi konnte ein Spiel lesen, wie kein anderer, der sieht Sachen, die bemerke ich so gar nicht. In der Mannschaft war er ein echter Sympathieträger, aber wenn er was wollte, wusste er sich durchzusetzen. Dabei ist Jogi nie laut geworden, hat immer rational argumentiert. Dass er jetzt neben Angela Merkel im Fernsehen auftritt – Mensch, das hätte ich früher nie gedacht. Ich hoffe, dass die deutsche Elf den Titel holt. Dann kann ich sagen: mein Kollege – der Weltmeister."
VOLKER FASS (58)
"Dass aus Jogi Löw mal der Bundestrainer wird, das war damals nicht absehbar. Er war sehr distanziert und längst nicht so offen wie heute. Er war ein sehr sensibler Spieler. Vielleicht hat er deshalb auch an Miroslav Klose festgehalten, als der so in der Kritik stand. Jogi war schon beim SC Freiburg sehr harmoniebedürftig und erkannte immer sofort die Stimmung in der Mannschaft, spürte, wann jemand Probleme hatte. Diese Fähigkeit kommt ihm sicher auch heute als Trainer zugute. Er hat in Südafrika eine tolle Mannschaft geformt – die gegen die Einzelspieler aus Spanien in der regulären Spielzeit 2:1 siegen wird."
KLAUS BURY (60)
"Ich habe ihn kennengelernt, da war er ein junger Spieler und sehr ruhiger Typ. Das hat sich heute ein bisschen gewandelt. Mich hat beeindruckt, wie er sich vor der WM über alle Kritik hinweg gesetzt und auch Spieler nominiert hat, die in ihren Vereinen keinen Stammplatz haben. Er hat einfach erkannt, auf wen er sich verlassen kann."
THOMAS SCHWEIZER (42)
"Jogi Löw akzeptiert die Menschen, ist ein Bauchtyp und bringt dazu einen schwarzwälder Sturkopf mit. Dazu ist er besonnen, souverän, überlegt und immer bescheiden geblieben. Aber er ist auch ein Perfektionist und sehr ehrgeizig – wenn wir heute zusammen in der Halle kicken, will er nicht verlieren. Er hat seine Linie und Philosophie umgesetzt. Ich hab’ immer an das Team geglaubt: Gegen England und Argentinien hatte ich 3:0 getippt. Die mentale Stärke des Teams, der absolute Wille – das hinzukriegen, das liegt auch an der Person Löw."
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Autor: Alexandra Sillgitt und Joachim Röderer
