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02. Juni 2009

"Lieber mitmischen als meckern

BZ-Aktion: "Jugend wählt die Politik" (2): Im Kreuzverhör: Immanuel Matt, 18 Jahre, FDP, Listenplatz 16 (HTG)

  1. Niels Gehrig und Felix Wiggenhauser im Gespräch mit Immanuel Matt (FDP), von links. Foto: Sarah Nagel

LÖRRACH. Über eine neue Disco, öffentliches Biertrinken und den größten Wunsch sprachen die Mitglieder der Lörracher Jugendredaktion mit jungen Gemeinderatskandidaten aller Fraktionen. Im Gespräch mit Immanuel Matt (18) von der FDP haben Louis Leible-Hammerer, Felix Wiggenhauser, Niels Gehrig (alle 16), Mirjam Sturm und Rebecca-Sarina Koch (beide 15) unter anderem herausgefunden, dass das politische Engagement des Vaters nicht abschreckend wirken muss.

BZ: Wenn ich Sie wählen würde, was täten Sie für eine Disco, die ich besuchen könnte?
Immanuel Matt: Also, das könnte im Gemeinderat vielleicht diskutiert werden. Ich weiß aber nicht, was es da für Einflussmöglichkeiten gibt.

BZ: Und was dafür, dass wir den Fußballplatz hinter Hebel-Gymnasium und HTG auch in unserer Freizeit benutzen dürfen?
Matt: Der Fußballplatz wäre natürlich eine praktische Freizeitgelegenheit, wenn man sich mit den Vereinen und den Anwohnern einigen kann.

BZ: Von den Umbauten am Campus Rosenfels werden wir voraussichtlich nicht mehr profitieren. Dafür kriegen wir wahrscheinlich noch den Baulärm mit. Können Sie uns trotzdem von dem Projekt überzeugen?

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Matt: Da geht es ja um die Zukunft der Stadt. Es ist ein gutes Projekt für die Zukunft, weil man mit einem größeren Schulangebot Familien nach Lörrach locken kann.

BZ: Woher kommt die Motivation, sich für den Gemeinderat aufstellen zu lassen?
Matt: Ich wollte einfach lieber mitmischen und etwas bewirken, als einfach nur zu meckern. Einen konkreten Auslöser gab es eigentlich nicht, aber ich war im letzten Schuljahr in Amerika, habe jetzt Wirtschaft in der Schule belegt und interessiere mich einfach für die Themen. Mein Vater (Anmerkung der Redaktion: FDP-Listen-Erster Marcel Matt) hatte auf meine Entscheidung keinen direkten Einfluss, aber zumindest haben mich die Einblicke, die ich vorher durch ihn hatte, nicht abgeschreckt.

BZ: Wo sehen Sie sich in Zukunft eher: in der Weltpolitik, Hände schüttelnd mit Barack Obama, oder auf einem Empfang mit Gudrun Heute-Bluhm?
Matt: Also, ich würde sagen, ich mache nächstes Jahr erstmal mein Abi und dann gucke ich weiter.

BZ: Wollen Sie mal Merkel vom Thron schubsen?
Matt: (lacht) Also, ich sehe mich jetzt noch nicht als direkte Konkurrenz zu Merkel, aber die Richtung wäre schon interessant.

BZ: Können Sie sich überhaupt vorstellen, Berufspolitiker zu werden?
Matt: Ich habe noch nicht ernsthaft darüber nachgedacht, das hauptberuflich zu machen. Für mich wäre auch Wirtschaftsingenieur interessant.

BZ: Wie koordinieren Sie das mit Schule und Politik?
Matt: Die Schule würde auf jeden Fall viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Mit der Politik beschäftige ich mich so viel, wie die Schule es zulässt.

BZ: Auf welche Hobbies werden Sie verzichten müssen, wenn Sie gewählt werden und auf was wollen Sie auf keinen Fall verzichten?
Matt: Ich spiele im Moment einmal in der Woche Tischtennis. Ich glaube, darauf müsste ich wohl nicht verzichten.

BZ: Wie könnten wir Politik für junge Leute interessanter machen?
Matt: Klar, da müsste in der Schule mit angefangen werden. Bei uns waren zum Beispiel mal Leute vom Jugendparlament. Die haben uns gezeigt, dass man sich schon als Junger beteiligen kann.

BZ: Wie setzt man sich als "Junger" durch?
Matt: Wenn ich gewählt werde, habe ich genauso meine Stimme wie alle anderen. Und ich denke, in die Gruppe findet man sich schon ein.

BZ
: Was war bisher Ihr größtes Erfolgserlebnis?
Matt: Dass ich die 11. Klasse eben drüben – in Amerika – gemacht habe.

BZ: Wenn Sie für die nächste Amtszeit einen Wunsch frei hätten, für was würden Sie ihn einsetzen?
Matt: Ich wünsche mir dass mehr für die Jungen gemacht wird. Zum Beispiel sollten Jugendtreffs ausgebaut werden, damit Jugendliche einen Treffpunkt haben, wo sie auch abends hingehen können.

BZ: Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Partei entschieden?
Matt: Naja, ich fühle mich durch den liberalen Grundgedanken in meinem Denken bestätigt. Und dadurch, dass mein Vater auch dabei ist, habe ich natürlich auch schon viel mitgekriegt.

BZ: Haben Sie jemals andere Parteien in Betracht gezogen?
Matt: Ich habe mich noch nicht so viel mit den anderen beschäftigt. Ich fühle mich auch bei der FDP ziemlich wohl.
"Dass ich mich aufstellen

lasse, zeigt, dass ich

mich engagiere."



BZ
: Was sagen Ihre Freunde und die Familie dazu, dass Sie kandidieren?
Matt: Die finden es gut. Obwohl manche Freunde sagen, sie würden mich trotzdem nicht wählen wegen der Partei.

BZ: Darf man als Gemeinderatskandidat in der Öffentlichkeit noch ein Bier trinken?
Matt: (lacht) In Maßen schon, denke ich.

BZ: Erkennen die Menschen Sie auf der Straße?
Matt: Nee, noch nicht.

BZ: Haben Sie bis jetzt selber an jeder Wahl teilgenommen, bei der Sie wahlberechtigt waren?
Matt: Ich durfte noch nie.

BZ: Für wie groß halten Sie Ihre Chance gewählt zu werden?
Matt: Es wäre schon toll, wenn es klappt, aber da gibt es ja andere Kandidaten, die viel bekannter sind. Aber dass ich mich aufstellen lasse, zeigt ja, dass ich mich engagiere und vielleicht mache ich mir ja so einen Namen.

BZ: Was halten Sie vom Wahlrecht ab 16?
Matt: Da müsste eben der Wissensstand stimmen, aber wenn es für interessierte 16-Jährige die Möglichkeit gäbe, fände ich es schon gut.

BZ: Meinen Sie dadurch würden Ihre Chancen größer?
Matt: Ja, ein bisschen vielleicht. Junge fühlen sich ja wahrscheinlich durch Junge auch besser vertreten.

BZ: Was meinen Sie, geht es im Gemeinderat professionell zu oder hat man da echt etwas gegeneinander, wenn man verschiedenen Parteien angehört?
Matt: Es müssen ja alle an einem Strang ziehen, um Lösungen zu erarbeiten, sonst geht es ja ewig hin und her.

BZ:
Im Programm der letzten Gemeinderatssitzung stand unter Punkt 3: "Oberzentrum Lörrach – Weil am Rhein: Gemeinsamer Flächennutzungsplan 2022; Erstellung Flächennutzungsplan (FNP) und Landschaftsplan (LP) für die Verwaltungsgemeinschaft Lörrach-Inzlingen, Bericht über das Offenlageverfahren, Beschluss gemäß §6 Baugesetzbuches und gemäß §67 Absatz 4 Nummer 2 Naturschutzgesetz". Interessiert Sie das wirklich?
Matt: Klar, das Bauland muss ja genutzt werden, um Lörrach attraktiver zu machen. Auch wenn sich das jetzt erstmal kompliziert anhört müssen ja auch solche Themen besprochen und geregelt werden. Und man arbeitet ja nicht alleine an so einem Thema.
Das Projekt "Jugend wählt die Politik" wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB), der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) und dem Landesjugendring (LJR). Alle Beiträge sind unter www.badische-zeitung.de/jugend-waehlt-die-politik zu finden.

Autor: sar