Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
24. Mai 2009 14:21 Uhr
Die 3 jüngsten Gemeinderatskandidaten
Politik ist nicht nur etwas für "alte" Leute
"Politik ist nur etwas für alte Leute. Für den Gemeinderat kandidieren sowieso nur diejenigen, die die 30 schon weit hinter sich gelassen haben." Dieses Klischee lässt sich zumindest für die Gemeinden Breisach, Ihringen und Vogtsburg widerlegen.
BREISACH/IHRINGEN/VOGTSBURG. Die Breisacher BZ-Jugendredaktion hat sich in den 3 Kommunen mit dem jeweils jüngsten Kandidaten, der für den Gemeinderat kandidiert, unterhalten.
Ruben Link (18) steht in Breisach zur Wahl. Der Vorsitzende der Breisacher Jusos besucht die 12. Klasse des Martin-Schongauer-Gymnasiums. Seit ein paar Jahren interessiert er sich für Politik und begann damit, sich mit Hilfe von Zeitungen und Talksendungen zu informieren. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Amerika fasste er 2008 gemeinsam mit Jacqueline Oeschger und Ali Özdakak den Entschluss, in Breisach eine Juso-Gruppe zu gründen. Nach und nach gewannen die drei immer mehr Mitglieder und besuchten auch Gemeinderatssitzungen in Breisach.
Auf Anfrage von Lothar Menges, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsverbandes, stimmte Ruben schließlich zu, für den Gemeinderat zu kandidieren. "Ich möchte mich für die Jugend einsetzen", erklärt er. Deshalb engagiert er sich für den Ausbau des Breisacher Jugendzentrums und die Beschäftigung von Streetworkern, die insbesondere bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vermitteln sollen. Auch will er Politik an Schulen präsenter machen, beispielsweise durch die Einrichtung von Politcafés, um so den Dialog zwischen Politikern und Schülern zu ermöglichen.
Werbung
"Jugendliche sollten sich für ihre Interessen einsetzen und ihr Recht nutzen, in der Demokratie aktiv mitzuwirken." Diese Meinung vertritt er schon lange, denn ohne Jugendliche könne die Politik nicht jugendfreundlich sein. Sein Einsatz in der Politik wird generell positiv aufgenommen. Gerade von Familie und Freunden erhält er viel Unterstützung.
Dadurch kann sich der 18-Jährige auch gut vorstellen, später einmal im Land- oder Bundestag aktiv zu sein. Er würde es allerdings eher vorziehen, "hinter den Kulissen" zu wirken. Erstmal will er Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften studieren, um danach im Bereich Wirtschaft und Unternehmensberatung zu arbeiten. Im Vordergrund steht für ihn Kooperation statt Konkurrenz, denn nur so könne sich die Gesellschaft entwickeln.
In Ihringen kandidiert Christopher Bühler für die CDU. Der 18-Jährige betreibt seit 4 Jahren eine eigene Internetfirma im Bereich E-Commerce. Außerdem besucht er die 12. Klasse der Angell-Schule in Freiburg, hat seinen Firmensitz in Berlin und studiert Rechtswesen in Hamburg. Schon im Alter von 12 Jahren wurde sein politisches Interesse geweckt, worauf er mit 14 Jahren dem Bundesverband der Jungen Union und zwei Jahre später dem der CDU beitrat. Bald wurde er stellvertretender Kreis- und 2008 Ortsvorsitzender von Ihringen. Er möchte vor allen Dingen der Politikverdrossenheit entgegenwirken und die Kommunalpolitik stärken: "Global denken, lokal handeln", lautet deshalb sein Motto.
Er fordert mehr Einsatz von Seiten des Gemeinderats für die lokale Wirtschaft und ruft gleichzeitig zu mehr politischem Engagement in der Gemeinde auf. Schließlich sei es in der Kommunalpolitik für jung und alt einfacher, sich für persönliche Interessen einzusetzen, als auf Bundesebene.
Es sei wichtig, dass alle Generationen im Gemeinderat vertreten sind, denn nur so könne ein ausgewogenes Verhältnis von Erfahrung und neuen Ideen entstehen.
Des Weiteren möchte er die Vereine in Ihringen stärker unterstützen und mehr in die Öffentlichkeit rücken. Hierfür sei eine bessere Zusammenarbeit von Vereinen und Politikern notwendig. Sollte sich für ihn die Möglichkeit bieten, auf Bundesebene aktiv zu werden, möchte er diese Chance unbedingt nutzen. "Denn dort kann man viel erreichen und die Interessen der Bürger vertreten."
Matthias Rosenfelder hat sich für den Vogtsburger Gemeinderat aufstellen lassen. Der gelernte Weinküfer arbeitet in seinem Heimatdorf in der WG Bickensohl. Seit 10 Jahren ist die Politik Teil seines Lebens und mittlerweile sein größtes Hobby. Der 20-Jährige engagiert sich seit 2005 in der Jungen Union sowie in der CDU. Er schätzt an seiner Partei vor allem, was diese in den Jahren nach 1945 unter Konrad Adenauer und Helmut Kohl geleistet hat. "Demokratie lebt vom Mitwirken der Bürger", meint er. Das war auch der Grund für seine Kandidatur. Es ist für ihn selbstverständlich, in seinem Verein Engagement zu zeigen sowie Verantwortung zu übernehmen.
Seiner Ansicht nach gibt es noch einiges in Vogtsburg zu tun. So tritt er für die Erweiterung des Busnetzes ein, um Ortschaften wie Schelingen oder Bickensohl mobiler zu machen. Für Jugendliche möchte er im Bereich Freizeitgestaltung mehr Möglichkeiten bieten, sei es durch Spielplätze für Jüngere oder Jugendfreizeiten.
Besonders liegt ihm die Förderung der Landwirtschaft am Herzen. Durch seinen Beruf hat er viel Kontakt zu Winzern und fordert deshalb eine stärkere Kommunikation zwischen diesen und dem Gemeinderat: "Man muss gemeinsam mit den Winzern Lösungen erarbeiten."
Gerade für die Gemeinde Vogtsburg stellt der Gemeinderat einen gemeinsamen Nenner der verschiedenen Ortsteile dar. "Viele Probleme können nur gelöst werden, wenn alle an einem Strang ziehen." Deshalb sollte die Möglichkeit, wählen zu gehen, von allen wahrgenommen werden, damit die Zukunft gemeinsam gestaltet werden kann. Wie Ruben und Christopher kann er sich eine politische Karriere auf Bundesebene durchaus vorstellen.
Autor: Julia Liebermann und Nadja Rauscher


