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29. Mai 2009 12:34 Uhr

Jugend wählt die Politik: Junge Gemeinderatskandidaten

"Das ist wie Mathe"

Über eine neue Disco, öffentliches Biertrinken und den größten Wunsch sprachen Louis Leible-Hammerer, Felix Wiggenhauser, Niels Gehrig (alle 16), Mirjam Sturm und Rebecca-Sarina Koch (beide 15) mit jungen Gemeinderatskandidaten. Hier: Chris Bastian Kiefer, 26 Jahre, CDU

  1. Wieso, weshalb, warum? Sie fragen beim CDU-Mann nach: Louis Leible-Hammerer, Niels Gehrig, Rebecca-Sarina Koch, Mirjam Sturm Foto: Nagel

  2. Chris Bastian Kiefer, 26, CDU Foto: Sarah Nagel

BZ: Wenn ich Sie wählen würde, was täten Sie für eine Disco, in die ich rein darf?

Chris Bastian Kiefer: Das wäre für mich schwierig zu beeinflussen. Wenn genug Nachfrage bei den Jugendlichen besteht, werden sich Investoren finden.

BZ: Und was dafür, dass wir den Fußballplatz hinter Hebel-Gymnasium und HTG auch in der Freizeit benutzen dürfen?

Kiefer: Naja, da geht es ja nicht um die Stadt, sondern um die Beschwerden von Anwohnern, darauf muss man Rücksicht nehmen. Aber in der Unteren Herrenstraße gibt es ja jetzt einen neuen Bolzplatz.

BZ: Warum lassen Sie sich für den Gemeinderat aufstellen?
Kiefer: Ich bin schon seit der sechsten Klasse an Politik interessiert. Zu den Auslösern, mich schließlich aufstellen zu lassen, gehörten aber die anstrengenden Behördengänge mit meiner Frau, die aus der Türkei kommt. In Lörrach gibt es da viel zu wenig Unterstützung für Ausländer. Das würde ich gerne ändern.

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BZ: Wo sehen Sie sich in Zukunft eher: in der Weltpolitik, händeschüttelnd mit Barack Obama oder auf einem Empfang mit Gudrun Heute-Bluhm?

Kiefer: Ich könnte mir vorstellen, zumindest auf Bundesebene aktiv zu werden.

BZ: Wollen Sie Merkel mal vom Thron schubsen?

Kiefer: Also, vom Thron schubsen will ich erstmal überhaupt niemanden. Aber ich würde nicht "Nein" sagen, wenn es darum ginge, Bundeskanzler zu werden.

BZ: Wie koordinieren Sie zurzeit Arbeit und Politik?

Kiefer: Der Stadtrat tagt ja im Monat nur zwei bis drei Stunden. Zeitlich ist es kein Problem, vor allem, weil ich bei meiner Arbeit bei der Volksbank viel mit Menschen zu tun habe. Da kriege ich die Stimmung mit und bin gut vorbereitet.

BZ: Auf welche Hobbys müssen Sie verzichten, wenn Sie gewählt werden?

Kiefer: Das lässt sich gut vereinbaren. Ich gehe zum Beispiel gern mit meiner Frau spazieren und ins Kino.

BZ: Wie könnten wir Politik für junge Leute interessanter machen?
Kiefer: Das ist doch wie bei Mathe: Eine gewisse Grundmotivation muss vorhanden sein. Aber ich denke, wenn der Gemeinschaftskunde-Unterricht peppiger gestaltet würde – zum Beispiel mit Besuchen beim Stadtrat – das wäre schon gut.

BZ: Wie setzt man sich als "Junger" durch?

Kiefer: Man muss vor allem die besseren Argumente haben.

BZ: Wenn Sie für die nächste Amtszeit einen Wunsch frei hätten, für was würden Sie ihn einsetzen?

Kiefer: Dafür, dass alle Schule genug Geld haben, für Exkursionen und aktuelles Material. Ich weiß noch wie bei uns früher manchmal die Bücher auseinander gefallen sind ...

BZ: Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Partei entschieden?

Kiefer: Ich hatte schon früh Interesse an der CDU. Die christlich-demokratischen Werte sind mir wichtig, und der Mittelstand muss gefördert werden.

BZ: Haben Sie jemals andere Parteien in Betracht gezogen?

Kiefer: Ja, die FDP wegen ihrer Wirtschaftspolitik.

BZ: Was sagen Ihre Freunde und die Familie dazu, dass Sie kandidieren?

Kiefer: Das ist frustrierend: Viele, vor allem junge Leute, sagen mir, dass sie gar nicht zur Wahl gehen.

BZ: Darf man als Gemeinderatskandidat in der Öffentlichkeit ein Bier trinken?

Kiefer: Zwei, drei sind okay, aber wenn man dann am nächsten Morgen auf einer Parkbank aufwacht, nicht. Das gilt allerdings nicht nur für Gemeinderäte.

BZ: Für wie groß halten Sie Ihre Chance gewählt zu werden?

Kiefer: Es ist auffallend, dass hauptsächlich ältere Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Unter jungen herrscht oft Politikverdrossenheit, auch unter meinen Freunden, was natürlich nicht gut ist.

BZ: Was meinen Sie, geht es im Gemeinderat professionell zu oder hat man da echt etwas gegeneinander, wenn man verschiedenen Parteien angehört?

Kiefer: Da menschelt es sicher auch. Wenn einer was Gutes sagt, mag man ihn eher. Aber das hängt nicht unbedingt mit der Parteizugehörigkeit zusammen.

BZ: Im Programm der letzten Gemeinderatssitzung stand unter Punkt 3: "Oberzentrum Lörrach – Weil am Rhein: Gemeinsamer Flächennutzungsplan 2022; Erstellung Flächennutzungsplan (FNP) und Landschaftsplan (LP) für die Verwaltungsgemeinschaft Lörrach-Inzlingen. Erstens: Bericht über das Offenlageverfahren, Zweitens: Beschluss gemäß §6 Baugesetzbuch und gemäß §67 Absatz 4 Nummer 2 Naturschutzgesetz". Interessiert Sie das wirklich?

Kiefer: Hinter diesem Beamtendeutsch verbirgt sich bestimmt auch ein interessantes Thema.

Das Projekt "Jugend wählt die Politik" wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung, der Landesanstalt für Kommunikation und dem Landesjugendring. Alle Beiträge sind unter http://www.badische-zeitung.de zu finden.

Autor: sar