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12. August 2009 15:48 Uhr

Jungwähler-Aktivierung

Fünf-Prozent-Hürde nicht geschafft

Im Vorfeld der Kommunalwahlen wollte ein Projektteam der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) durch die direkte Ansprache von jungen Wählern erreichen, dass diese sich stärker an den Wahlen beteiligen. Dies wurde nur bedingt erreicht.

  1. Diese jungen Frauen und Männer waren in Waldkirch unterwegs, um Jungwähler zum Wählen zu animieren. Foto: Landeszentrale für politische Bildung

WALDKIRCH. Beabsichtigt war, dass die Beteiligung von Jungwählern zwischen 18 und 29 Jahren durch die Haustüraktion in den beteiligten zwölf Wahlbezirken um fünf Prozent höher als in der "unbearbeiteten" Kontrollgruppe in den anderen Wahlbezirken in Waldkirch ausfällt. Das wurde nicht erreicht. Die Wahlbeteiligung bei den angesprochenen Jugendlichen (Experimentalgruppe) lag zwar mit 39,37 % höher als in der Kontrollgruppe (35,51 %), aber eben nicht um 5, sondern nur um 3,86 Prozent. Wahrscheinlich, so Michael Wehner, Leiter der LpB-Außenstelle Freiburg, war das Ziel von 5 Prozent von vorn herein zu unrealistisch.

Verwischte wissenschaftliche Bedingungen

Außerdem verwischten sich durch die (durchaus gewollte) öffentliche Begleitung der Kampagne ("Tagebuch" des 20-köpfigen Aktivierungsteams in der BZ) die Grenzen zwischen der Experimental- und der Kontrollgruppe. Die Wähler waren auf den Besuch teils so gut vorbereitet, dass sie das LpB-Team erfreut an der Tür begrüßten und – wie in Siensbach – gleich Schnaps und Kuchen auf den Tisch stellten.

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Chronische Nichtwähler nicht zu bewegen

In traditionell sowieso gut wählenden Wahlbezirken wurden die Jungwähler deutlich mehr als anderswo wachgerüttelt. In den Wahlbezirken, wo eher eine städtische Struktur mit Mehrfamilienhäusern vorherrscht, scheiterte das Team zum Teil schon an der Klingelanlage oder wurde von Vätern der Jungwähler mit den Worten "Wir gehen hier nicht wählen" weggeschickt, ohne überhaupt zu den jungen Leuten vordringen zu können. Chronische Nichtwähler konnten daher wohl nicht zum Gang an die Wahlurne bewegt werden.

Demokratie ohne Beteiligung?

Von 1257 Jungwählern wurden in 1916 Kontaktversuchen 339 persönlich und weitere 486 indirekt erreicht (Eltern, Geschwister). Die Statistik sagt nun, dass sich 50 mehr als sonst an der Kommunalwahl beteiligt haben. Michael Wehner und auch Sebastian Reinkunz, der das Projekt wissenschaftlich begleitete, sind trotzdem überzeugt, dass die 5000 Euro Projektkosten nicht in den Sand gesetzt waren. Wenn sich unsere Demokratie nicht weiter – "dank" sinkender Wahlbeteiligung – vom Mehrheitsprinzip entfernen will, bleibe gar nichts anderes übrig als der Versuch, die Wähler auf überparteilicher Grundlage anzusprechen. Und dies nicht nur in einer einmaligen Aktion, sondern auch durch stetige Bildungs- und Sozialarbeit (was insbesondere Sozialamtsleiter Martin Müller gern hörte).

Gesamtwahlbeteiligung gestiegen

Die drei Wahlbezirke mit der höchsten Jugendwahlbeteiligung lagen alle in der Experimentalgruppe: Siensbach mit 69,56 %, ein Wahlbezirk in Kollnau 68,89 % und einer in Waldkirch 53,60 %. Die niedrigste Jugendwahlbeteiligung wurde allerdings auch in einem Experimentalwahlbezirk gemessen (18,21 %, Kollnau). Die Gesamtwahlbeteiligung in Waldkirch war mit rund 52 % in diesem Jahr zwei Prozentpunkte höher als 2004.

Autor: Sylvia Timm