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14. Mai 2009 18:57 Uhr

Schüler diskutieren am THG mit Bürgermeistern

"Haben Jugendliche eine Chance?"

Im Rahmen des BZ-Projektes "Jugend wählt die Politik" diskutierten junge Leute mit einer Bürgermeisterin und drei Bürgermeistern über Themen, die sie bewegen: Vom Fehlen eines Jugendparlaments bis hin zur Regio-S-Bahn.

  1. Mit Bürgermeisterin Andrea Kiefer und den Bürgermeistern Nitz, Rümmele und König diskutierten junge Leute. Foto: Kathrin Blum

  2. Die Diskussionsrunde Foto: Kathrin Blum

  3. Mit auf dem Podium: Tamara Treptow Foto: Kathrin Blum

  4. Kristin Fritz moderierte die BZ-Veranstaltung Foto: Kathrin Blum

  5. Angeregte Gespräche gab es: Hier Maria Blenich und Bürgermeister Christof Nitz Foto: Kathrin Blum

SCHOPFHEIM. "Das war ein interessanter Abend. Wir haben Ideen mitgenommen und wurden motiviert, uns weiter in der Politik einzubringen". Dieses Fazit zog Kristin Fritz, Schülerin am Schönauer Gymnasium, nach einer Diskussionsrunde mit Bürgermeistern. Die Veranstaltung war im Rahmen der BZ-Aktion "Jugend wählt die Politik" zustande gekommen.

Maria Blenich, Julia Schwald und Tamara Treptow, alles Schülerinnen am Theodor-Heuss-Gymnasium, diskutierten mit Bürgermeister Christof Nitz (Schopfheim), Bürgermeister Rudolf Rümmele (Zell), Bürgermeister Rainer König (Steinen) und Bürgermeisterin Andrea Kiefer (Aitern). Kristin Fritz stieg bewusst provokativ ins Thema Schul- und Bildungspolitik ein. Im Schönauer Gymi wurden drei hoch moderne Flachbildschirme installiert, auf denen die Vertretungspläne ersichtlich werden. "Ein Aushang würde auch reichen. Jetzt haben wir zwar die teuren Flachbildschirme, aber kein Geld für Schulbücher", sagte die Moderatorin. Die "Sprechblasen" am Eingang des Theodor-Heuss-Gymnasiums missfallen Podiumsteilnehmerin Maria Blenich. So viel sie weiß, gab es einen Schülerwettbewerb für die kunstvolle Eingangsgestaltung, die offenbar nicht zum Zuge kam. "Gibt es Möglichkeiten, dass wir Schüler uns bei Planungen einbringen können?" wollte sie wissen.

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Neuanschaffungen oder Neubauten werden über Fördertöpfe des Landes oder Bundes realisiert, während Dinge wie Schulbücher aus den laufenden Etats für die Schulen finanziert werden, erfuhren die jungen Leute von den Bürgermeistern. Christof Nitz hatte Zahlen parat: Im vergangenen Jahr waren im städtischen Verwaltungshaushalt 779 000 Euro und im Vermögenshaushalt 93 000 Euro fürs THG verankert.

Das THG sei eine von insgesamt acht städtischen Schulen. Rainer König ist überzeugt, dass sich Schüler in vielerlei Hinsicht einbringen können – und das so unbürokratisch wie möglich. Für Rudolf Rümmele ist es vorstellbar, dass Schüler ihre Ideen bei Projekten einbringen. Die Fachschaften sollten sich mit der Bitte an Schulleiter wenden, denn die Stadt könne so etwas nicht verfügen. THG-Direktor Wolfgang Stocker merkte von der Zuhörerreihe aus an, dass die SMV-Spitze des THG mit am runden Tisch sitze. Es sei Sache der Schüler, ihre Vertreter zu verpflichten, aus solchen Runden zu berichten. Auch das Thema G8 und Ganztagsschule – genauer: ganztägiger Schulbetrieb – wurde angesprochen. Ein Zuhörer wollte wissen, ob die Kommunen sich untereinander austauschen und positive Erfahrungen in eigene Projekte einfließen lassen. Die Rahmenbedingungen setze der Städte- und Gemeindetag, sagte Christof Nitz. Die Kontakte zur Nachbarschaft seien zwar gut, aber jede Schule habe ihre Besonderheiten. Es macht einen Unterschied, ob für 1300 oder 700 Schüler geplant wird.

Jungen Leuten Heimatgefühl geben

"Was tun die Städte und Gemeinden, um junge Leute zu halten?" Kann sich eine junge Familie mit zwei Kindern den Kindergarten leisten?", wollte Julia Schwald wissen. Die Grundvoraussetzung, dass Familien bleiben oder zurückkommen, sei der Arbeitsplatz, meinte Andrea Kiefer. Werde jungen Leuten das Heimatgefühl vermittelt, kämen sie auch gern zurück. Und für den Ort sei es ein großer Gewinn, wenn Leute zurückkommen, die anderswo Erfahrungen sammelten und diese dann einbringen.

Der Hauptpunkt ist auch für Rainer König die wirtschaftliche Sicherheit, aber auch das Gefühl, sich in der Gemeinde wohl zu fühlen. Er sprach nicht nur den jungen Leuten aus dem Herzen, als er die Bedeutung der Regio-S-Bahn ansprach. Die Jugendlichen vermissen sehr –– vor allem wochenends – den Nachtzug. Zell, so Rudolf Rümmele, sei abgehängt worden und kämpfe um die Verbesserung . Es gebe kreative Vorschläge von der IG Pro Schiene, Zell wieder anzubinden und für den Nachtzug. Es zeichne sich dennoch ab, dass man sich in der Region selbst helfen müsse. "Wie?" fragte Maria Blenich. Einige Kommunen, so Christof Nitz, haben es geschafft, ein Anruf-Sammeltaxi ins Leben zu rufen. Einig waren sich die Bürgermeister darin, dass Kindergärten in ihren Gemeinden im Vergleich zu anderen Kommunen nicht teuer sind.

Interesse an Politik kommt meist zu spät

In Rheinfelden gibt es ein Jugendparlament. "Welche Mitsprachemöglichkeiten haben Jugendliche in der Stadt?" fragte ein Zuhörer. Grundsätzlich würde Christof Nitz ein Jugendparlament begrüßen. Bislang gab es aber zu wenige Jugendliche, die es realisieren. Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass sich junge Leute häufig erst dann für Politik zu interessieren beginnen, wenn sie fast schon die Schule verlassen. Dann kommt erst einmal die Suche nach einem Arbeits- oder Studienplatz, so dass nicht gewährleistet ist, dass die an einem Jugendparlament Interessierten auch in der Stadt bleiben.

"Was machen die Politiker, um Jugendliche politisch anzubinden? Und haben sie überhaupt eine Chance?" fragte Tamara Treptow. In einem Dorf trifft man sich ständig und redet miteinander, sagte Andrea Kiefer. Sie wird die Anregung eines Jugendlichen zumindest mal weitergeben, der sich einen Waldkindergarten in Aitern vorstellen könnte. Auch wenn es diesmal nicht klappte, wird sie bei der nächsten Wahl gezielt junge Leute als Wahlhelfer ansprechen, meinte Kiefer. Die Bürgermeister arbeiten in den Gemeinderäten gern mit Frauen zusammen. Und doch hält sich ihre Zahl in Grenzen, wiewohl viele Frauen auf den Wahllisten vertreten sind.

Hier seien die Wähler(innen) am Zug. Aus eigener Erfahrung konnte Andrea Kiefer erzählen, dass es für sie als Mutter mit seinerzeit kleinen Kindern sehr schwer war, sich als Gemeinderätin zu engagieren, denn dieses Ehrenamt ist zeitintensiv. Sind die Kinder größer, werde es einfacher, wenn die Familie mitzieht. "Was müsste sich in den Köpfen ändern, damit Frauen und Jugendliche gewählt werden?" fragte Kristin Fritz. Vielleicht die Bereitschaft alt Gedienter zu sagen, dass jetzt Schluss ist und Platz machen für die Jüngeren, meinte Christof Nitz. Jugendliche könnten doch versuchen, eine eigene Liste aufzustellen oder sich gemeinsam zur Kandidatur auf einer Liste ihrer Wahl entscheiden, schlug Andrea Kiefer vor.

Für Rudolf Rümmele steht der Appell, zur Wahl zu gehen, an erster Stelle. Vielleicht würde es auch was bringen, wenn Vertreter der Kommunen in die Schulen gehen und das Gespräch anbieten und suchen. Vor allem müsse doch das Interesse geweckt werden. So, wie es die jungen Leute jetzt mit der Diskussionsrunde am THG eingeläutet haben. Das BZ-Projekt "Jugend wählt die Politik" erhielt hierfür ein dickes Lob.

Das Projekt "Jugend wählt die Politik" wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB), der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) und dem Landesjugendring (LJR). Alle Beiträge sind unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Marlies Jung-Knoblich