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19. September 2009
KOMMENTAR: Piratenpartei setzt Segel
Klare Botschaften und die Möglichkeit zur Teilnahme
Seit April hat sich die Mitgliederzahl der Piratenpartei auf 7400 verachtfacht. Intolerant und unsozial nennen Politiker der großen Parteien die Piraten, doch mehr und mehr vor allem junge Wähler sympathisieren mit ihnen. Die Partei, die sich nur im Netz organisiert, hat dort den großen Parteien die Show gestohlen, sie punktet mit ihrem konkreten Wahlprogramm überraschend gut beim jungen Deutschen und liegt online in vielen Umfragen vorne. Doch was macht sie für junge Menschen so attraktiv?
Die Piraten stehen für mehr Freiheit im Internet, mehr Datenschutz und Privatsphäre. Zudem wollen sie eine Beschränkung des Urheberrechts auf eine Dauer von fünf Jahren. Was das für die Künstler bedeutet, diskutieren sie nicht. Und aus Verbrauchersicht, besonders aus Sicht der jungen Verbraucher, wäre es doch fantastisch, wenn jeder über das Internet uneingeschränkt auf Musik, Filme und Bücher zugreifen könnte.
Es sind die wenigen, dafür aber konkreten Punkte im Wahlprogramm der Piraten, die sie so anziehend, besonders und interessant für Junge machen. Jugendlichen fehlt die Übersicht in der Politik: Die Botschaften der SPD erreichen kaum ihren Alltag, die CDU scheint sich nur für die Wirtschaft zu interessieren und manche Grüne wirken immer noch wie Alt-Hippies. Das Wahlprogramm ist bei allen Parteien so lang und die Ziele sind unüberschaubar und einander ähnlich, dass die Auseinandersetzung damit einfach keinen Spaß macht. Das ist alles viel zu konservativ!
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Junge Leute hören gerne Musik, gucken Filme und spielen Games am PC. Da das teuer ist, muss man auf vieles verzichten. Und junge Leute wollen nicht, dass der Staat mithören kann und das Gespräch sechs Monate gespeichert wird, wenn sie am Handy über den süßen Jungen oder das hübsche Mädchen aus der Parallel-Klasse schwärmen. Wenn gerade die Partei, die die unmittelbaren Interessen der Jugendlichen vertritt, auch noch einen super-coolen Werbespot auf YouTube veröffentlicht, ist man, ohne die Politikseiten in der Zeitung gelesen oder sich bei den Nachrichten gelangweilt zu haben, ganz nah an der Politik dran. Man kann ein bisschen mitbestimmen und seine Meinung vertreten: Sei es, indem man unter dem Werbevideo der Partei einen Kommentar hinterlässt oder in einem Forum mit Leuten spricht, die sich für die gleichen Dinge interessieren wie man selbst. Das Internet macht‘s möglich. Es hat die Welt in den letzten 15 Jahren auf den Kopf gestellt. Auch dass das Logo der Partei bei Facebook oder im SchülerVZ auf dem Bildschirm erscheint, bringt die Politik nah an die Jugendlichen ran. Vor allem wird das Gefühl vermittelt, selbst etwas zu tun und selbst seine Meinung zu vertreten, wenn man einer Gruppe der Partei auf einer Internetplattform beitritt.
Das Internet ist die Schnittstelle, an der die Piraten die jungen Menschen direkt in ihrem Alltag erreichen. Die multimedialen Gehversuche anderer Parteien wirken dagegen teilweise noch aufgesetzt.
Autor: Matthias Eisenbeis (16), Murg
