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06. Mai 2009 16:58 Uhr

Planspiel im Gymnasium zum Thema Europa

Politik kann Schülern durchaus Spaß bereiten

Dass Politik durchaus Spaß machen kann, erfuhren 40 Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen des Martin-Schongauer-Gymnasiums (MSG) bei dem zweitägigen Planspiel "Schüler erleben Europa".

  1. Der Ministerrat der EU, gespielt von Schülern, war stets darum bemüht, die Interessen aller Nationen zu wahren. Foto: michel gandon

BREISACH (mgn). Zur Diskussion standen neue Regeln für den Konsum, Verkauf und Anbau von Tabak. In Rollen zu schlüpfen und Standpunkte zu vertreten, die sich nicht mit der persönlichen Meinung decken, war für die Jugendlichen Herausforderung und Spaß zugleich. Gemeinschaftskundelehrer Patrick Thalacker war von dem Projekt und dem Engagement seiner "Jungpolitiker" begeistert.

Das Planspiel unter dem Motto "Schüler erleben Europa" wird an Gymnasien in ganz Baden-Württemberg gespielt. Isabel Plocher, Bildungsmanagerin der Gruppe Eurosoc, leitete das Projekt am MSG. "Das Planspiel wird sehr aufwendig vorbereitet", erklärte Plocher. Die Schüler sollten sowohl den Namen wie auch die Meinung der jeweiligen Politiker übernehmen. Sie mussten oftmals Positionen vertreten, die sich nicht mit den eigenen Ansichten deckten, und in Diskussionen Kompromisse finden. So wurden ihnen neue Blickwinkel zu Themen eröffnet.

"Ziel des Planspiels ist es, Schülern ein besseres Verständnis für Europa zu vermitteln", so Plocher. Gerade in einem europäischen Wahljahr sei es wichtig, Erstwähler wie Schüler für Politik zu begeistern.

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Thalacker lobte die Aktion. In der 11. Klasse mache das Thema EU ein Viertel des Lehrplans aus und so biete sich das Planspiel durchaus an. "Für die Schüler ist es eine willkommene Abwechslung, die an den Unterricht anknüpft", so der Pädagoge. Die Kompromissfindung schule außerdem die Argumentationsfähigkeit. "Ein so umfangreiches Projekt kann man im Schulalltag leider nicht umsetzen", bedauerte Thalacker.

Hitzige Debatte über die Abschaffung von Zigarettenautomaten

Auch der Schüler Tim Henning, der als EU-Ratspräsident eine wichtige Rolle zu spielen hatte, konnte dem Planspiel viel Positives abgewinnen. "Es ist wirklich schwer, für alle Interessen am Ende eine gemeinsame Lösung zu finden", räumte der 16-Jährige ein. "Es war eine tolle Erfahrung und ich verstehe die Politik jetzt besser", fügte er hinzu. Gestört hätten allerdings die häufigen Pausen. Das fand auch die 16-jährige Anne Herlan, die als Fraktionsvorsitzende im Parlament Großbritannien vertrat. Vor allem die Debatte über das Rauchverbot interessierte sie, denn "eine Entscheidung der EU würde auch Jugendliche in unserem Alter betreffen".

Die Schülerinnen und Schüler sollten im EU-Parlament und -Rat über eine europaweite Richtlinie entscheiden. Neue Grenzwerte für Inhaltsstoffe von Zigaretten und ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden waren schnell beschlossen. Über die Subventionen für die Tabakbauern und die Abschaffung von Zigarettenautomaten entbrannten allerdings hitzige Debatten. "Das ist genau wie in der Politik. Wenn es um das liebe Geld geht, denkt jeder nur an sich", lachte Plocher.

Die Schüler verabschiedeten schließlich eine Richtlinie, nach der den Tabakbauern Subventionen bis 2015 eingeräumt und Zigarettenautomaten europaweit abgeschafft werden sollen.

Autor: bz